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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-04-25 · Heft 17 (25.4.1847) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 17 (25.4.1847)
Date
1847-04-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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134 gelegenheiten in Israel mitzuwirken. So predigte er öfters in diesem unserm Gottcshause, wie in dem Tempel zu Leipzig; so nahm er mehrere Jahre hindurch thätigcn Antbcil an der Verwaltung unsres Tempels, als Dcputirter dieses Hauses; so leitete Umsicht und Liebe als Mitherausgeber unsres Gesangbuches, das seit dem Jahr 1833 in unserm Gotteshaus eingcfiihrt wurde, und viele der erbaulichsten und trefflichsten Lieder in diesem Psalmbuche, Lieder über Gott und Religion, über Menschenwürde und Menschenbestimmung, über Tod und Unsterblichkeit hat er dem Herrn gesungen in den Stunden der Weihe und der Begeisterung*). Er wußte, der Frübverklärtc, wozu Gott ihn berufen, und wie er gesungen, so lebte, so handclie er: „Weiche, weiche Ervcntand, Dir gehör' ich nicht! Höher, hcil'gcr ist mein Stand, Ich bin Sohn der Pflicht! Pflichten sind mir keine Bürde, Zeigen mir des Menschen Würde."**) Doch die Krone seiner Verdienste erwarb sich der Ver. storbene in der meister- und musterhaften Verwaltung und Leitung der von dem unvergeßlichen Israel Jacobson zu Seesen im Herzcgthum Braunschweig gestifteten Schul- und Erziehungsanstalt. Hier fand sein seltenes Talent den angemessensten Wirkungskreis, den er im vollsten und edelsten Sinne des Wortes auszufüllen strebte. — Wohlwill's Geist hat diese in Verfall gerathene Anstalt völlig umgcschaffen und zu einer Musteranstalt und einer Zierde erhoben unter den sämmtlichen Bildungsschulcn in Israel. Die Zahl der Jünger nahm mit jedem Jahre zu und aus der Ferne kamen sic, um sich unter der Aufsicht eines Schulmannes, der Strenge und Milde weislich zu paaren wußte, für das Leben auszubilden durch Wissenschaftlichkeit und Frömmigkeit. Ja, durch Frömmigkeit! denn neben dem Religionsunterricht in der Schule selbst, verkündigte der Jugcndlehrer auch in dem herrlich gebauten und geordneten Beth-Jacob die Lehre des Herrn, der uns als Menschen und Israeliten den Weg des Lebens klar und deutlich anwcifet. (3. Mos. 18; 5.) Neun Jahre widmete W. der in Rede stehenden Anstalt seine Kraft und sein Leben, und die Anstalt blühcte und gedieh segensvoll, in ihrem Gedeihen die herrlichsten Früchte verheißend — die *) In dem oben erwähnten Gefangbuche tragen die Lieder 108, 139, 145. 159, 206, 209. 210, 253, 269, 301, 302, 331, 366, 415, 417, Wohlwills Namen. **) 309, V. 5. herrlichste, glücklichste Zukunft .. Da rief der Herr den Gärtner hinweg von seiner Anpflanzung rief den Priester aus dem Heiligthum der -Jugend. Nur von fern schauen sollte er, überschauen nur das Werk, das so großen Segen gebracht, noch größern Segen in der Zukunft bringen sollte. — Diese Zukunft aber sollte sein Auge nicht sehen, sein Herz nicht genießen. Einem andern, wie Mose dem Josua, sollte er das Werk überlassen. O möchte es ein Mann sein — von seinem Geiste!!. Wir ehren Gottes Rathschluß und beten an in tiefer Demuth. Die Anstalt verliert ihren Schöpfer; die Jünger ihren Führer; die Gattin ihre Stütze; die Kinder ihren Vater.- der Heimgegangene selbst aber hat ausgerungen, ausgekämpst, eine doppelte Unsterblichkeit sich erkämpft. Er konnte noch in den letzten Momenten auf sein Werk zurückblicken und sich sagen, daß er ein besseres Geschlecht vorbereitet; daß er seine Aufgabe als Mensch und Israelit würdig gelöst hat zum Heil und Segen. Und darum, gel. Vr. und Schw., darum „Weiht, weiht des Dankes Opfer Jeder wahre Gottesmann, Weihet der Erinnerung Zähren Ihm, der Brüderheil ersann." „Friede, Friede Deiner Seele In des Himmels Heiligthum, Und auf Erden sei Dein Name Noch den späten Enkeln Ruhm." *) Denn die Weisen leuchten wie der Glanz des Himmels und die so Vielen den Weg zur Tugend zeigen, wie die Sterne in Ewigkeit (Daniel 12; 3). Friede, Friede sei mit, Dir und Allen, die in Gott entschlafen, wie Du entschliefest. — Gott lasse auch uns, jeglichen in seinem Berufe und Kreise so schaffen und wirken, so ringen und kämpfen, so hoffen und überwinden! Amen. Offener Brief über die dritte Rabbiner-Versammlung. Von vr. Holdheim. IV. (Fortsetzung.) Steht nun diese entwickelte Ansicht des Resume mit den klaren und dürren Worten des K.-B. in offenem Widerspruch *) Aus dem Liede 417 des Wohlwill, dem Andenken Mendelsohns gewidmet hat.

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