Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-03-21 · Heft 12 (21.3.1847) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 12 (21.3.1847)
Date
1847-03-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2566751-2567098-2567111--2586-2570522
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

95 Feier« und Fasttage der Israeliten die Einstellung des Schulbesuchsbedingen? — Die Oberki'rchenbehörve hat die biblischen Fest, tage — mit Ausschluß der Halbfeiertage — und den Fasttag am neunten Aw als solche bezeichnet. Es :stehen nämlich die israelitischen Elementarschulen stets unter Leitung der Oberschulbehörde, der die herrschende bürgerliche Gemeinde angehört und so entweder unter Aufsicht des evangelischen Konsistoriums, oder des katholischen Kirchenraths; die Rcligionsschnle steht unter Obhut der israelitischen Oberkirchrnbehörde. Die Prüfungscommisfion für israel. Lehrer ist aus genannten drei Stellen zusammengesetzt. — Als Erfolg der Rabbinerversammlung kann die Abstellung der herkömmlichen jüdischen Tranergebräuche und die Eintheilung des Pentateuchs in dreijährige Perikopen behufs der sabbathlichen Vorlesungen aus der Thora, durch Rabbiner Gülvcnstein in Buchau bezeichnet werden. Die Buchauer Gemeinde, sogar die orthodoxe Parthci, hat diese Anordnungen freudig begrüßt, da man zu dem Schüler Ettlingers und Bambergers unter denen Güldenstein seine Talmudstuvien machte, volles Zutrauen hat. — Güldensteins Bruder, rer in Berlin preisgekrönte Künstler, Bernhard Güldenstein, hat für den Kronprinzen mehrere Sculpturen gefertigt und soll ehrenvolle, neue Aufträge erhalten haben, die er in Nom ausführen wird. — In den meisten jüdischen Gemeinden des Landes werden neue Wohlthätigkeitsvcreine zur Steuerung der allgemeinen Roth gegründet. So hat in Oberdorf der Lehr- und Talmndverein 100 fl. zum Ankauf und Vertheilen von Mehl an Arme gestiftet. Und auf die, in einer Predigt von Maisone Frankfurter an die Gemeinde ergangene Aufforderung zu einem Hülfsverein, wurden am selben Abend noch über 400 fl. gezeichnet, ein Comite gewählt, das die Statuten des Hülfsvcrejns entwerfen und das Geschäftliche, wie den Ankauf und die Vertheilung der Lebensmittel unter die Armen besorgen wird. Es wäre sehr zu wünschen, daß Lehrer und Prediger ihren Einfluß durch Wort und That zu solchen wohlthätigcn Zwecken verwenden würden! — In mehreren größeren Städten Würtembergs entstehen neue jüdische Gemeinden, wie in Ellwangen, Ulm u. s. w. 8ub rosa, haben wir vernommen, daß in Ulm eine neue Freimaurerloge sich aufgethan habe, der besonders viele achtbare Inden angehörcn; . doch können wir die Nachricht nicht verbürgen, daß aber viele Würtemberger mosaischen Glaubens in den bestehenden Logen ausgenommen sind, ist notorisch. — Aus Bayern suchen viele Juden nach Würtemberg einzuwandern und unsere hunrane Regierung nimmt ihre Gesuche willig auf. Die Bayern finden unsere bürgerlichen und kirchlichen Zustände geordnet, während dort in jüdischen Kreisen Anarchie herrscht. Im Maingrunde wurden Rabbinerswahlen wegen Wahlbestechungen anuilirt; im Rieß mußte der zehn Jahr im Amt stehende Rabbinatsverwcser Rottenheim zu Wallerstein, weil noch andere Orte zu seinem Bezirke geschlagen wurden, sich einer neuen Wahl unterwerfen und wurde durch Wahlumtriebe weggebissen. Durch die Wahl des vielgelobten, überaus frommen vr. Feuchtwang zum Rabbinen in Oettingen wurde die Wittwe des seligen Rabbiners Katzenellenbogen, Oheim von Gabriel Riesser, brodlos. Ist das pietistnche Pietät?? Solche nachbarliche Ereignisse taffen uns unser würtembergisches Regiment in seiner besten Seite erblicken, und viele Malkontente sind dadurch eines Bessern belehrt worden l2 (Vom Main, im März.) — Nehmen Sie mirs nicht übel, Hr. Redacteur, Sie verstehen nicht, wie man ein Blatt redigirt, und ich rathe Ihnen nach dem Orient zu reisen, um es da zu lernen. Wie, in Frankfurt wird ein großer Mann verfolgt, dem Gott, nach dem Ausdruck der Schrift, „Häuser baute", und den er segnete mit Geld und mit literarischen Freunden, und mit dem Geiste der Beide in Bewegung zu setzen weiß und Sie schweigen! Nun, so muß ich denn das Wort für Sie ergreifen, und Ihren Lesern die wahrhaftige Historie erzählen, damit Ihr Blatt nicht, „hinter der Zeit zurückbleibe." Es war einmal ein Rabbiner, der empfahl viele arme Leute Neichen zur Unterstützung, und diese Unverschämtheit ging ihm lange hin. Da stanv ein Mann auf in Israel, der dem „Synagogenbeamten" in einem Localblatte bewies: man habe ihn ausgenommen, um zu predigen, aber nicht Proletariern Armuthszeugniffe zu geben. Solches wäre um so entsetzlicher, da es an Beispielen nicht fehle, daß solche Unglückliche sogar „die andersgläubigen Bewohner der Stadt mit der weitläufigen Erzählung ihrer Noth" belästigten, wodurch diese endlich gar erfahren möchten, daß solche arme Juden nicht einmal den hochdeutschen Dialekt in ihrer Gewalt Härten. Das war gewiß edel und schön und in Damaskus hätte man dem Wortführer der verfolgten Gelvmänner ein Monument errichtet. Der unverbesserliche Hierarch aber konnte sich in das puristische Gewissen dieses neuen Adelung nicht finden. Er meinte, die Frankfurter stünden nicht im Rufe zu klagen, wenn man ihnen Gelegenheit zum Wohlthun verschaffte, und als israelitischer Bürger hätte sich der Herr Verfasser etwas weniger schämen sotten, seinen christlichen Mitbürgern ehrbare arme Juden, die sich etwa hülfesuchcnv auch an sie wenden möchten, wegen ihres Mangels an meißnischer Aussprache des Hochdeutschen, so zu verächtlichem Abweisen und gleichsam zum Thürhinauswerfen zu empfehlen. I Sehen Sie, so treibt es dieser Hierarch, dieser Mann, der, wie

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.