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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-03-28 · Heft 13 (28.3.1847) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 13 (28.3.1847)
Date
1847-03-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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lOl aber hat, da das preußische Landrecht solche Ehen nicht verbietet, die Sache lediglich den Gewissen der Betheiligten zu überlassen, und kann höchstens fordern, daß auch rabbinische Gutachten für die Gültigkeit jener Ehe beigebracht werden, was dem vr. Falkson nicht schwer halten witd. Zeichnung eines Orthodoxen. (Von der Mosel, im Febr.) — Gestatten Sie, heute statt der Mittheilung tagesgeschichtlicher Ereignisse, von denen gegenwärtig kaum allgemeine Interessen zu bemerken sind, die treue Zeichnung eines Orthodoxen zu liefern. Es ist uns vielleicht nicht ohne Nutzen; denn wenn es wahr ist, daß man den Baum an seinen Früchten erkennt, so muß man auch aus den Lebensäußerungen eines Mannes auf den Werth seiner Prinzipien und Gesinnungen, von der persönlichen Erscheinungs« und Handlungsweise eines Orthodoxen auf die Güte der ihn leitenden und bewegenden Grundsätze schließen können. Sind vorliegende Pinselstriche auch nicht glänzend und anmuthig, so sind sie doch wahr und ächt und wird demnach bei Betrachtung vorliegender Zeichnung. nicht nur der getroffene, sondern auch andere Zwillingsbrüder, wie in einem Spiegel sich erkennen und manche Unsau. berkeit an sich gewahren, welche sie dann recht bald wegzuwischen die Liebe haben wollen. Unser Original ist eine mittelmäßige Figur mit eingefallenem Gesichte und hcrvorstehenden Backenknochen,tiefliegenden stechenden Augen, faltenreicher Stirne und weißem Kopfhaare, schwimmend in einem Meere, wenn auch nicht von Gesundheit, doch von Gemüthsregungen und stillen Plänen. In Bezug auf Wissen hat er wie Adam vom Baume der Erkenntniß gekostet, aber auch nur gekostet, er hat den Apfel der Weisheit nicht einmal zur Hälfte, sondern meist nur die Schale genossen; denn würde er ihn ganz gegessen haben, so würde er auch ganz und nicht halb klug geworden sein. Indessen ist er scharfsinnig, wenn es sein muß, d. h. wenn Privatintcressen mit im Spiele sind, auch kann er denken, wenn die Umstände dazu drängen und hat er dann bessere Einfälle, als einer, der gar keine hat. Wenn jener Philosoph schloß: Ich denke, also bin ich, so schließt unser Rabbi: Ich bin (z. B. Rabbi von L. £.), also brauch ich nicht zu denken, diesen Schluß lrit.t er von'seiner Person, auch auf andere Dinge, vorzüglich auf die von religiöser Natur über. Das Dasein irgend einer religiösen Institution oder eines .iriJS gibt schon die Bürgschaft für seine Rcchtmäßigkcit. Begreift er auch nicht den Grund der B.rechtigung desselb'-i, sie sind recht, denn sie sind einmal gewesen, „ein großer Mann" hat sie für recht erklärt. Wenn das unserer Vernunft widerspricht, desto besser, je unvernünftiger, desto wahrer. Reflcktiren über geschehene Handlungen mag er nicht, und wenn er reflekrirt, bekömmt er immer Recht. Wegen dieser Denkfaulheit einerseiis ist er auch bitterer Feind einer jeden Neuerung, er geht gern betretene Wege und erblickt in jeder Abweichung eine Verirrung. Andererseits läßt er seine Pfleglinge auch deßhalb in der religiösen Einöde, um— seines Einflusses sicher zu sein. Es leitet ihn dabei ein richtiger Instinkt, denn in der That würde sein phosphorsscher Glanz erlöschen, wenn keine Finsterniß mehr vorhanden wäre. Darum kitzelt er in seinen Predigten das Ohr der Zuhörer mit Phantasiespeisen allerlei Art, aber auch zugleich mit dem unverdaulichen Kraute seiner Grundsätze, oder der grundsatzlosen Gesinnungen, mit archäologischen Untersuchungen z. B. über den geflochtenen Zopf der Schabbes Broches oder über den Mohnsamen auf diesem geflochtenen Zopfe, oder über die nwiöDA dieses Mohnsamens im Verhältnisse zur fcO'D' HDIW :c. In der Schule läßt er sich am liebsten die gewöhnlichen m:ra Herleiern oder über die Ü’JH Rechenschaft geben, wenn man “'BDI vergessen, das iO’l nty» gar nicht, oder das rinn zu viel gesagt. Im Umgänge mit Andern ist die beste Unterhaltung, wie eine herbe N'2'p zu entfernen ist, und man Bajazzo - Sprünge von einer rabbinischen Aeußernng zur andern machen kann. Nichts haßt er mehr, als die Erleuchtung Anderer, während er auf dem ihm innewohnenden Lichtchen (in seinen Augen freilich eine hellleuchtendc Fackel) stolz ist und bei jedem ausgesprochenen Worte die Bewunderung Anderer fordert. Nach Zentner wägt er seinen Werth, Nach Quentchen seine Mängel Bei Andern macht er's umgekehrt Uno wähnt sich einen Engel. So kömmt cs, daß er Alles tadelt, was nicht von ihm ausgeht, er tadelt Alles das, was er nicht selbst ist. Wo sein Arm zu kurz ist, um das weltliche Schwert zu ergreifen, wendet er seinen Mutterwitz an, dem er nur Essigschärfe von ätzender Kraft zu geben weiß. Man muß seine Generalität in Stich- und Witzworten wahrhaft bewundern, womit alle seine vermeintlichen Feinde überschüttet werden. — Er hat das Wesen eines Mannes, der sich lange necken und zerren läßt, aber wenn's ihm zu bunt wird, die Zähne knirscht und in eine Wuth gerath, wo man sich gedrungen fühlt, ihn anzubinden, daß er einen nicht mit Haut und Haaren verschlingt. Trotz seiner Schwachheit meint er doch dem Zeitenrave Stillstand gebieten zu können. Er gleicht dem unerfahrenen Kinde im Nachen, welches die Meinung hat, daß be m Rurern Wasser und Kahn zucückgeht, wäh-

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