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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-05-02 · Heft 18 (2.5.1847) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 18 (2.5.1847)
Date
1847-05-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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140 Geschichte des Tages. Verschiedenes aus Berlin. * Berlin im April. Gebiert gleich die Zeit nicht jeden Tag einen Löwen, so geht sie doch, in unserer Residenz wenigstens, fast unaufhörlich mir jüdischer Frucht wiuvri8 geueris schwanger, bei welcher der tiefere Geist der Geschichte das Amt der Hebamme übernimmt, um sie zum Tageslicht zu befördern. Die Zeüungs- und Geschichtschreiber sind, — daß ich bei diesem Biwe bleibe — die Wärter und Erzieher dieser ephemeren Geburten und sterben sie gleich mit dem Tage ihrer ursprünglichen Bestimmung ab, so leben sie doch, Dank den letztgenannten Mächten, wenn auch nicht ein reales, so doch ein ideelles Leben auf dem breiten Boden der Erinnerung fort. Auf dem realen Grunde derselben entwickeln sich nun aber, gleich dem abstufenden Werden der Natur, höhere Organismen, welche man mit dem characteristischen Namen „der Wcltereignisse" zu bezeichnen pflegt. .Dadurch, daß das Kleine beachtet wird, wird das Große verstanden und nicht wie ein „chell8 ex macliina" aufgefaßt, welche Auffassung die Alten schon sowohl dem Dramatiker, wie dem Historiker zum Borwurfe machen. T)er Kronos (Zeit) der Mythe, welcher seine selbsterzeugten Geburten wieder verschlang, ohne eine Spur von ihnen zu hinterlassen, hat aufgehört zu sein, seitdem die Geburten der Zeit, da man sie nicht in einem wirklichen Dasein erhalten kann, auf eine ideale Weise durch die Macht der Ueberlieferung gerettet werden. Diese einleitende Reflexion möge bei dem Leser mich rechtfertigen, wenn ich es versuche, eine Reihe von derartigen Tagesgeburtcn ihm vorzuführcn; ich stelle dieselben in bunter Reihe hintereinander. Unter den blutwenigen Juden in der preußischen Monarchie, welche im Dienste des Staates stehen, nimmt ein Glaubensgenosse eine um so höhere Stelle ein, als er sich in eine Sphäre geschwungen, sich da behauptet und immer höher steigt, in welche einzutreten selbst der nichtjübische Bürger des dritten Standes Schwierigkeiten findet. — Ich meine hiermit den höhern Officierstand. Einer unserer Mitbrüder, Herr Burg, welcher zur Zeit der Fremdherrschaft mit vielen andern Brüdern seines Bekenntnisses im Dienste des Vaterlandes auf dem Schlachtfelde gefochten, hat sich durch seine Tapferkeit und Strategie zum Range eines Lieutenants und Hauptmanns emporgeschwungen. Obgleich vun nach der Regeneration des Staates mit der eintretenden Reaction gegen das, was nicht christlich war, viele seiner glaubensbrüderlichen Mitkämpcn Ranz und Gehalt nur auf Kosten ihrer Ueberzeugung sich zu erhalten verstanden, so wußte sich doch Burg namentlich durch seine hervorragende Intelligenz in den Kriegswissenschaften, ungeachtet seiner Anhänglichkeit an dem Glauben seiner Väter, in Rang, Würde und Gehalt zu behaupten. Er wurde in der Artillerieschule als Lehrer angestellt, worin er schon seit vielen Jahren praktisch und theoretisch mit Erfolg wirkt. Dieser Tage nun wurde er zum Major befördert und erhielt davon zur selben Stunde die Nachricht, wo ihm eine französische Ucbersetzung von seinem neuesten Werke über Artilleriewissenschaft zugesandt wurde. Nachdem wir seit der Emanation der Städteverordnung im Jahre 1808 schon zwei Juden, nämlich Herrn Friedländer, Freund Mendelsohns, und Benda durch die Wahl ihrer christlichen Mitbürger als Stadträthe haben wirken gesehen, wurde im vorigen Monate vr. Veit von der Sadtverordneten-Versammlung zur selben Würde erhoben, welche er aber, wie es scheint, aus überhäuften Geschäften für die jüdische Gemeinde (er ist Parneß) ablchnen zu müssen geglaubt hat. Auf seine Empfehlung wurde ein mit einer jüdischen Familie verschwägerter Nichtjude gewählt. Es besteht hier nach dem Londoner Vorbilde schon seit mehreren Jahren ein wissenschaftlicher Verein, in welchem jeden Winter von 12 kenntnißreichen und geachteten Männern, von einem Comite dazu äufgrfordert, Vorträge über die verschiedensten Fächer des Wissens gehalten werden. Dieselben werden von der eigentlichen gebildeten baute volee, ja selbst vom Hofe besucht, und die Aufforverung daher, einen Vortrag darin zu halten, wird von Vielen als eine ehrenvolle angesehen. Diesmal wurde auch der erste Jude dazu herangezogen und es soll derselbe seine Aufgabe zur Zufriedenheit gelöst hab«r. vr. Stern — denn er ist der ehrenvoll Aufgeforderte, — wurde nun dieser Tage mit den übrigen Rednern, welche faß alle Professoren der Universität sind, vom Prinzen von Preußen, als einem Zuhörer, zu einem Souper befohlen. Dies dürfte der erste Fall in Berlin sein, daß ein Jude zur königlichen Tafel gezogen wurde. Ich erinnere mich von Meier Karl Rothschild, als er hier studirte, die Klage gehört zu haben, daß, ungeachtet er mit dem Hofe oft in Berührung komme, er doch noch nicht zu einem Hoffeste gezogen worden wäre, was er lediglich und allein seinem Judesein zuzuschreiben Ursache habe. Die Prinzeß von Preußen unterhielt sich mit dem jüdischen Redner, welcher den Ursprung der Sprache als Thema gewählt, ganz besonders viel, und soll über besagten Gegenstand viel Sachkenntniß entwickelt haben. Schon früher war eine ähnliche Aufforderung an Joseph Mendelsohn ergangen, welcher ihr aber wegen seines vorgerückten Alters, nicht entsprechen konnte. — Auch möge das Factum der

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