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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-05-16 · Heft 20 (16.5.1847) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 20 (16.5.1847)
Date
1847-05-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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150 nungen Maßregeln zur Heraustreibung eingesogener, verbotener Speisestoffe aus dem midianitischen Geschirr erkennen, müssen konsequenter Weise das Schriftwort auch insofern verdrehen, als sie unter „Alles, was nicht in's Feuer kömmt", das blos zur Aufbewahrung oder Bereitung kalter Speisen Verwendete verstanden wissen wollen. Merkwürdiger Weise bekennt sich aber der Talmud selbst anderwärts wieder zu der richtigen Interpretation. (Vcrgl. Sabbarb 58 d. und Sanbedrin 39 a, nebst Raschi idiä.), worin uns der Hauptgrund zu liegen scheint, daß auf seinem eigenen Standpunkte die > Ansicht 1*6 np'jD qjjd vorherrscht und von den j biblischen Bestimmungen hinsichtlich der midianitischen Geräthe so wenig Notiz genommen wird. Wir stehen nun am Schluffe dieser Erörterungen, in deren Kreis nur solche Speisegesetze gezogen wurden, deren Reform uns theoretisch möglich und praktisch nothwendig geschienen. Die Pessach-Speisegesetze sind einer andern Commission überwiesen. Was aber die rein rabbinischen Speise - Verbote wie zum Beispiel. naa tu«nnD/"03n^n»abn ic. betrifft; so wird die Abstellung derwlben, indem sie auf völlig unbegründeten Befürchtungen beruhen, mitunter zunächst auf die soziale Absonderung der Zsraeliten abzwecken, ohnehin aber großentheils aus dem Leben und sogar aus dem Andenken der deutschen Judenheit geschwunden sind, einer nähern Motivirung sicherlich gar nicht bedürfen, und in dieser Beziehung ein einfacher Ausspruch der Rabbinerversammlung genügen. Meines Erachtens wäre nun der R. - V. vorzuschlagen : 1) sich darüber auszusprechen, ob die in Levit. 11 und Deuter 14 verkommenden Spcisegescye in Bezug auf Unreines als selbstständige oder vielmehr als im Verbote levirischer Verunreinigung begründete Vorschriften zu betrachten seien; 2) zu erklären, daß die traditionellen Bestimmungen hinsichtlich “S“id und rfcu keine religiöse Verbindlichkeit ansprechen können und demgemäß lediglich das Gefallene und Zerrissene, nicht aber das von Menschenhand in dieser oder jener Weise Getödtete oder auch mit gewissen Fehlern — ohne weiteres Zeichen wirklicher Erkrankung — Behaftete verboten fei; gleichwohl aber in nicht dringenden Fällen das rituelle Schlachten als ursprünglich auf Humanität gegen Tbiere beruhend, beibebalten werden solle; 3) daß das Nichtessen der Spannader lediglich nach einer falschen Auffassung des Schriftwortes für religiös geboten gelten könne, in keinem Falle aber noch für uns irgendwie eine religiöse Bedeutung habe; 4) Daß das Verbot, Znschlitt zu essen, im innigsten Zusammenhänge mit dem Opfercultus stehe und demnach seit der Zerstörung des Tempels völlig bedeutungslos geworden sei; 5) Daß das Verbot, Blut zu essen, sich keineswegs auch auf das im Fleisch zurückgebliebene und erst durch Salzen üblicher Weise herauszuschaffende Blut ausdehne; 6) Daß das Verbot von abro im lediglich auf seinen biblischen Gehalt, das Kochen oder Essen vom Fleisch eines Thieres in der Milch seiner Mutter zu rednziren sei, und endlich 7) Daß die Benützung eines Geräth's für Zubereitung verbotener Speisen durchaus keinen Grund abgeben könne, die später ohne die bisher üblichen Vorkehrungen darin gekochten oder sonst damit zubereiteten Speisen, welche an sich erlaubt sind, zu verbotenen zu machen. Hoppstätten, im Febr. 1847. Einhorn. Geschichte des Tages. Jüdische Zustände. / (Frankfurt a. M. im April.) Ohne Sie und Ihre Leser in den April zu schicken, und damit kämen wir diesmal schon zu spät, wüßten wir Ihnen von hieraus eigentliche Neuigkeiten nicht mitzutheilen. Es ist aber auch nicht unsere Schuld, daß Sie nicht einen andern, zum wenigsten noch einen Eorrespondenten dahier haben, der sich zu solchen Mittheilungen besser eignete als wir, die wir die Tagesbegebenheiten nicht leicht der Mitthcilung werth finden. Den allgemeinen Ueberblick der hiesigen jüdischen Zustände aber, welche Sie verlangen, wollen wir Ihnen nicht vorenthalten, und Sie mögen es verantworten, wenn letzte Ihren Lesern nicht sonderlich interessant scheinen. — Wir haben einen Ueberfluß an Gelehrten, zum wenigsten an Doctoren aller Art, Doctoren der Arzneikunde, Doctoren der Rechtsgelahrtheit, Doctoren der Weltweisheit; wenn Sie uns aber fragen, was dieselben in letzter Zeit auf

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