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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-05-02 · Heft 18 (2.5.1847) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 18 (2.5.1847)
Date
1847-05-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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130 vielleicht auch auf eine und dieselbe Manier, die Augen und die Hände gen Himmel zu richten, öffentlich zu beten. Das Theatralische kann unmöglich hierbei vermieden werden. Der Prediger muß für die Kinder öffentlich beten; sie selbst können es in ihrem stillen Kämmerlein tbun — Tie XIV. Predigt über den Tert 4- Mos.24; 2. Wohin soll in so aufgeregter Zeit (wie die unsrige,) das Streben der Rabbiner gerichtet werden? Die der Verf. bei Gelegenheit der zweiten Rabbincrversammlung gebalten, bat Ref. eben so gern gelesen, als er sie damals gehört hat. In Betreff des Glaubens soll das Streben dabin gehen, daß die Selbstständigkeit des Zudenlkums gewahrt, seine Reinheit aber wieder hcrgestcllt werde; in Betreff der Glaubensgenossen soll die Einheit Israels erhalten, sein Anschluß an die Menschheit gefördert werden. Der Redner bat die Aufgabe, die er sich gestellt, sehr befriedigend und in der Verarbeitung der sabbathlichen Parschah — pbi 's — sehr geistreich zu lösen gewußt. Von der zweiten Abtheilung dieser Auswahl ebenfalls 14 Predigten und die in den Jahren 1845 und 46 gehalten worden, will Ref. nur die ihm als ganz vorzüglich erschienenen herauöheben, da sonst die Gränzen einer Recension zu sehr überschritten werden. Es ging Ref. wie einem, der sich bei einer wohlbesetzten Tafel bei den ersten Gerichten zu lange verweilt hat, und die folgenden nur spärlich genießen kann; oder — weniger prosaisch — es erging ihm wie dem Wanderer, der auf die reizenden Gegenden, die ihm zunächst lagen, gleich Anfangs zu viel Zeit und Muße verwendete, daß ihm in den folgenden Tagen nur Stunden zur Beschauung übrig blieben, trotz dessen, daß die Naturschönheiten in den ferner» Gegenden kcineswegcs abgenommen. Die II. Predigt (S 232 — 44) behandelt den isr. Neujahrs tag als einen Tag der Huldigung, als einen Tag der Erinnerung, als einen Tag der Erweckung. Wir vermissen ungern das am Neujahrstag üblich gewordene Gebet am Schluffe der Predigt. — Etwas zu gesucht scheint uns die IV. Predigt am Morgen des Versöhnungstages: Sabbath und Versöhnungstag als Brüder; über den Tert Ps. 133; 1. Die eigentliche Bedeutung und Tendenz des Tages ist viel zu wenig berücksichtigt. Desto ansprechender und erbaulicher ist die V. Predigt: Der Scheidegruß des Versöhnungstages über den genkat gedeuteten Tert 3. Mos. 25; 10 Der Versöhnungstag ruft uns beim Scheiden zu: Kehrt heim zu euch selbst! 2) Kehrt heim zu euer» Familien! 3) Kehrt heim zu eurer Gemeinde. Die ganze Predigt hat nicht mehr als 4 Octavblätter und ist dennoch gediegen und musterhaft zu nennen. Auch dieser Theil enthält eine 18. Oct. Predigt: Das Vaterland ein Ganzes, Tert Pred. 5; 8. Ter Redner ist ein guter Patriot, die Rede ist vortrefflich; Ref. aber kann sich mit dieser Klasse von Predigten nicht eher befreunden, bis die christlichen Väter und Kinder, nämlich die Obrigkeiten undBürger ihre tausendjährigen Sünden an Israel gut gemacht und die sogenannte herrschende Kirche nicht mehr als Bedingung des Bürgerthums aufgestellt wird. — Als vorzüglich bezeichnen wir noch die letzte, die XIV. Predigt in diesem Bande, über den Text 2. Mos. 14; 14: Ueber unser Berhältniß zu den religiösen Bewegungen der Gegenwart, eine ächte Zeitpredigt, die von Juden und Nichtjuden beherzigt zu werden verdient. — Zum Schluffe macht Ref. besonders seine jüngeren Glaubensbrüder auf die Vorrede dieser Predigtsammlung aufmerksam. Es wird in derselben viel Gutes, Wahres und wohl zu Beachtendes speciell über die israelitische Predigt gesagt, wie dieselbe der Form und der Materie nach sein müsse, um dieses Epitheton zu verdienen. Der reiche Stoff, der in der Hagada und den Midraschin auch zu modernen Kanzelvorträgen aufgehäust liegt, wird andcutend nachgewiesen, und Ref. freuet sich, daß er gleich bei seinem ersten Auftreten vor dreißig Jahren als Prediger, diesen Stoff zu benutzen und verarbeiten gesucht, und freuet sich um so mehr, da gerade die talentvollern und gelehrter» Amtsbrüder diesen Weg eingeschlagen haben und einzuschlagen nunmehr empfehlen. Doch haben wenige unter denselben jenes Material so geschickt, so fruchtbar und so geistreich zu benutzen verstanden, als der Verf. der vor uns liegenden Auswahl „gottesdienstlicher Vorträge," wovon fast jeder einzelne Zeugniß ablegr. — Ref. trennt sich ungern von der ihm lieb gewordenen Schrift, wünscht der homiletischen Literatur Glück zu dieser gediegenen Sammlung und reicht dem fernlebenden Amtsbruder Hand und Herz. Hamburg, am 23 Jan. 1847. vr. Gotth. Salomon.

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