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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-03-21 · Heft 12 (21.3.1847) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 12 (21.3.1847)
Date
1847-03-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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94 Seit mehreren Monaten finden wöchentlich an einem bestimmten Abend Zusammenkünfte statt, wozu es keiner besonder« Erlaubniß oder Einführung bedarf. Jeder, der sich für die Zwecke des Vereines iuteressirt, ist hier willkommen und kann an den dort geführten Reden und Debatten thätigen Antheil nehmen, und unsere Mitglieder aus dem leitenden Comit« sorgen dafür, daß die Debatten einen geregelten Gang nehmen. Die Discusfionen, denen Res. bis jetzt mit beiwohnte, betreffen die baldige Constituirung einer politischen Section, die Gleichheit der Ansprüche, die das sociale und das politische Element auf die Pflege Seitens der Gesellschaft haben, die Stellung der sogenannten Orthodoxen zu der Gesellschaft u. s. w. und es sind bei dieser Gelegenheit glänzende Rednertalente zum Vorschein gekommen. Nachschrift. Die Aufmerksamkeit, die durch ein hiesiges Blatt auf die in Rede stehende Gesellschaft gerichtet ward, gab sich heute aufs Anschaulichste zu erkennen. Denn die firirte Zusammenkunft wurde von beinahe 200 Personen Juden und Christen besucht, und die fast zweistündigen Discusfioncn wurden mit gespannter Aufmerk, samkeit angehört. Ueber 30 ordentliche Mitglieder sind diesen Abend neu hinzugekommen, und so dürfte das kl in Begonnene zu großen und segensreichen Resultaten führen. Nur nicht still gesessen! "Immer vorwärts!!" muß das Losungswort werden Glauben abzubringen. „Die Reichen, sogenannten Gebildeten, meint der superkluge Herr Doctor, haben sich bereits faktisch emancipirt, d. h. vom Judcnthume fast gänzlich losgesagt, cs (dasselbe) dem Genüsse, dem Egoismus zum Opfer gebracht. Jetzt ist es auf die sogenannte Volksklasse abgesehen, die bisher unerschütterlich treu und fest ihrer angestammten Religion anhing und der Ihr (ihr Socialisten und Communisten nämlich, die werden von dem Herrn Doctor hier angeredct,) selbige jetzt unter der Hand fein und listig weg cscamotiren wollt. (Wo haben Sie Ihre deutsche Sprache studirt, Herr Doctor?) Wie bringt man auch die Volksklassen um ihren Glauben? fragt raisonirenv der Herrn Doctor, und gicbt sich Antwort: Man verhilfr ihnen dazu, daß sie „Gassenkehrer, Leuchteranzünder (das Licht vollends verträgt er nicht,) Nachtwächter (und das ist Brodneid!) werden; nun sind sie unser! Da hört Sabbath und Feiertag auf, da hat man nicht Zeit und Gelegenheit, die Synagoge zu besuchen, die vorgeschriebenen Gebete zu verrichten" und so gehet das Geschwätz weiter. Wie wenig Kraft und innern Gehalt müssen diese Herrn der Religion zutrauen, die sie stets auf den Lippen führen, wenn sie stets in Furcht schweben, daß der Abfall von dem Glauben vor der Thüre sei, sobald die Juden an bürgerlichen Gewerben aller Art 'thätigen Antheil nehmen!! Der Berichterstatter. in Israel. Es tagt überall, auch in Kreisen, wo man früher von jüd. Angelegenheiten gar keine Notiz nahm, nimmt man die Verbesserung der israelitischen Verhältnisse zum Gegenstand der lebhaftesten Conversation. Es haben sich allgemein ^geachtete Christen bei verschiedenen Gelegenheiten zu Gunsten der Judcnemancipation unverholen ausgesprochen. Als vor Kurzem in der patriotischen Gesellschaft hier über die Mängel discutirt wurde, von welcher die Hamburgische Verfassung nicht frei zu sprechen sei, äußerten unter Andern sehr angesehene Bürger, deren Namen einen guten Klang hat, daß die Refom, die man mit der Verfassung vorzunehmen strebe nur dann Beifall verdienen würde, so die Basis gerecht sei. Daher mußten sie, die Redner, dafür stimmen, daß die Grundbesitzer aller Religionen gleichstehen; sie bestreiten, daß irgend Gründe dagegen vorgebracht würden, und beschränken sich deßhalb darauf, die Gerechtigkeit anzurufen. Es streife dieses Thema ins Gebiet der Emancipation, wofür sich so Vieles sagen lasse; da sie jedoch hier keine Gegner erwarten, so wollen sie nicht weiter darauf eingehen, getrauen sich aber, etwaigem Widerspruch begegnen zu können; so viel sollte nur endlich feststeheu, daß die Religion mit dem Staate nichts zu schaffen habe. — Wenn man die tiefgewurzelten Vorurtheile kennt, die, besonders in den sogenannten freien Städten gegen Juden und Judenthum eine so bedeutende Rolle spielen; so müssen uns dergleichen Aeusserungen wie Stimmen aus bessern Welten Ohr und Herz wohlthuenv berühren. A* Jüdische Zustände. (Aus Würtemberg, im März.) — Unsere Stänvekammer hat in ihrer jüngsten Sitzung wiederum ihre Bereitwilligkeit die Sache der Juden zu unterstützen dargelegt. Es wurde nämlich eine Theuerungszulage für die Volksschullehrer beantragt undverwilligt; auf den weitern Antrag des Abgeordneten Schmidt von Rottcnburg, diese Theuerungszulage nicht nur den Lehrern beider christlichen Confesfionen, sondern auch den israelitischen Lehrern zuzutheilcn, wurde einstimmig beschlossen, auch den israelitischen Lehrern jährliche 25 fl. und den Unterlehrern 15 fl. aus der Staatskasse zu reichen. Die israelitische Oberkirchenbehörde ist darauf bedacht, ihren untergeordneten Lehrern eine bessere ökonomische Stellung zu verschaffen, damit sie nicht mehr so sehr abhängig von einzelnen Individuen ihrer Gemeinden sind. - Der katholische Kirchenrath hat, um die unter seiner Leitung stehenden israelitischen Schulen besser beaufsichtigen zu können, bei der israelitischen Oberkirchenbehörde die Anfrage gestellt; welche Fest-

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