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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-05-23 · Heft 21 (23.5.1847) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 21 (23.5.1847)
Date
1847-05-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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160 seitvem in Paris, wo er noch lebt, als Maler bcmerklich. Zu London befinden sich Hr.Heinrich Goldschmidt von hier, ein denkender, tüchtiger Künstler, und Hr. Baruch-Halle, ein junger Mann, von dem vor einiger Zeit hier eine große historische Darstellung ausgestellt war, die viel verspricht; er ist von hier, erhielt aber seine künstlerische Ausbildung zu Antwerpen unter Wappers. Die Portraite der hier lebenden Maler, Hr. Lundenschütz aus Besanoon und desHrn. Herz ans Hildesheim find verdienstvoll, wiewohl ganz verschieden in Auffassung und Behandlung; Erster gehört der französischen. Letzter der DüffeldorferMalerschulcan; vonHrn. Herz cristiiteinGcnregemälde: junge Mädchen an der Spitze einer Proccssion, das s.Z. sehr gefallen hat und lithographirt worden ist. Auch Hr. Schlösser, welcher an der Gemeindcschule den Unterricht im Zeichnen ertheilt, ist ein guter Portaitmaler und hat sich im Genrefache nicht ohne Glück versucht. Den Künstlern dürfen wir noch Hrn. Dondorf beizählen, der eine lithographische Anstalt dahier gegründet, selbst aber schon Ausgezeichnetes im Fache geleistet hat. An Baumeistern fehlte es in der reichsstädtischen Zeit der hiesigen Gemeinde nicht, sie hatte deren beständig ein Dutzend; den Gemeinde-Vorstehern, Parnassim, war nämlich diese Bezeichnung gesetzlich als Ehrentitel bcigelcgt. Dermalen hat sie nur einen Architekien aufzuweisen, de« zu Paris lebenden Hrn. Dahlstein. Diese Angaben von einem mehr localen Interesse geben uns zu einer Bemerkung von allgemeinem Interesse Veranlassung. Das christliche Berlin hat, so weit uns bekannt, der ausgezeichneten Künstler nicht viele hcrvorgebracht; woher mag es rühren, daß sich bei der dortigen jüdischen Gemeinde das Bcrhaltniß umgekehrt stellt? Meyerbeer, Mendelssohn, Bendemann, Veit, auch Magnus, ein andrer bedeutender Maler, gehören der Geburt nach dieser Gemeinde an; Mendelssohn und die beiden Veit find Enkel Moses Mendelssohns. Weniger auffallend erscheint das gleiche Berhältniß derselben zu den andern jüdischen Gemeinden, denen sie in der Bildung überhaupt um ein Viertel Jahrhundert vor gewesen, wenn man erwägt, daß diese Künstler nicht zu denen gehören, welche alles sich selbst und dem eigenen Genie verdanken, vielmehr sämmtlich das Glück hatten, Kinder solcher Eltern zu sein, welche die Einsicht besaßen, ihre angebornen Talente zu erkennen, und die Mittel, sie ausbilden zu lassen; Eltern, deren sich sonst in der Judenheit bis auf unsere Zeit nicht viele gefunden haben mögen. Müßten wir nicht fürchten, daß es für jüdische Anmaßung genommen werden könnte, so würden wir die Vermuthung wagen, daß es gegen Ende des vorigen und zu Anfang dieses Jahrhunderts zu Berlin einen jüdischen Kreis gegeben hat, der in manchem Betrachte klarer sah und richtiger fühlte als die große Mehrzahl der übrigen Bewohner, was sich auch in Rahels Briefen und andren Mittheilungen Varnhagens bestätigt findet, ein Kreis, welchem die Eltern jener Künstler wahrscheinlich angehört haben. Wir schließen unfern Bericht über Kunst und Künstler, ohne die Dichtkunst zu berühren. Die Poeten sind ein eigenthümliches Völkchen und leicht verletzt; der eine will nicht genannt, der andre nicht übergangen, dieser will Dichter für die Mit -, jener für die Nachwelt sein, und am Ende kämen vielleicht alle darin überein, uns ein richtiges Urthcil in Sachen der Poesie zuzugestehen; am besten wir schweigen. (Schluß folgt.) Einhorn, Cohn. (Von der Oder, im April.) — Die Nachricht von der Erwählung Einhorns zum Landesrabbiner in Mecklenburg- Schwerin hat hier das freudigste Interesse erregt. In den Kreisen, in welchen Holdheims persönliche Würdigkeit und sein einflußreiches Wirken volle Anerkennung findet, war man nicht ohne Bangen um den Ausgang einer Wahl, die ein so wichtiges Amt in die Hände eines Einzelnen legt. Holdheim hatte einen verwilderten Acker überkommen, voll knorrigen Gestrüpps, in welchem die Spuren uralter ^Verwüstung tief eingegraben waren, und in dem kurzen Zeitraum von wenigen Jahren hat sein schaffender Geist, seine regsame Hand ihn verwandelt in ein blühendes Feld voll üppig aufgegangcner Saaten; und es hätte uns tief geschmerzt und wäre wohl ein Vcrrath an der heiligsten Sache gewesen, wenn man jene hohlen Hirschfeldschen Hungerleider in dieses grüne und reiche Gartenland gesetzt hätte, daß sie es abgrasen mit dem Appetit eines Ochsen und es ausbeuten für die Bedürfnisse ihres Magens. Einhorn hingegen ist ganz der Mann, um selbst als Nachfolger eines Hold heim Bedeutung zu erlangen und ein neuer glücklicher Stern scheint uns nun über dem Judenthum.zu walten, der diesen wohlthätigen Wechsel hervorgebracht. Holdheims seltene Rapidität des Geistes hat ihn schnell alle Stadien durchmachen lassen, in die das heutige praktische Judenthum durch seine verschiedene, streng markirte Vertreter getheilt ist, und ohne daß er sichs versah ist er auf eine Höhe der Entwickelung gelangt, in die unsere heutigen Gemeinden ihm nicht folgen können. Nur eben eine Gesammtheit, wie die Genossenschaft in Berlin, die sich das religiöse Bedürfniß der Gegenwart zum vollen und klaren Bewußtsein gebracht, ist ein Boden für seine Wirksamkeit; in allen sonstigen Gemeinden, wo eine ungewisse, man weiß nicht ob Tag oder Nacht verkündende Dämmerung herrscht, ist der jetzige

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