Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1847)
- Date
- 1847-05-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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164 dem Frieden. Gegen solche gefährliche Bundesgenossen aber können wir nicht genug warnen. Die Bibel — und darin stimmt der Talmud vollkommen überein — kenn keine andere Entheiligung des Sabbath als die durch Arbeit. Und wenn Jemand 3"iy “iyi3“)yD sich niederlegt, schläft oder träumt oder sonst faulenzt, also doch gewiß den Sabbath nicht durch religiöse Erhebung und Weihe geheiligt, so wird sie ihn wegen Entheiligung des Sabbath nicht bestrafen und wäre er tausendmal verwarnt worden und in seiner trägen Jnactivität verblieben. Dies ist der stärkste Beweis, daß die Bibel auch keine andere Sabbathheiligung kennt als die durch Ruhe, und alle künstlichen Beweise, die man für das Gegentheil anführen mag, beruhen auf Selbsttäuschung. Freilich muß die Arbeit wie jedes Verbrechen, wenn es bestraft werden soll, eine beabsichtigte sein, und darin hat der Talmud entschieden recht, wenn er die Absicht nur auf die Arbeit bezieht, wenn auch damit nicht geleugnet werden soll, daß seine Theorie über diese Absichtlichkeit eine feingesponnene und in juristische Spitzfindigkeiten auslaufende ist, die auf religiösem Gebiete allemal Zeugniß einer verknöcherten Anschauung ist. Wir wenden uns zu unserem lieben College« Herzfeld. Es hat sein Votum wie auf uns gewiß auf jeden nicht zu der gegnerischen Partei gehörenden, Leser einen angenehmen, wohlthuen« den Eindruck gemacht. Es ist darin neben so viel Gutem und Wahrem auch recht viel Herzliches ausgesprochen. Die erleuchtete Pietät, die ein Grundzug in dem schönen Charakter Herzfeld's ist, weht den Leser daraus an; man ergötzt sich ordentlich an dem edlen Kampfe zwischen der gläubigen Frömmigkeit des Gcmüths und der Skepsis des wissenschaftlich ausgebildeten Verstandes wenn man ihn in so schöne Accorde sich auflösen sieht. Doch die Kritik will auch hier ihr Recht nicht aufgebcn und es soll ihr dies auch hier nicht vorenthalten werden. Herzfeld möchte mit Heß die philosophischen Theorien hier aus dem Grund abgewiesen wissen, weil sic eben so wenig der Schlichtheit Moses, als dessen einfacher Lehre anständen. Zur Beseitigung dieses Skrupels haben wir bereits bei Heß das Nöthige angemerkt. Herzfcld hat zuvörderst den biblischen Begriff der Sabbathweihe richtig aufgefaßt, wenn er dieselbe in der Ruhe findet, wenn es auch als einseitig rationalistisch bezeichnet werden muß, daß der Grund der Sabbathruhe ausschließlich die physische Erholung sein solle. „Die Ruhe am Sabbathe," sagt er ganz richtig, „ist um ihrer selbst willen geboten, nicht erst des Gottesdienstes wegen, dem sie Raum giebt." Soweit stimmt H. mit uns überein; doch fährt er fort: „Auch ist sie nicht Symbol, wie Hold heim behauptet hat, abgesehen davon, daß wir nicht über die Symbole hinaus sind, wie derselbe ebenfalls meint, ich für meine Person bekenne, ich bedarf ihrer noch in manchen Stunden." In diesem Bekenntniß stimmen wir mit Herzfeld aus voller Seele überein: auch wir bedürfen der Symbole in gar vielen Stunden. Und dennoch behaupten wir noch ferner; Die Sabbathruhe sei ursprünglich Symbol gewesen und wir seien deshalb über sie hinaus. Ein Mißverständniß zwischen uns beiden liegt hier offenbar zu Grunde, das aufgeklärt werden muß. Nicht über die Symbole, sagte ich, seien wir hinaus, sondern über die symbolische Religionsform, über den symbolisch-religiösen Standpunkt des menschlichen Gemüths, auf welchem die symbolifirte Idee nur Realität im Symbol, der Gedanke nur in und mit dem Bilde Existenz hat. Ueber diesen ursprünglichen Gemüthszustand und der nur ihm adäquaten symbolischen Religionsform , sagte ich, find wir auf der gegenwärtigen Entwicklungsstufe des menschlichen Geistes, der Ideales und Reales einander gegenüberstellt, hinaus. Wir können des Symbols um der Idee willen noch bedürfen und bedürfen seiner noch in der That, entbehren es aber, wenn die Idee ohne Symbol bei uns zum Bewußtsein kommt. Dem symbolischen Standpunkt aber ist Letzteres nicht möglich, die Idee ist auf ihm an das Symbol festgcbunden. Wollte ich behaupten, wir seien schlechthin über die Symbole hinaus und bedürfen ihrer nicht mehr, so müßte ich das psychologische Gesetz der Jdeenassociation, vermöge dessen Vorstellungen, die gleichzeitig im Bewußtsein waren, sich ganz oder theilweise gegenseitig reproduciren, leugnen. Ich mache mir wohl einen Knoten im Taschentuche, um mich, wenn ich ihn sehen werde, an etwas, woran ich damals dachte, zu erinnern. Das Symbol hat daher auch für uns Werth, aber nur als Erinnerungszeichen, als Ideen anregend und erweckend und daher auch in solchem Sinne als Cultusform. Ganz anders war aber der Charakter des Symbols im Alterthum und auch im Judentbum beschaffen; es war die allnn mögliche und darum auch die allein gütige Erscheinung der Idee. So war z. B. die Sabbathruhe Symbol oder Erscheinung der Sabbathidee; mit der Ruhe war die Idee gegeben, mit ihr genommen, mit ihr anerkannt mit ihr ge- I leugnet; .wer am Sabbath ruhte, bezeugte, daß Gott in sechs Taj gen die Welt geschaffen und am siebenten Tage geruhet, wer am! Sabbath arbeitete, bezeugte das Gegentheil, gab also falsches J Zeugniß ")pW N'PQ und wurde deshalb bestraft. (Fortsetzung folgt.)