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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-04-04 · Heft 14 (4.4.1847) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 14 (4.4.1847)
Date
1847-04-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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112 binen noch zu Gebote stehn. Sind nicht solche Rabbinen den Männern zu vergleichen, von denen der Talmud sagt: »p“)Dn nrvn2Dt> n“DN1 Wohl bewirken religiöse Aeußcrungen, die von seitherigen Begriffen abweichcn, eine Art Mißbehagen und Mißstimmung, diese ist aber nirgends von langer Dauer besonders wenn einem solchen Redner eine große Anzahl anderer Rabbinen zur Seite stehen. Hingegen muß offenbar die religiöse Macht des Rabbiners erschüttert werden, wenn derselbe der von ihm vertretenen Richtung nur schüchtern das Wort zu reden sich traut, wie andererseits ein energisches Auftreten für die heilige Sache der Reform dem großen Publikum, das doch wie überall größtentheils urtheilsunfähig ist, ein Zeugniß ist für die Wahrheit, der es dann schon halb das Herz zuwcndet. Mein Gegner vergißt, daß ein Unterschied ist zwischen freimüthiger Verkündigung der Wahrheit und der gewaltsamen Einführung derselben, welches letztere kein vernünftiger Mensch billigen wird. Wie soll denn, frage ich den trier'er Correspondenten, das Bessere angebahnt werden, wenn das Volk nicht darüber belehrt wird? Bezwecken dies vielleicht allgemeine Phrasen über die Nothwendigkcit der Reform und die Krankheit des Judenthums oder vielmehr das Losziehen auf praktische Gegenstände. Zweitens ist es Pflicht der Rabbinen, die eigne Ruhe nicht immer berücksichtigend, für Entfernung bestehender Mißbräuche und Einführung weihender Institutionen nach Kräften thätig zu sein. Man erwartet heutigen Tages namentlich von dem Fortschritt liebenden Rabbinen ein rüstiges Streben und überläßt es den orthodoxen Rabbis gleich den Göttern des Epikur sorglos auf dem hohen Thron sitzend dem Gange der Dinge zuzusehen und behaglich auszurufen; O wie ist uns so wohl! yjlöH TDpn »so nr^n sagt die Samara llldr »jm? pmy ib’SN in*N Die Meinung unseres Gegners, (es geht diese aus seinem unwitzigen Witz über die „vernünftige Stadt" hervor) daß sich auch bei eigener Nnthätigkeit eines Rabbiners dieser sich darauf verlassen kann, daß sich seine Gemeindcglieder mit der Zeit durch andere Einwirkungen mit den Ideen der R. - V. befreunden werden, ist grundlos, ja so lächerlich, daß ein weiteres Eingehen darauf Zeitverschwendung wäre. Also halten wir cs noch immer für Pflicht aller an der R. - V. sich bctheiligendrn Rabbinen, ihre Gemeinden mit den Beschlüssen derselben durch Belehrung vertraut zu machen, und so, wenn auch nicht durch „Krieg und Posaune" so doch durch den Geist der Wahrheit, das Bessere zu verwirklichen. Herr Oberrabbiner Kahn, dem wir wegen seiner sehr vielen ehrenwerthen Eigenschaften vom Herzen zugethan sind, wolle nur wegen unserer freien Aeußerung nicht zürnen, sondern sich an jenen Dichter erinnern, der sagt: Der Freund, der mir die Fehler zeiget. Die kleinsten Fehler nicht verschweiget, Der ist mein Freund, So wenig er cs scheint. Doch der, der mich stets schmeichelnd preiset, Mich immer lobt, mir nichts verweiset, Der ist mein Feind, So freundlich er auch scheint. Ein Beweis, daß auch im Rabbinate zu Trier das Bessere eingeführt werden kann, liefern mehrere der angesehensten Gemeinden derselben. Von Saarlouis habe ich Ihnen bereits berichtet. Ein Gleiches vermag ich von Menzach, die zweite Gemeinde des Bezirkes. Hier wirkte schon lange Zeit ein s. g. Chasid, genannt R. Mosche. Dieser sehr biedere, wahrhaft gottesfürchtige Mann, benützt seit einigen Jahren das hingebende Vertrauen seiner Gemeindeglieder zur besseren Gestaltung des Gottesdienstes. Die in denselben herrschende Ordnung und Ruhe dürfte selten zu finden sein. Auch gute deutsche Reden—genannter Herr ist im Deutschen Autodidakt — werden öfters von ihm mit Beifall gehalten, Copulationen anständig begangen, talentvolle Schüler im Hebräischen unterrichtet re. und alles Dies ohne die geringste Belohnung. Solche Männer sind selten und freut es mich, ihm hiermit öffentlich die innigste Anerkennung im Namen Vieler zollen zu können. — Erklärung. Der Berliner Cf) - Correspondent der Deutschen Allgemeinen Zeitung hat in diesem Jahre schon zweimal die in diesem Blatte von mir mitgetheilten Originalartikel aus Berlin in gedachter Zeitung als seine eigenen abdrucken lassen. Ungeachtet ich nun diesen fremdflaumigen Schmuck des (ck) - Correspondenten feinem Redacteur en Chef schon verrathen habe, fährt ersterer doch immer fort, seine langen Finger nach fremdem Gute auszustrecken. Ich sehe mich daher veranlaßt, dies Verfahren zur öffentlichen Kunde zu bringen, und den Redacteur en Chef Hiermit noch einmal zu bitten, seinen betreffenden Correspondenten darauf Hinzuweisen, daß er künftighin doch die Quelle, aus der er schöpft, genau angebe. Ein ähnliches Vergehen fällt dem Herausgeber des „Orients" zur Last, wenn es gleich bei ihm ein Vergehen des zweiten Grades ist, denn auch er hat mir einen Artikel nachgedruckt, und nicht die erste, sondern die zweite Quelle nämlich die Deutsche Allgemeine Zeitung, angegeben. Der berliner Berichterstatter dieser Blätter. Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.

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