Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1847)
- Date
- 1847-04-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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ISA sich ergeben (daisser la tete). rc. Dieselbe Autorität, j welche den Glauben auferlegt, befiehlt auch die'Verrichtungen (les actes); jeder erkält seine Gottesverehrung (culte) ganz fertig, Theorie und Praxis, Glaubensehre und Symbole; ein dichter Bündel, eine untheilbare Einheit, und wenn wir das Recht hätten, auch nur eine traditionelle Observanz zu unterdrücken, wir würden hinsichtlich aller gleich berechtigt sein. Um nur des israelitischen Glaubens zu gedenken, dasselbe ereclo (das Schema) spricht die Einheit Gottes aus und gesellt die Verpflichtung der Mesusa und der Tefillin hinzu, rc. Die Massen bedürfen eines Führers, der sie leitet und aufklärt, der sie belehrt über den wahren Sinn, über die eigentlichen Gränzen ihres Glaubensbekenntnisses, rc. Christen, betet ihr die Dreieinigkeit an und gehorcht der Kirche, Juden, betet ihr zu dem einigen Gott und seid der Synagoge unterthan. Der Rabbine giebt euch den Glauben nicht, denn ihr habt ihn schon, er ist auch nur euer Rabbiner, weil ihr ihn habt rc. *), er zeigt Euch, daß Niemand das Recht hat, Hand an den Glauben seiner Väter zu legen, daß der Glaube eurer Väter in die zwei Worte aufgeht, — geschriebenes Gesetz oder Bibel, — mündliches Gesetz oder Talmud, rc. Das Alter macht die Kraft des Judenthums. Allein wenn das Judentkum alt ist, ist doch seine Einrichtung neu**), wenn das Judenthum göttlich , ist doch seine Verwaltung menschlich. Hier ist Stoff zur Discussion und zur Reform, hier Berechtigung zur individuellen Ansicht, zur Untersuchung, zur Critik, zu Versuchen rc." Der Herausgeber scheint sich diese Gränze wirklich gezogen zu haben; in der geschmacklosen und veralteten Form von Briefen eines zu Paris lebenden maroccanischen Juden an einen daheim gebliebenen Glaubensgenossen bespricht er die Mißbräuche, welche er abgestellt sehen möchte. Sollten Sie wohl glauben, daß in Paris, in der eingebildeten Hauptstadt der civilisirten Welt, die Juden einander am a’» my noch Malkoth schlagen? Wahrlich, der Maroccaner Kat Recht, wenn er sagt: „in einem Lande, wo Menschen den erhabenen Muth haben sich am Hellen Mittag solch erniedrigender Züchtigung zuunterzieken, hat die Religion von der Civilisation nichts zu fürchten." Sich jedoch offen gegen solchen Scandal auszu¬ *) Quaedam habere possumus , quamvis utilia nobis non sint, meinte ein alter römischer Jurist. **) Die der französischen Synagogen und Gemeinden nehmlich. sprechen, dazu scheint cs dem Herausgeber an Muth zu fehlen, wohl aber tritt er offen dem Sch! entgegen, welches, wenn das andächtige Publikum allzuvernehmlich wird, im Tempel, wie er die Pariser Judenschule nennt, sich abwehrend vernehmen zu lassen scheint, auch will er gefunden haben, daß, wenn dort öffentlich bekannt gemacht wird: „Mer is dem Aulam maidia as mer gair um an Uhr zu Minneche", dies weder französisch noch hebräisch sei. Trefflicher Aben-Bachur, merkst du nickt, daß dein und deines graduirten Mitarbeiters ganzes Glaubenssystem weder ein französisches noch ein mosaisches, sondern das polnisch-elsaß-jüdische ist, welches den Handlungen seiner Bekenner den Stempel der Gemeinheit aufdrückt wie im Leben so im Bethause, als dessen mittelbare Folgen anzusehen, die kaiserlich-französische Verordnung gegen den Wucher wie die kaiserlichrussische gegen den Schmuggel? Mache dich nicht länger lächerlich durch die salbungsvolle, sentimentale Weise, mit welcher du vom Chasan und Schamas, vom Hechal und Almemor, von Schelischi und Revii redest, gebe nicht einem Aufsatze wegen des Mizwokhhandels in der Synagoge die kriechende Ueberschrift: all, si le consistoire le savait! nenne dich als Franzose bei deinem Familiennamen Crehange, und nicht wie ein Beduine oder Kabyle: Ken Laruelr; die französische Regierung hat für die äußere Emancipation ihrer Juden alles gethan, an diesen ist es nun für ihre innere zu sorgen, das beherzige! Ueber auswärtige Verhältnisse scheint übrigens Hr. Crehange nicht besser unterrichtet als der französische Zeitungsschreiber gewöhnlich. So erzählt er in seiner angehängten Chronik von der bekannten Beschränkung jüdischer Ehen in hiesiger Stadt, welche unlängst abgeändert worden: „Es bestand in der freien Stadt Frankfurt eine eigenthümliche Gewohnheit. Bis jetzt war dort das Heirathen nur zweien auswärtigen Juden jährlich erlaubt. Es fand keine Ausnahme statt als zu Gunsten solcher Ehen, wo die Frau zum wenigsten Fünfzig Tausend Gulden als Brautschatz einbrachte, und für einige andere besondere Fälle, wo gegen die Summa von Fünfzehn Hundert Gulden Dispens erkheilt ward." Von solchen Ausnahmen und Dispensationen wußte weder das betreffende Gesetz, noch hatte man hier jemals davon gehört.