Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1847)
- Date
- 1847-05-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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103 Das Resultat sei also: jede Thätigkeit, mit der die Absicht verbunden, die Sabbathidee zu realisiren, sei, sie möge noch so anstrengend sein, nicht nur erlaubt, sondern sogar geboten, das Gegentheil verboten. Wo dies in einzelnen Fällen stattfinde, müsse dem Gewissen überlassen bleiben. Die Todesstrafe, die auf die Uebertretung des Arbeitsverbots gesetzt sei, treffe nicht die Arbeit als solche, sondern lediglich die in und mit ihr sich kundgebende Absicht — und deshalb auch und insofern als dies wirklich der Fall sei — die Sabbathweihe zu stören. Man muß gestehen, Pik habe seinen Gegenstand klar durchdacht und logisch wohlgeordnet. Er ist überhaupt ein ehrenwerther Mann und Charakter; er hat sich die Ideen des Fortschrittes ziemlich klar angceignet, und kämpft für ihre praktische Geltendmachung auf einem Gebiete, wo der Kampf, weit schwieriger als im übrigen Deutschland, auch um so verdienstlicher ist. Nur steht er, was die wissenschaftliche Begründung dieser Fortschrittsideen betrifft, noch in'dem Stadium der Naivität, welches man in Deutschland bis auf wenige Ausnahmen längst überschritten hat, nämlich in dem guten Glauben, Bibel und Talmud winken diesen Fortschrkttsideen aus vollem Herzen Beifall zu, freuen sich, daß die Zeit des bornirten Talmudglaubens vorüber sei und endlich der lichtern Gegenwart Platz gemacht habe, die sie, nämlich Bibel und Tradition, als die ältesten Träger dieser Ideen anerkenne. Daher die große Harmlosigkeit, welche Piks Votum durchweht, in welchem kein Zweifel über die innere Uebereinstimmung dieser Vordersätze und Conclufionen mit den Aussprüchen den innern seligen Frieden stört. Es thut uns wehe, solchen Frieden stören zu müssen, aber die Illusion muß doch endlich schwinden, und ehe dies von den Häuptern der Orthodoxie mit großer Schadenfreude geschehe, ist doch am Ende besser, daß wir es im Interesse eines klareren Bewußtseins selbst thun. Das fühlt Pik wohl, daß zwischen rottfno rDN^D im Sinne des Talmuds und der beabsichtigten Störung der Sabbathidee in seinem Sinne ein himmelweiter Unterschied liege. Allein dies würde nichts zu bedeuten haben, wenn er nur seine Definition auf den biblischen Standpunkt eben so zu begründen und nachzuweisen wüßte, wie die Tradition in Bezug der ihrigen es gethan hat. In der Bibel steht: wer am Sabbath eine Arbeit verrichtet, soll getödt t werden; sollte, we Pik will, durch die Arbeit schlechthin der Sabbath nicht entweihet, und erst durch die Absicht, ihn zu entweihen, derselbe entweihet werden, so würde das eigentliche Gesetz fehlen, und nur dasjenige stehen, was zur Mißdeutung führen könnte. Aber, sagt Pik, das Gesetz sagt: wer den Sabbath entweihet, soll getödtct werden, ohne solche Absicht und durch die bloße Arbeit ist aber keine Sabbathentweihung geschehen. Za wohl, antworte ich, im modernen Sinne des Herrn Pik, aber nicht im Sinne der Bibel; Hier behaupte ich, ist die Arbeit schlechthin eine Entweihung des Sabbath, wie die Ruhe die Weihe desselben ist, und wenn Herr Pik das Gegentheil beweisen will, so muß er vorher den Beweis führen, daß das, was er behauptet, in der Bibel stehe. Die ganze Beweisführung dreht sich aber in einem Zirkel herum. Herr Pik spricht sich erst aufs Entschiedenste — aber ohne allen Beweis dafür aus, daß der Sabbathzweck nur durch religiöse Erhebung und Weihe erreicht werden könne, trägt dann seine beliebige Meinung in die Bibel hinein, beweist dann sonnenklar aus der Bibel, indem sie die Entweihung des Sabbath mit dem Tove bestraft, daß sie nur die die Weihe störende Absicht bestraft wissen will, da durch die Arbeit schlechthin zufolge der Voraussetzung der Sabbath doch nicht entweiht werde. Wie weit doch einer irrigen vorgefaßten Meinung zu Liebe die Illusion und Selbsttäuschung getrieben werden kann! Und wie wird diese Absicht, die doch allein das strafwürdige Moment ist, ermittelt? Herr Pik weiß ein sehr gutes Auskunftsmittel. Der Verbrecher muß sich nma1? "PnOfem, er muß nachdem er von den Zeugen mit der Todesstrafe gewarnt worden ist, mit dem entschiedenen Ausspruch sich bereit erklärt haben, dieselbe über sich ergehen zu lassen. Nun, sagt Herr Pik, nachdem alles dies geschehen ist, kann doch die Absicht des Sabbathschänders nicht mehr bezweifelt werden. Aber ist diese ganze Theorie eine biblische, eine auch nur scheinbar in der Bibel begründete? Zst Herr Pik wirklich des Glaubens, daß bei dein E'EnpQ diese ganze Procedur stattgefunden habe? Der Talmud Sanhedrin 41 a behauptet und beweist es sogar aus dem Bibelworte selbst: „Sie fanden ihn Holzauflesend" (Num. 15), es müsse denn sein, daß nachdem sie ihn schon verwarnt hatten, er noch immer in der Ausübung des Frevels fortfuhr. 12 nnnttf tl'EHpD Nin pHyi Nicht minder schlagend wird das. aus dem Bibel, roortenon nlll' bewiesen, daß das Erforderniß iCäjn’rvtiHJ? biblisch begründet sei. Wir haben hier also die merkwürdige Erscheinung vor Augen, wie Herr Pik um die talmuvische Sabbath. theorie auf dem Grunde der Bibel zu widerlegen und dadurch einen freien Standpunkt zu gewinnen, zur strengsten Talmudgläubigkeit zurückkehren und Alles unterschreiben muß, was dem Talmud aus der Bibel herauszulesen nur beliebte. Mit dem Talmud auf diesem Standpunkte fertig zu werden, ist nicht gut möglich; man spaltet und zerthellt ihn daher in viele verschiedene Gegner, und nur denjenigen, der gerade augenblicklich im Wege steht, desto besser bekämpfen zu können, schließe man mit den an-