Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1847)
- Date
- 1847-04-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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ISS es jenen Zuständen und Begriffen ganz angemessen, Alter und Weisheit, wo nicht für gleichbedeutend zu halten, dock auf eine Linie zu setzen. Wir gestehen aufrichtig, vor dieser Philosophie des Morgenlandes großen Respect zu haben; Kohelcth, die Sprüche Salomonis, diePirke- Aboth stehen uns höher als viele andere heilige und profane Schriften; ihre Einfachheit, Gemüthlichkeit, Klarheit, fast Durchsichtigkeit, verleihen ihnen einen nie welkenden Reiz, und eine stets jugendliche Frische, während ihr Alter ihnen einen poetischen Anstrich giebt. Allein versuchen Sie es einmal, geben Sie ihren Lesern Auszüge aus den Pirke-Aboth, selbst ohne Verabenbaruchung (Verballhornung), wenn Sie ausgelacht sein wollen. Die bekannte Legende vom Rabbi Amnon, welchem das Gebet: *)pin rorui zugeschrieben wird, findet sich als Erzählung wieder gegeben unter der Ueberschrift: Rabbi-Aiimori dit le Nethane-Tokeph, Martyr; zu welcher Zeit, unter welchem Churfürsten, oder Erzbischöfe , wie es dort heißt, sich der Vorfall zu Mainz ereignet, wird freilich nicht gesagt. Wir finden auch im Leipziger Orient solche Sagen, allein in Versen, wenn auch in schlechten, und als Dichtungen, nicht als geschichtliche Momente. Folgerichtig wird die talmudische Parabel von Alerander und der Hirnschale als Legende wieder gegeben. Mit einer jüdischen Novelle haben wir es wie mit denen der allg. Z. d. I. gehalten, wir ließen sie ungelesen, wiewohl sie vor diesen den Vorzug der Kürze hat, sie füllt nur einige Seiten. Ein rhapsodisches: I'bumanite überschriebenes phrasenreiches Gedicht von M. Müller ist unklar, der Reim läßt den Gedanken am Gängelbande nebenher laufen. Ueber einen Aufsatz: de la presse religieuse sollten wir gar nichts sagen, nach seinem Schlußsätze ist er nickt für uns geschrieben; dieser lautet nehmlich: „was die Indifferenten, die Ungläubigen, die Zweifler und die Spötter betrifft, Gott allein vermag sie zu erleuchten, denn er allein verleiht den Glauben; für sie schreiben wir nicht." Wir sind bescheiden genug anzunehmen, daß uns der Verfasser, wenn wir die Ehre hatten von ihm gekannt zu sein, in eine dieser Categorieen, vielleicht gar in alle rangiren, und höflich, wie er als Franzose wahrscheinlich ist, zu uns sagen würde: heben Sie sich hinweg, wenn Zhnen gefällig, geehrtester Herr Satanas, Sie taugen nicht in unfern Kram. Der Kram des Verfassers , mit Aussicht auf künftiges Etablissement en gros als Rabbiner, ist nämlich der Schulchan - Aruch; er unterzeichnet: L.Wogue, gradue grand-rabbin. Graduirter Groß-Rabbine? Darunter verstehen wir einen mit der Morenu versehenen Bacher oder Rabbinats-Candidaten. Unser Graduirter nun scheint nicht sowohl ein schlechter, als ein leerer Kopf, die Effekthascherei im Ausdruck ist nicht im Stande den Abgang jedes eigenthümlicken oder nur richtigen Gedankens zu verdecken. Wir geben nachstehende Auszüge als Belege, zugleich um die Tendenz und Haltung der Zeitschrift zu charakterisiren. „Der Mensch hatte von Gott nur die Sprache erhalten; wunderbares Werkzeug ohne Zweifel, das aber erst seine ganze Macht offenbart hat, nachdem es durch eine dreifache Eroberung umgewandelt worden. Eines Tags wagte es der Mensch das Wort zu malen, — und er erfand die Schrift; nachmals wollte er diese Malerei mit der Schnelligkeit einer Schöpfung vervielfältigen,— und die Buchdruckerei entstand; endlich fand er nöthig diese Productioneu zu verwerthen, die socialen Zustände zu kennen und auszubeuten, sie täglich als geistige Nahrung zu verspeisen, seine Ideen durch gegenseitigen Austausch, durch beständigen Umlauf zu beleben, — und das Journal ward erschaffen. Man begreift, daß das Journal, unter solchen Umständen entstanden, so viele» Bedürfnissen entsprechend, solche Zwecke anstrebcnd, bald dahin gekommen, alles an sich zu reißen, (ä tout envaliir) rc. Dahin gekommen, alles zu beherrschen (ü tout dominer), hatte es nur eine Macht zu fürchten: sich selbst; das Journal allein konnte dem Journal zum Gegengewicht dienen rc. Das Journal har alles gesagt, das Journal hat über alles gestritten, hat das Dafür und das Dawider gebracht, und das Journal hat immer Recht gehabt, denn es ist die Stimme Aller, rc. Wir bedürfen einer Stütze im Himmel, welche unserem Erdenwandel forthilft; wie der schuldvolle Adam zu einem Leben voller Arbeiten, voller Gefahren, voller stets erneueten Täuschungen verdammt, müssen wir eine Eva haben, die es uns erträglich macht. Diese Eva, diese Mutter aller Lebenden, ist für jeden der Glaube seiner Väter. Allein warum ist dieser Glaube nicht ein gemeinsamer, warum giebt es mehre Religionen? Brennende Frage (cpiestion brillante), welche jedoch Gott allein zu lösen vermag; gottlose Frage (question irapie), denn wer so fragt, gehört nvthwendig einem Glaubensbekenntnisse (eulte) an, und er muß es abschwören oder