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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-05-09 · Heft 19 (9.5.1847) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 19 (9.5.1847)
Date
1847-05-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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146 Nicht fühlt hier der Gedanke gefesselt seinen Schritt, Wenn er, der Wahrheit Bote, ins freie Leben tritt; Doch Niemand hat vermessen das freie Wort mißbraucht. Das Heilige, das Aechte begeifernd angehaucht. Das Wort der Lichtgedankcn, der Seele Widerschein, Hat stets die Kunst verschmähet — ein Lügenbild zu sein. Mit eitlem Prunk zu prahlen, mit heuchlerischer Zier, Die Wahrheit zu mißbrauchen als gleißendes Panier. Und nie hat hier die Liebe in sanft bewegter Brust Die Heiligkeit verläugnet der süßen Himmclolust; Der Kuß der holden Lippe hat nie den Schwur entweiht. Gelöst den Bund der Treue, der Herzenseinigkeit. Nie hat der Haß, die Bosheit mit blut'gem Tigerzahn Die schöne Stadt des Lebens bekriegt in wildem Wahn; Genagt hat nie am Herzen der Gram, des Lebens Feind, Und nie hat eine Mutter des Kindes Tod beweint. Doch wen des Lebens Bürde, die Last der Zahre drückt. Wer gerne ruhen möchte, entschlummern todtbeglückt. Der wankt hinaus zum Thore, entledigt sich der Last — Denn hier umschlingt ihn leise des ewigen Schlummers Rast. — Zu dieser Stadt der Wunder entschwebt dev Geist der Luft, Des Königs Liebling tragend, gewiegt von Aetherduft; Im klaren Mondenscheine, im Zauberlicht der Nacht Entschlummert sanft der Jüngling, der erst von Lus erwacht. Der Geist hält vor dem Stadtthor, und mit dem Morgrnthau Entsinken sanft sie beide hinab zur grünen Au, Und da den Djinn der Eingang verwehret vom Geschick, Schwingt er sich durch den Aether zum Könige zurück. Der Jüngling, süß beklommen, fühlt müde sich und matt, Doch rafft er auf sich rüstig, will eilen in die Stadt — Da starrt ihm fahl entgegen ein Schreckensbild der Nacht, Als hielt es hier am Thore zur Stadt des Lebens Wacht. Es ist der Todesengcl, der rasch die Schneide zückt — Hin finkt des Königs Liebling, im Todesnctz verstrickt; Wo ihm der Tod beschieden — dahin ward er gesandt, So nah' der Stadt des Lebens siel er in seine Hand! Und wieder vor dem König erscheint des Todes Bild Gcheimnißvoll und lauernd in Schreckensnacht gehüllt, Doch seine Miene kündet nun Schadenfreude, Hohn, So stellt er grinsend, trotzig, sich vor des Königs Thron. Der König wendet staunend zum Todesengel sich: „Warum so stolz und höhnend, o Feind des Lebens, sprich! Warum so traurig gestern, warum so lustig jetzt, Da ich den treuen Diener in Sicherheit versetzt?" „„Weil du geführt mein Opfer so schnell in meine Macht, Indem du deinen Liebling zu retten nur bedacht; Wo ihm der Tod beschieden, hast du ihn hingesandt. Er kam zur Stadt des Lebens — und siel in meine Da senkt sein Haupt der König, ihm ist die Kraft gelähmt. Er fühlt vor seinem Gotte so klein sich und beschämt, Daß er vereiteln wollte das göttliche Gericht, Und doch es bringen mußte gehorsam an das Licht. Er weint, daß er den Liebling, mit liebevoller Brust Dem Tode preisgegeben, bethört und unbewußt; Doch fromm--ergeben ruft er: „Gelobt sei Herr mein Gott! In Ewigkeit verherrlicht dein göttliches Gebot!" „Blind ist der Sohn der Erde, und seine Weisheit Tand, Will er Geschicke lenken mit schwacher Menschenhand; Da er dem Rathschluß Gottes zu widerstreben denkt. Hat eben er zum Ziele des Himmels Blitz gelenkt!" Anmerkungen. Die Stadt des Lebens. .Diese Sage ist nach dem Aramäischen Talmud, Ti-aci. Suca V. F. 53) bearbeitet. Strophe 4.Wie seine Flammenaugen u. s. w. Nach der Mythe der Hebräer ist der Todesengel, wie der Argus der Griechen, vieläugig N^D) was aus seine Allgegenwart anspielen soll. „ 6.0 Fürst der Geisterwelt! Aeltere hebräische und arabische Schriftsteller berichten viel und Vieles von dem Verkehr König Salomo's mit den Genien (Djinn), besonders mit Asmodai und dem Todesengel. (S. Talmnd Gittin F. 68, laleut Chadasch f. 45. Dr. G. Weil: Biblische Legenden der Muselmänner (S. 340 ff.) „ 6. Er weist auf Elichoref. Im Talmud geschieht zweier Schriftkundigen Salomo's rPflNl *pn,!?N) onsiD NEW ’JD), 1. B. der Könige 4, 3) Er. wähnung, denen der Todesengel nachgestellt; welches mir aber in die Oeconomie meiner Dichtung nicht recht passen wollte, daher ich nur den Einen — Elicho. res — benützt. „ 7.Den Diener hinzutragen nach Lus. Vergleich, üeresolllt »abba pas. 8l und die Stelle a. a. O. „ 17.Djinn, arab., soviel als Genien (S' oben.) „ 18.Als hielt er hier am Thore der Stadt des Lebens Wacht. A.a.O. heißt es ebenfalls: lVQ '2 lOWnCM „ 19.Im Todesnetz verstrickt. (Nach Psal. 18, 6.) „ 21.Warum so höhnend. — Die Stelle im Talm. a. a O. lautet: Np Nim mon ixbtb n”?n Np »ndn.:."p^ "idn „ 25.Hat eben er zum Ziele des Himmels Blitz gelenkt. Die Moral im Munde Salomo's a. a. O. lautet: mtlNl? /P3 p"iy |1J’N S5WN 131 ’rn^n •mm pr6 ’jnnan

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