Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 17 (25.4.1847)
- Date
- 1847-04-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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130 und dann habe die Predigt die rechte und klare Lebensanschauung und könne belehrend erbauen und erbauend belehren. — Und die Sprache und die Diction? ließ ein Vierter fragend sich hören — es war, wie Ref. später erfuhr, ein Mann, der einmal und zwar etwas schnell durch die Hegel'sche Schule gelaufen ist, und es nicht verschmähete, seine Vortrage mir philosophischen, dunkeln und pompösen Ausdrücken auszustatten — die Diction? die Sprache? Bibelsprache! Bibelsprache! rief der alte Prediger, d.h. eine gewählte und edle, dabei aber klar und faßlich und allgemein verständlich: eine eindringliche und geistreiche Popularität. Bleibt mir doch mit eurem hochtrabenden Tone aus Synagoge und Kirche! Eine Predigt soll dem Hochgebildeten, so wie dem schlichtesten Zuhörer gefallen und genügen. Als Geistliche im Leben können wir, leider! nicht Allen — Alles sein; als Prediger im Gotteshause aber sollen wir Allen genügen. Allen, sogar den unmündigen Kindern, die das Göttliche fühlen und ahnen. — Nach Beendigung dieser Pastoralunterhaltung nahm der Ref. die vorliegende Predigtsammlung aus der Tasche, reichte sie den Tüchtigsten in der Gesellschaft mit den Worten: Leset, und ihr werdet den höheren Forderungen an der Predigt überhaupt, an den israelitischen insbesondere hier wacker uachgestrebt und größtentheils auch glücklich entsprochen finden. Und diese Worte ruft Referent auch seinen Amtsbrüdern und allen denen zu, die sich zu Kanzelrednern in Israel bilden wollen, so wie überhaupt jedem, der an einer guthomiletischen Lecrüre Wohlgefallen findet. — Nach diesem Vorworte gehet Ref. zu den Predigten selbst über, die in zwei Abtheilungen zerfallen, wovon jede Ablheilung 14 Vorträge enthält. Die I. „Moses sei unser Vorbild im Lehren" ist die Antrittsred e des Vrf. gehalten am am W o ch en fe st 1844, über den Tert 2. Mos. Eap. 19. V. 1 — 6." Die meisten Antrittsreden pflegen über einen Leisten zu sein, und wenn man eine kennt, kennt man sie alle. Da wird ein Langes und ein Breites gesalbadert, was der neue Lehrer thun und nicht thun will, und was die Gemeinde zu leisten und zu lassen habe. re. Die vorl. Predigt macht eine rühmliche Ausnahme. Die Frage, die sich der Redner zur Erörterung vorgesetzt : Wie soll der Rabbiner in der Gegenwart sein Lehramt verwalten, wenn er Moses, (Mosch) als leuchtendem Vorbilde, ernstlich nach st reden will? wird unter meisterhafter Benutzung der Tertworte, dahin beantwortet: I. Er belehre seine Gemeinde mit Milde und mit Ernst; II. Er erwecke in seiner Gemeinde Begeisterung und Selbstgefühl; III. Er führe seine Gemeinde zur Wahrheit und Tugend. Wir heben aus dem 3. Theile eine Stelle heraus, um nicht nur für die Diction, sondern auch davon einen Beleg zu geben, wie nach der Ansicht des Verf. der Rabbiner in „der Gegenwart" sein Lehramt zu verwalten habe. „Genußsucht und sinnliche Gier haben den Weg auch zu den Israeliten gefunden, die Einreißung der religiösen Dämme, (könnte besser ausgedrückt sein!) hat die Fluth wilder Leidenschaften auch auf unser Gebiet gelenkt. So ist denn in der Gegenwart, wo so mancher Zsraelite bei der Verwerfung aller (?) Religion der Zügellosigkeit anheim fällt, der Rabbiner als Hüter der .Religion, zugleich als ein Wächter der Tugend aufgestellt von Gott. Wenn die Seinigen nach Freiheit dürsten und rufen (verlangen), soll er sie zunächst auf die innere Freiheit aufmerksam machen, die oft beim Kampfe um die äußere verloren gehet; wenn sie unzufrieden sind und murren wider die Zeit, soll er sie auf das wahre Glück anweisen, welches bei Beobachtung der göttlichen Vorschriften dem Frommen im Innern seines Hauses blüht. Er suche die edlen Familientugenden in seiner Gemeinde zu fördern und zu erhalten; er wache über den Frieden der Ehen, (das dürfte ein sehr schweres Geschäft sein!) über die Eintracht in den Familien; wo ein Riß entsteht, suche er ihn zu heilen; wo ein Band sich lösen will, suche er es durch Liebe zu befestigen. Er bestrebe sich, ein Freund seiner Gemeinde zu sein, ihr treuster Theilnehmer in Freud und Leid. Sein schönes, (warum nicht sein heiliges?) Amt giebt ihm hierzu die reichste Gelegenheit. Begleitet er ein junges Paar am Tage seiner seligen Vereinigung (etwas zu poetisch.) in das Haus des Herrn, so rede er ihnen (ihm) mit Ernst und Milde ins Herz. re. Weiht er an heiliger Stätte unschuldige Kinder bei ihrem Ucbergang ins reifere Alter, (oder ins bürgerliche Leben), so nütze er wohl die feierliche Gelegenheit, um die Großen und