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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-03-28 · Heft 13 (28.3.1847) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 13 (28.3.1847)
Date
1847-03-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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103 trab es und der Nachen immer weiter vorwärts getrieben wird. Daß die Wahrheit eine Flamme ist, welche auch das womit man , sie zu bedecken und dämpfen versucht verbrennt, daß sie nach j kurzer Niederhaltung desto Heller auflodert, scheint ihm unklar! undunwahrzu sein. Wo es seinem Ansehen und seinen Finanzen | nicht schadet, kann er sehr Vieles verschlucken. Auch gegen den Radikalsten unter den Radikalen wird er nicht tadelnd auftreten, sobald dieser seiner Börse förderlich ist. Gewissen Leuten gegenüber hält er doch andächtige Stoßseufzer, ftomme Bibel- und Talmudsprüche für die einzigen brauchbaren Waffen, gegen Andere hingegen schleudert er mit der ganzen Kraft seines Geistes die Donnerkeile seiner Verketzerungen oder den ganzen Vorrath seiner Witze ab und sprüht instinktartig, wenn es Noth thut, wie ein Vulkan die leuchtende Lava seiner Verdammungsurtheile gegen sie los. Er hält nur sich als seinen besten Freund, alle übrigen sieht er mit Mißtrauen an. In Privatverhältnissen verläßt er sich mehr auf sich, als auf den Himmel, und thut somit gerade das Gcgentheil, was er andern anräth. Der Egoismus ist der Bewohner seines Herzens und der macht sich da seine Wohnung so breit, daß für andere Gäste kaum ein Raum übrig bleibt. Unter keiner Bedingung reicht er die Hand zur Versöhnung, er ist nu Es ist sonderbar, er sollte der beste Menschenfreund aus demselben Grunde sein, aus welchem er jede Reform verdammt, Beides müßten die Früchte der Religion sein, welcher zu dienen ihm Angelegenheit und Beruf ist. So aber denkt er nur an seine Person, an seine Verhältnisse. Dabei heuchelt er nicht nur gegen Andere, sondern auch gegen sich selbst. Auch nicht gegen sich selbst ist er aufrichtig, sich selbst gesteht er nicht, wie es mit ihm steht. Zeigt er eine andächtige Miene, hängt er den Kopf zwischen die Beine, nennt er sich öffentlich einen Kam so thut er es nur deßhalb, weil er durch diese kleine Aufrichtigkeit gegen den Himmel, desto stärker gegen die Erde sein zu dürfen glaubt, und scheint nur deßhalb um so eifriger Gott mit den Lippen zu verehren, um ihn desto mehr in den Handlungen zu verleugnen. Dies ist das wahre Bild unseres Orthodoxen, naturgetreu nach einem lebenden Zionswächtcr gezeichnet. Von Ihrem M. JVr. Sachs, J9r. Stern; Die Gerneiudekasse. (Berlin, im März.) — Wenn wir uns schon mehrfach in Ihrem geehrten Blatte zu dem Ausspruche bewogen fühlten, daß die Bedeutung der hiesigen Reformgenoffenschaft für die Entwicklung des Judenthums gleichsehr in ihrem mittelbaren Einflüsse auf die Gegner der Reform wie in ihrer unmittelbaren Einwirkung auf die Anhänger derselben zn suchen sei, so bin ich im Stande diese Behauptung heute wieder mit einem neuen Beleg zu unterstützen. Kaum nämlich verlautete der Plan der rcformgenossenschaftlichcn Bevollmächtigten eine Religionsschule, eine reformistische Propaganda im edelsten Sinne des Wortes zu begründen (dessen Ausführung sich allerdings durch die vielen über dieses Thema gehaltenen schönen Reden" und "glänzenden Debatten" ein wenig gar zu sehr in die Länge zog, kaum, sage ich wurde dieser Plan bekannt, als auch schon die conscrvative Fraktion der hiesigen alten Gemeinde, mit Recht eine solche Pflanzstätte als ihre mächtigste und gefährlichste Feindin anerkennend, Anstalten zu einer gleichen Einrichtung als Schutz und Bollwerk ihrer zukünftigen Fortdauer machen zu müssen glaubte. Sie erließ ohnlängst ein Circular an sämmtliche Gemeiudemitglieder, in welchem sie zu kräftiger Theilnahme an diesem für den ferneren Bestand des wahren Jndenthums so überaus bedeutungsvollen Instituts nachdrücklichst auffordert. Herr Dr. Sachs soll natürlich an der Spitze desselben stehen, ihm aber noch ein zweiter Religionslehrer zur Seite gestellt werden, über dessen Wahl jedoch noch nichts bestimmtes verlautet, wenn wir anders nicht dem alten Klatschweibe Fama Plaudertasche genannt, Glauben schenken wollen, welche behauptet, daß diese Stelle Sinecure für einen der theologischen Stiefelputzer des Herrn Dr. Sachs werden soll. Ob sich nun diese Schule, welcher Herr Dr. Sachs auch schon in einigen Predigten das Wort gesprochen hat, wenn sie wirklich zu Stande kommt, auf die Dauer halten wird, möchten wir sehr bezweifeln und zwar aus dem einzigen Grunde, weil Herr Dr. Sachs als Leiter derselben genannt wird. Wir find keinesweges gewillt die Kenntnisse und das Talent dieses Herrn verkleinern zu wollen. Wir geben vielmehr gerne zu, daß derselbe ein tüchtiger Gelehrte und ein noch tüchtigerer Prediger sei; er besitzt ein schönes Organ, ungemeine Mundfertigkeit, eine seltene Wortfülle, bedeutende Midraschkunde und ein vollkommen ausreichendes Gedankenmaterial. Allein wie jeder unpartheiisch Urtheilende in den Predigten des Herrn Dr. S. abgesehen davon, daß nicht Wenigen seine Gefühle nur als leerer Pathos, seine Begeisterung als augenblicklicher Fanatismns, sein Glaubcnscifer nur als persönlicher Ingrimm und seine beharrliche Opposition als hartnäckiger Trotz erscheint gegen eine Richtung, die er nicht zu beherrschen vermag wie jeder Unpartheiische sage ich, über diese Predigten die edle Popularität vermissen wird, welche von dem hohen Pegasus allgemeiner Ideen herniedersteigend an die einfachen Gefühle, Anschauungen und Begriffe des Volkes anzuknüpfen versteht, mit einem Worte wie Dr. Sachs

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