Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 19 (9.5.1847)
- Date
- 1847-05-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2566751-2567098-2567118--2643-2570586- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Zsraelit ves neunzehnten Jahrhunderts. Eine Wochenschrift fiir die Kenntnis und Reform des israelitische» Lebens. Redigirt und herausgegeben von Br. M. Heß, Großherzogl. Weimar'schem Land-Rabbinen zu Eisenach. Zu beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen. Preis für den ganzen Jahrgang 3 Anzeigen für die gespaltene Zeile 6 a/k Nr. »i»_ Sonntag den O. Mai 1847. •_nil, Jahrgang. Ueberblick Salomo und der Todesengel (oriental. Mythe von vr. M. Lettens.) — Haupt-Artikel: Materialien für den Commissionsbericht über die Speisegesetze. — Geschichte des Tages: Mirtheilungen auö dem Großherzogthum Posen. — AuS Würtemberg: Verschiedenes. (.Schluß). — Galizien: Jüdische Zustände. Salomo und der Todesengel. (Orientalische Mythe.) Von vr. M. Letteris. *) Im goldnen Gaal des Königs erschien ein Nebelbild Geheimnisvoll und lauernd, in Schreckensnacht gehüllt; Es schreitet trag und finster, es schleicht im Prunkgemach Dem königlichen Diener auf jedem Schritte nach. Es ist der Todesengel, der gierig spähend blickt, Als suche er sein Opfer, das stets sich ihm entrück. Und unterm Nachtgewande erklirrt die Schneide scharf. Als wenn er Mordgedanken im düstern Geist entwarf; Doch wie gehemmt, gehindert im feindlichen Entschluß, Läßt er die Waffe sinken mit Unmuth und Verdruß. — Auf seinem Hcrrscherthrone saß eben Salomo, Nachdem der Tag verflossen, des Abenddämmerns froh. Das ist die Stunde eben, als er beim Dämmerlicht Das Heer der Erdengeister vorludet zu Gericht, Er sieht den Todesengel, der oft vor ihm erschien. Wie seine Flammenaugen nach seinem Diener sprüh'n. Da wendet rasch der Herrscher zum Todesengel sich: *) Eine der nächstens in C. Marklots Hofbuchhandlung zu Karlsruhe erlcheinenden Sagen aus dem Orient. „Was lauerst du? Was schleichst du? o Feind des Lebens, sprich! Warum so scheu, so ängstlich? Warum so traurig, bang. Als wenn das Schwert den Todes der Himmel dir entrang?" Er raunt ihm zu die Antwort: „Weil ich hieher bestellt. Den Liebling dir zu rauben, o Fürst der Geisterwelt:" Er weist auf Elichoref, der zitternd, angstgemahnt. Und ohne ihn zu sehen, des Todes Nähe ahnt. Der König schnell zu retten den Liebling sein vom Tod, Alsbald den Geist der Lüfte, den eilenden, entbot. Den Diener hinzutragen nach Lus im Schwünge gleich. Da nie der Tod betreten des Lebens Zauberreich. An Edens Lebensgarten ist frei die Stadt erbaut. Die nie des Todes Schrecken, des Lebens Feind geschaut. Weil ob der Mauer leise, und wie ein Himmelstraum Hineinragt, süßverstohlen —ein Zweig vom Lebensbaum. Der Duft der Lebensfrüchte — von Cherubim bewacht — Verleiht dem Lusbewohner des Lebens Himmelsmacht: Ein neues Reich des Himmels hat hier sich aufgethan. Hier führt nicht durch das Leben die dornenvolle Bahn. Hier leuchtet der Gedanke in seinem Siegeslicht Als Seelen - Offenbarung vor Gottes Angesicht — Der hell und schnell die Tiefen verwandter Seelen trifft Und wunderbar entzündet die heil'ge Gottesschrift.