Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1847)
- Date
- 1847-04-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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109 spater verkaufen uud Gewinn daraus ziepen; Andere vermuthen, er wolle ihn einst an eines seiner Kinder abtreten, die übrigens alle noch sehr jung sind. Wie dem sei, diese Matrikelsucht von Seiten derjenigen, die davon befreit find, ist für den Gutdenkenden etwas Empörendes und verdient durch öffentliche Rüge gebrandmarkt zu werden. Sie zeigt von einer Fühl- und Theilnahmslofigkeit, die man einem Lehrer mindestens nicht sollte zum Vorwurf machen können. Das Tröstende dabei ist, daß dieses der erste derartige Fall ist und mit Gottes Hülfe auch der letzte sein wird. Neue Hoffnungen. (Aus Baiern, im März. — Schluß. S. Nr. 12.) — Wenden wir uns daher zu dem Nachfolger von Abel's im Ministerium des Innern und suchen wir einigermaßen zu errathen, was wir von diesem zu gewärtigen haben. Derselbe ist von Zenetti, am letzten Landtage noch Ministerialrath und Landtagscommissär, in welcher Eigenschaft er auch in der Judenfrage das Wort für die Regierung nahm, da Herr von Abel in jener Sitzung zu erscheinen, wenn wir uns recht erinnern, durch Krankheit verhindert war. Zenetti's Aeußerungen zeugten im Ganzen von einer milven und menschenfreundlichen Gesinnung, und wir glauben uns deßhalb keiner eitlen Hoffnung hinzugeben, wenn wir von ihm, der nun des höchsten Postens in der Staatsverwaltung theilhaftig geworden, auch Abhülfe für unsere gegründeten Beschwerden erwarten. Er sprach sich nämlich in der Hauptsache dahin aus: daß er gegen eine Revision der Verordnung vom Jahre 1813 nichts einzuwenden habe; und daß auch das Ministerium ernstlich mit diesem Gegenstände beschäftigt sei. Eben so seien alle Eingaben der Israeliten aus verschiedenen Landestheilen wegen Aufhebung der veralteten Ausnahmsgefetze in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten bereits der Gesetzgebungscommission mitgetheilt,wo dieselben gewiß billige Berücksichtigung verdienen würden. Er bemerkte ferner zur Begegnung einiger irrigen Ansichten über die Verordnung von 1813, daß durch dieselbe schon sehr viel für die Juden geschehen sei, deren Zustand vorher ein sehr bevauerns. werther gewesen. Allerdings seien in der Verordnung einige Härten, doch besteht diejenige des tz. 12 (Verminderung der Juven), worüber am meisten geklagt werde, faktisch nicht mehr; dies erweise sich zur Genüge daraus, daß die Anzahl der Juden in Bayern seit 1813 nur zugenommen habe. Doch könne die Negierung von dem im Edikte aufgestellten und bisher festgehaltenen Grundsätze, die Israeliten vom Handel.abzuziehen, uns dafür zu den Gewerben und zum Feldbau hinzuführen, auch in der Zukunft nicht ablassen. Dieses war der Hauptsache nach ungefähr der Inhalt seiner Reve. Dabei versicherte er noch, daß das Ministerium die in der Kammer gemachten Bemerkungen zu Gunsten der Js. raeliten gewiß wohlwollend benutzen werde. Hoffen wir nun getrost, daß diese Worte eines hochgestellten Beamten zur Wahrheit werden, versäumen wir aber auch unsererseits nichts, den wohlgemeinten Mahnungen desselben, so weit es an uns liegt, entgegen zu kommen. Dadurch entziehen wir unfern Gegnern am besten den Vorwand, unser Recht, das freilich vor allen andern Rücksichten zu Rathe gezogen werden sollte, immerfort zu bestreiten. *) Rundschau. 4* (Breslau, im März.) — Gestatten Sie mir, geehrter Herr Redacteur, daß ich nach einem langanhaltenden Stillschweigen meine Correspondenz mit einer kleinen Rundschau wieder anknüpfe. Ich will einmal auf die geschwätzige Plauderlust anderer Tagesblätter horchen, unv aus dem wunderlichen Chaos der Ereignisse seit dem Beginne dieses Jahres mir kluger Bedächtigkeit wählen, um den etwaigen Gewinn, der fürs Leben, für das Verstäudniß der Zeit und ihrer Bewegungen daraus sich ergeben mag, Ihren denkenden Lesern getreulich mitzutheilen. Ich will der entschwundenen Ereignisse im religiösen u. bürgerlichen Leben der Juden seit dem Anfang dieses Jahres hier nicht speciell unv ausführl ch gedenken, nur ves lebendigen Inhalts erwähnen, der uns von ihnen geblieben; ich will den wehenden Ovem, der sie beseelte, festhalten und so ihr Grab, als sinniges Zeichen unserer Werthschätzung. mit Blumen oder dornigem Gestrüpp, je nach ihrem Werth bepflanzen. Ich fange billig mit Schlesien an. Wie das religiöse Leben hier seit rem letzten Lustrum theilweue einen mächtigen Umschwung erlitten, wie hier die Ansichten sich geläutert, der Geist aus jahrelanger Verdumpfung sich aufgerasst, so hat auch das bürgerliche Leben, von dem kräftigen Genius der Zeit gerüttelt, sich frisch und kräftig gestattet. Wer weiß es nicht wie der Jude ehedem leicht und froh in der schwulen Athmosphäre bürgerlichen Druckes athmete, wenn nur seinem Handel keine Beschränkung drohte; wie er für die Entwürdigung, die er litt, kein Gefühl, für die erniedrigende Zurücksetzung keinen Sinn haite und nach Erweiterung der engen Kerkerwände in die man ihn geschlossen, keine Sehnsucht trug, sich tröstend mit ver verhei- *) Wir theilen die Wünsche unseres Herrn Corresvonventen, daß es in Bayern hinsichtlich unsrer Glaubensgenossen besser werden möge, nicht aber dessen Hoffnungen, indem uns weder Herr von Abel für alle Zeiten, selbst nur für längere Zeit, noch mit ihm das bisher befolgte Regierungssystem beseitigt sche nt. gui vivra verra. Redaktion.