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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-05-23 · Heft 21 (23.5.1847) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 21 (23.5.1847)
Date
1847-05-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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las von dem einzelnen Rabbiner; jene nennt sich die Versammlung deutscher Rabbiner und hat somit die gesammte Judenheit Deutschlands im Auge, während der einzelne Rabbiner seine Stellung zu einer bestimmten Gemeinde und den in ihr waltenden concreten Verhältnissen im Auge behalten muß. Zn der Versammlung deutscher Rabbiner gehen die Persönlichkeiten der einzelnen Rabbincn wie in einen höhern Organismus auf. Sie bildet, wie schon oben ausgcführt, eine moralische Person und ihre Stellung zu der deutschen Zudcnhcit ist nicht die eines praktischen Geistlichen, sondern eines theologischen Schriftstellers. Die Gemeinden haben die Rabbincn nicht abgeordnet, diese treten vielmehr aus freien Stücken zusammen, konstituiren sich zur Versammlung, um zu berathen, was in den bestehenden Verhältnissen den Forderungen der Religion gemäß sei, was aus diesen entfernt werden müsse und was an dessen Stelle zu treten habe. Mag die religiöse Praxis, das heißt, die Feststellung einer solchen nach den Forderungen der Religion, Gegenstand und Ziel ihrer Thätigkeit sein, so ist diese Thätigkeit selbst doch zunächst eine theoretische, eine schriftstellerische und muß nach dem Maßstab der Forderungen, die an eine solche zu stellen sind, nämlich der der Ucbercinstimmung mit der Zdce der Wahrheit nach der eigenen vollen Ueberzcugung, welche dem praktischen Geistlichen in Rücksicht auf seine bestimmte Stellung und begrenzte Thätigkeit erlassen werden kann, beurtheilt werden. Für die Rabbiner-Versammlung vindicire ich den Charakter eines auf dem Gebiet der religiösen Praxis thätigcn Schriftstellers, der zugleich Rabbiner in einer Gemeinde ist, und alle Forderungen, die ich an einen solchen mache, nämlich das frei Waltenlassen der wissenschaftlichen Ueberzcugung, die er in seiner engcrn und beengten Stel. lung als Rabbiner der Gemeinde gegenüber zurückhalten muß, stelle ich, und glaube mit vollem Recht, an die Wirksamkeit einer Versammlung deutscher Rabbiner. Wie dieser Constict Zwischen dem Schriftsteller und dem Rabbiner in einer Person, mithin auch zwischen dem Rabbiner einer bestimmten Gemeinde und dem Mitglicve der Rabbiner-Versammlung in einer und derselben Person glücklich gelöst werden könne und wirklich gelöst worden ist, brauche ich hiör nicht auszuführen, indem ich den Leser auf das verweise, was Geiger hierüber schon i. I. 1838 in seiner Zeilschrist Bd. IV. S. 321 — 333 Vortreffliches und Gediegenes gesagt bat, das kein Mitglied der Rabbiner - Vers, ungelesen und unbeherzigt lassen soll. Die folgenden Redner von Bedeutung sind: Pik, Herzfcld, Salomon, Stein, Philippson, Wagner, Auerbach, Formstecher und Sobernheim, bei welchen, wenn auch nicht immer Neues und Selbstständiges, doch immer Eigenthümliches und Beachtenswerthes in den Vordergrund tritt, und der ärgste Feind der Rabbiner - Versammlung kann ihr nicht vorwerfen, sie habe die Sabbathfrage nicht vielseitig beleuchtet unv beinahe erschöpfend diskutirt. Die Literatur, soweit sie dieser Frage sich schon bemächtigt hatte, wurde vielfach benutzt, und was rühmlich anzuerkennen ist, es suchte jeder sich auf eigne Füße zu stellen; und waren bei so vielen Rednern über einen Gegenstand Wiederholungen nicht zu vermeiden, so hat doch die jedesmal eigenthümliche Färbung ihnen das Ermüdende genommen, was schon der Umstand beweisen mag, daß oft aus gleichen Prämissen die verschiedensten und entgegengesetztesten Resultate gezogen wurden. Pik meint, Grundgedanken und somit Hauptzweck des Sabbaths sei die Erinnerung an die Schöpfung, vor welchem die Erinnerung an die Befteiung in den Hintergrund zurücktrete, wonach der Sabbath einen allgemeinen Charakter habe, nicht blos lm Verhältniß zu Israel, sondern schon an unv für sich als ein heiliger Tag. (Warum aber der Sabbath in einer Stelle Eiod. 31. 16 — 18, wo der Schöpfung ausdrücklich gedacht, ein nnn „ewiges Bündniß", rr'N mx ein ewiges Zeichen zwischen Gott und Israel genannt wird, wird mit Stillschweigen übergangen). Erreicht werve der Zweck — so müsse er sich auf das Entschiedenste aussprechen — nur durch geistige, religiöse Erhebung, denn wie könne sonst faktisch das Zeugniß abgelegt werden, daß Gott seiner Schöpfung das Gepräge der Vollendung aufgedrückt habe? (Warum dies nicht durch die Sabbathruhe, welche alte jüdische Religionsphilosophen für ein rwyD nXTin halten, geschehen könne? hat Pik abermals zu erklären unterlassen). Die Ruhe sei nicht einmal positives Mittel, sondern blos negative Bedingung der Weihe und werde nur dann mit dem Tode bestraft wenn sie zugleich eine offenkundige Auflehnung gegen die Sabbathidee enthalte, eine ausdrückliche Absicht der SabbathEntweihung an den Tag gelegt werde. (Warum aber die Intention, wenn sie durch etwas Anderes, durch eine ausdrückliche Erklärung vor Zeugen offenkundig hervortrcte, aber nur nicht durch Arbeit geschehe, nicht bestraft werde? bleibt wieder unerklärlich. Es muß denn doch sein, daß die Arbeit der allein gültige Ausdruck solcher Absicht, den Sabbath entweihen zu wollen, sei, wie auch umgekehrt die Ruhe der allein gültige Ausdruck der Sabbathweihe ist, welches man sich durchaus nicht eingestehen will.) Die Anstrengung könne nicht als Maßstab einer am Sabbath verbotenen Arbeit gelten, da solche bei verschiedenen Kräften verschieden ist, sondern ausschließlich die Absicht, ob sie auf die Realisirung der Sabbathidee oder das Gegentheil gerichtet sei.

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