Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1847)
- Date
- 1847-05-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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154: lin 90 b) selbst fühlt; so weiß man na£ der talo8tdischen Ansicht noch weit weniger den Gegensatz, welcher die gesetzliche Bestimmung hinsichtlich des Gebrauchs zur Arbeit zwischen dem Jnschlitt eines Gefallenen und Zerrissenen auf der einen, und dem eines von Menschenhand Getödtetcn auf der andern Seite offenbar aufstellt, zu erklären, wenn man nicht zu der äußerst erkünstelten Interpretation in Ukzin 3, 9 seine Zuflucht nehmen will, wornach hier vorzüglich von einem Verbrauch zu heiligen Gegenständen gehandelt und das Jnschlitt des Aases als nicht verunreinigend dargestellt werden soll. Das Targum Jonathan ben Usiel, der Ansicht Jbn Esra's beiftimmend, erklärt diesen Gegensatz ganz einfach: nur das Jnschlitt des Aases und Zerrissenen kann zur Arbeit verwendet werden, nicht aber das im vorangehenden Verse erwähnte Opferinschlitt, das eben dem göttlichen Altäre gehört. Wessely irrt, wenn er in seinem Kommentar das Targum Jonathan mit der talmudischen Ansicht in Uebereinstimmung zu bringen sucht; denn Jonathan beschränkt auch die Stelle in Levit. 3, 13 ganz unzweideutig auf Opfer, obgleich dort ohne Zweifel auf Palästina Bezug genommen wird und also Nichts nölPM das Jnschlittverbot, wenn sonst auch vom Profanen geltend, auf solche Verhältnisse zu beziehen, unter welchen auch in Palästina außerhalb Jerusalems geopfert wurde und daher man -itra verboten war, und der Ausdruck Jonathans srnpano“ ist demnach allerdings ungenau. Angenommen aber auch, das Jnschlitt wäre selbst bei nicht geopferten Thiercn biblisch verboten; so wurde ein solches Verbot bei der offenbaren Bezugnahme auf Opfer denn doch jedenfalls nur auf die Tempelzeit beschränkt werden müssen, keineswegs aber auch für uns Geltung ansprcchen können; denn auch dann wäre es einleuchtend genug, daß das Jnschlitt blos deßhalb nicht gegessen werden darf, weil der Mosaismus (S. Levit l 7 und More 46) ursprünglich den Genuß des Fleisches von opferfähigen Tbiercn nur daM aestattet, wenn diese in der Thal als FriedemM^^AMK^werden, und txgjer auch später, der EntferWng vom Tempel der Fleischgenuß oHre,;- eine, solche Wschränkung zuLelaffen werden mußte, omf' wenigstens dMJnschlitt, das vorzüglich zur OpserungMestimmte, oMSpeise entbehrt werden sollte. Das, was^amwl^Mweacu Gott gegeben werden sollte und nur um äußerer Hindernisse willen Ihm nicht gegeben werden könnte, mußte auch vom Menschen mindestens ungenosseu bleiben und gleichsam ideell geopfert werden; ein Grund, der für das zerstreute Israel, namentlich mach den Aussprüchen der zweiten Rabbinerversammlun^binsichtlich der Wiederherstellung des Opfercultus, von selbst und für immer wegfällt. Anders jedoch verhält sichs mit dem Verbote, Blut zu essen, das die Schrift auch in Bezug auf nicht geopferte, ja zum Opfer sogar unfähige Thiere ausspricht (Levit. 17, 3. Deut. 12, 23), und wenn dasselbe allerdings in dem zuerst angeführten Kapitel mit der Sühne in Zusammenhang gebracht wird, so geschieht dies einfach deßhalb, weil es sich dort eben auf Opfer bezieht, wobei der Genuß des auch sonst verbotenen Blutes, als Sühnmirtel vorzugsweise für den Altar bestimmt, zugleich auch einen freventlichen Raub am Heiligthume begehen heißt und somit doppelt strafbar wird. In Bezug auf nichtgeopfcrte Thiere hingegen wird der Genuß des Blutes überall als der Seele, des eigentlichen Sitzes des thierischen Lebens, untersagt, und hat dieses Verbot, welches von dem des Jnschlitt's auch hinsichtlich der Noachiden und des Fremdlings (Genes. 9, 4. Levit. 17, 10) sich unterscheidet, mit der Opferidee durchaus nichts zu schaffen. Es fragt sich demnach vor Allem, inwiefern das Verbot des Blutes mit dessen Eigenschaft als Sitz des thierischen Lebens zusammenhängt? Wessely in seinem Kommentar zu Levit. 17, 14 meint, der Genuß des Blutes würde die Verthierung des Menschen zur Folge haben und sei darum verboten. Mir scheint aber ein ganz anderer, von der Schrift klar genug hervorgehobener Gedanke hier zu Grunde zu liegen. In Levit 17, 4 wird nämlich das Schlachten vonThiercu, wenn nicht zum Zwecke der Sühne und also zur Befriedigung höherer Bedürfnisse, geradezu als Blutschuld, als freventlicher Mord dargestellt und verpönt. Es läßt sich daher in der heiligen Schrift nirgends eine Abneigung gegen animalische Speisen verkennen, welche den Genuß des Fleisches von nicht opferfähigen und später wegen der Entfernung vom Tempel selbst von opserfäbigen, aber nicht geopferten Thieren mehr nachgiebt und duldet, als billigt und gutheißt, wie dies bekanntlich auch bei so vielen andern mosaischen Jnsti-' tutioncn z. B. der Sklaverei, Polygamie, dem Königthum u. s w. der Fall ist. Daher werden dem Menschen ur-