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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-04-04 · Heft 14 (4.4.1847) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 14 (4.4.1847)
Date
1847-04-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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etwa dort ein verjüngtes Streben nach religiöser Freiheit wahrzunehmen? Hast du nichts gehört von den Schechita - Chaliza- Schiur- Menorat Hamaor- Schamrimlaboker und anderen interessanten Chewroth, die sich dort gebildet? Hast du nicht gelesen die salbungsvollen Phrasen- und thränenreichen Tiraden eines vr. L. der in der unschuldigsten Naivetät dem jüngsten Gerichte vorgreist und längst verstorbene und vergrabene Gestalten jenseits des Meeres wieder auferstehen läßt? Ja lieber Leser, Du magst Recht haben, aber die Juden Nordamerikas sind nicht geborne Söhne des freien Landes, haben auch aus ihrer Heimath, dem großen Polenland, nicht das Gefühl und das Bewußtsein für Freiheit mitgebracht und können's wohl dort nicht erlernt haben. Und vr. L. der große Reformator der amerikanischen Juden, ist aus Rußlands Schulen hervorgegangen und glaubt, er könne mit einer Freisinnigkeit, die in Rußland Aussehen erregt, auch in dem Geburtslands der Freiheit iausreichen. Wenn Herr vr. L. für Schiur-Chewroth und andere derartige Institutionen so gewaltig schwärmt, könnten wir wohl mit Recht ihn fragen: mit welchem Rechte hast du in Wilna, der alten Darschanimstadt, und andern Gräbern der talmudischen Gelehrsamkeit die vergessenen und versunkenen Talmudklausen aufgesucht, und aus ihren Höhlen die bleichen Gestalten der Bacherim gescheucht, daß sie in ihrer Nacktheit sich fühlen, und in ihrem Elend verzweifeln lernen? Und bist Du vielleicht nach Amerika gegangen, um in dem freien Lande diese Deine vermeintlichen Sünden in Rußland wieder gut zu machen? Wir wundern uns nur, daß vr. L. nicht auch eine Journal - Chewra gründet, die über all die bestehenden Chewroth Berichte liefert, damit wir doch in Deutschland wenigstens davon verschont blieben; denn ich glaube, cs bedürfte bei uns keiner besoudern Chewra, um sich gegen eine solche Journal - Chewra zu verwahren. Jndeß Journale wollen mit Energie und Eifer betrieben sein und kann man auch Herrn vr. L. regen Eifer nicht absprechen, so ist Energie doch seine Sache nicht. Doch wollen wir dies keineswegs dem Einfluß Amerikas zuschreiben; auch Deutschland ist ein guter Boden für Ungeduld und Kraftlosigkeit. Aus Ungeduld, aus Mangel an Energie und Ausdauer (?) ist die „Reform" von Wagner und Adler eines voreiligen Tooes entschlafen. Wir hatten viel vertraut auf die Jugendlichkeit dieses Blattes; allein da hat die Energie es verlassen und es ist seinen Freunden zu Leide und seinen Feinden zur Freude früh vom Schauplatz abgetreten, sit tibi terra levis! — Nun mit den bedeutendsten Ereignissen seit dem Beginne dieses Jahres wären wir wohl fertig, da wir das Erscheinen der ersten Nummer der „Reformzeitung" die bis jetzt allein uns vorliegt, kaum für ein solches halten können; möglich daß die Redaction über den kühlen Eindruck den diese Nummer hervorgebracht ihre Redseligkeit verloren und darum die zweite Nummer nicht von Stapel laufen will. Kehrt die Besonnenheit wieder, so wird die Revaction wohl den richtigen Tact, der der Genossenschaft bis jetzt die volle Achtung aller Vorurtheilsfreien gesichert hat, bald sich zu eigen machen suchen, und der Zeitschrift den Boven zu geben wissen, auf dem allein sie gedeihlich bestehen kann. — Die Berufung des Herrn Hirsch aus Emden nach Mähren mag auch ein wichtiges Ereigniß sein: indeß wollen wir nicht prophetisch die Zukunft enthüllen, und dies lieber andern Blättern überlassen, die nach einem gewissen talmudischen Ausspruch mehr Beruf zur Prophetie haben. — Aufgeklärte Rabbinen und orthodoxe Gemeinde«. (Von der Mosel, im Febr.) — In Nr. 6 Ihres vielgeschätzten Blattes werde ich wegen meines in Nr. 46 mitgetheilten Berichtes von einem Correspondenten aus Trier mit so artigen Epitheta beschenkt, wie sie in einem gewöhnlichen Lericon schwerlich zu sinven sind. Aber ich gestehe, daß sich meine Eitelkeit vorzüglich bei dem mir zu Theil gewordenen Epitheton „Nireus" tief, tief verletzt fühlte, zumal mir dies als Jung, geselle vom größten Nachtheile sein kann, umsomehr als das Urtheil von einem Th er fites (wofür mein Gegner sicherlich zu halten ist, man sieht dies aus jeder Zeile seines Styls, wie das Werk so der Meister) mit ungemeiner Gewißheit gefällt worden. Nach ko empfindlicher Lektion, woran mein Herz noch heute blutet, haben Sie wohl geglaubt, daß mir die Lust zur nochmaligen Ergreifung des Gegenstanvcs vergehen würde, dem ist jedoch nicht so TOD D’p^n ptt Dtsrn Dipan die Meinungsverschiedenheit zwischen mir und dem Cerrespondenten aus Trier beruht auf die Frage, ob reformistische Predigten auch in orthodoren Gemeinden der Sache des Fortschrittes günstig seien oder nicht. Unser Gegner glaubt nun, daß im trier'er RabbinatSbezirke fragliche Predigten „keine günstige Wirkung zu erzielen im Stande find," „daß sie dem Retrogradismus in die Hand arbeiten und Unzufriedenheit und Zwietracht erregen." Wenn dies die Wirkung der Reformpredigten ist, dann wabrlich sind nicht nur die Predigten, sondern auch die Reformen anstrebenden Rabbinen in orthodoxen Gemeinden überhaupt überflüssig unv gefährlich. Wenn die Rabbinen nicht den Predigtstuhl benützen wollen „für Fortbildung und Erhaltung des Juvcnthums," welches das Ziel der Rabbinerversammlung ist, über deren Wirksamkeit in den Gemeinden zu sprechen wir von Herrn Kahn forderten, dann wissen wir wahrlich nicht, welche andere wirksamere Mittel den Rad-

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