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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-04-04 · Heft 14 (4.4.1847) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 14 (4.4.1847)
Date
1847-04-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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HO Heuen Freihcitskrone Jerusalems, an die er zwar zn glauben sich beredete, fic aber doch nicht herbeiwünschcn mochte. Was einzelne wackere und edcle Männer für die Emancipation gethan, wie sie gekämpft und gestritten, war zu ihnen nicht gelangt, oder doch ohne Theilnahme gehört worden. Freilich galt dies nur von der größeren Masse, von den Gemeinden als solchen, einzelne Individuen und Vorstände machten hiervon eine rühmliche Ausnahme, so daß das Obcrvorstehercollcgium von Breslau an den letzten schlesischen Landtag eine Petition um Emancipation der Juden einrcichte. Jndeß hat die Sache der Emancipation zwar in der öffentlichen Meinung ihre Erledigung gesunden, aber in Wirklichkeit ist die enge Grenze, die unsere sociale und bürgerliche Entwicklung umschließt, auch nicht um eines Haares Breite erweitert worden. Und bei all dieser gewaltsamen Eindämmung in die poetischen Ghettos, trotz der warmen Fürsprache der christlichen Vertreter des Volks keine Protestation von Seiten der gelammten argvcrletzten Zudenschaft? Das müßte ein Todesurtheil sein, das wir selber unserer guten Sache geschrieben hätten, das müßte uns unwürdig machen zu freien Bürgern eines intelligenten Staates, das hieße unfern Feinden die geschliffenen Waffen in die Hände drücken. Darum erließ das hiesige Obervorstehercollegium, nicht ohne Bangen um den Erfolg, einen Aufruf an sämmtliche Gemeinden Schlesiens sich zu einer Petition an den bevorstehenden Landtag zu vereinigen. Und siehe da, statt der Gleichgültigkeit oder gar des Widerstandes, den man zu treffen befürchtete, kam der wärmste Eifer, die lebendigste Theilnahme uns entgegen, und am 2. Febr. versammelten sich die Deputirten von 41 Gemeinden Schlesiens, um über die beregte Petition gemeinschaftlich zu berathen. Ein Entwurf derselben war bereits auf Veranlassung res hiesigen Vorstandes von dem genialen jungen jüdischen Juristen vr. D- Honigmann ausgefertigt, und die Versammlung nahm auch dessen geistvolle Ausarbeitung mit wenigen Acnderungen an. — Wir betrachten dieses Ereigniß als rin hochwichtiges, trotz der witzigen Glossen eines versteckten Correspondenten, der nicht genug Geifer aufzubringen vermag, um es zu verläumden, und weil er nichts dagegen aufzufinden weiß, das auch nur bei dem Böswilligsten Glauben fände, von Zusammenkünften und Zweckcssen handelt und lügt, die hier bei dieser Gelegenheit nie stattgefunden haben. Wir halten es als ein hochwichtiges, trotz der frömmelnden Sentimentalität eines judenschmerzlich ergriffenen Berliner Skriblers, der in deklamirendem Pathos auSruft: «wir wollen keine Emancipation, wenn wir dafür am Sabbath unsere Wechsel bezahlen sollen!" Guter Junge, wenn ich anders Dich an Deinen Federn erkannt habe, sei ganz ruhig, Du sollst in Deinem Gewissen nicht beengt werden, Deinen Wechsel sollst Du am Sabbath nicht bezahlen dürfen. Wir halten diese Theilnahme Unserer Glaubensgenossen an ihrem politischen und bürgerlichen Geschick für hochwichtig, weil sie von der Reife und Mündigkeit der Juden unserer Provinz Zeugniß giebt. Wo man sich als Genossen der Gegenwart fühlt, wo man gesinnungskräftig und thatenlustig eingreifen möchte in die Bewegungen der Zeit, da kann man nicht mehr gesinnungslos an dem Alten und Bestehenden halten, weil es echt ist und bestanden hat; man wird nicht eine bunte Maske, mit verstaubten und veränderten Lappen von allen Seiten umgeben, eintreten wollen in die Reihen frischer Gestalten, in die Masse einer kräftigen und lebensvollen Menge. Wir können darum der besten Hoffnung sein auch für die religiöse Zukunft unserer Glaubensgenossen Schlesiens. Mag immerhin dieses Erwachen aus der alten Starrheit noch nicht allgemein sein, mögen immerhin manche geistliche Führer sich als treue Wächter dadurch bewähren, daß sie ängstlich über diesen alle Lebenskraft verzehrenden Schatz wachen; jedes Geräusch in der Nähe der Schläfer zu unterdrücken suchen — es nützt sie nichts, schon haben hunderte fich selber ermannt, haben aus der entnervenden Ermattung sich aufgerafft und ist es auch kn den kleinern Gemeinden noch zu keiner That gekommen, in der sich der erwachte Geist manifestire, so giebt er sich doch kund in dem lauten Beifall, den man dem Fortschritte anderer glücklicherer Gemeinden zollt, in der frohen Theilnahme, die man jedem Vorwärtsstreben widmet. Und sind doch in der neuesten Zeit sogar jene ängstlich wachenden Führer selber irre geworden! Sie wollten den frischen Luftzug von allen Seiten verhindern, jedes noch so kleine „Hinterpförtchen" sorgfältigst verrammeln, haben dies aber so ungeschickt versucht, daß durch den dabei erregten Lärm wiederum viele Schläfer erwacht sind. Ja, nehmt Euch ein Erempel daran! es nützt Euch nichts, daß Ihr dem Rade der Zeit Euch entgegenstemmt, es rollt mächtigen Schwunges über Euch dahin, und Ihr tragt nichts als Euern verstümmelten Körper davon. Hättet Ihr nur bis jetzt den Regungen der Zeit gelauscht, hättet Ihr dem ein willig Ohr geliehen, was die Besseren Eures Volkes Euch zugerufen, Ihr hättet freudigen Muthes all diese neuen Erscheinungen begrüßt, anstatt Ihr jetzt wider Euer besseres Bewußtsein sie bekämpfen wollt, ja, wiver Euer besseres Bewußtsein, denn Ihr seid doch besser, als Ihr uns glauben macht. — Wie, hör' ich erstaunt fragen, von dem neu erwachten politischen und bürgerlichen Selbstbewußtsein hoffst du auf eine Auferstehung auch des religiösen Bewußtseins? Blick doch einmal nach dem lachenden Sitze der Freiheit, der paradiesischen Stätte der bürgerlichen Gleichheit, nach den amerikanischen Staaten, ist

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