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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-03-21 · Heft 12 (21.3.1847) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 12 (21.3.1847)
Date
1847-03-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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oo sich ein wahrhaftiger morgenländischer Correspondent so schön als wahr ausdrückt: „nie eine Gelegenheit vorüber gehen läßt wo es einen Zweck absetzt, und gereichte dieser auch noch so wenig zu seiner Ehre." Es ist empörend, aber die Nemesis ereilte ihn endlich auch. Der schwer Beleidigte wußte sich auf die edelste Weise zu rächen. Von dieser Stunde an erscholl von Hessen bis nach Syrien, ein lauter oft wiederholter Weheruf gegen den hierarchischen Armen - Advokaten, und noch war das Maaß der Vergeltung nicht voll. Es begab sich, daß der israelitische Häuserbesitzer in Expropriationsangelegenheiten zum Experten ernannt und dabei vereidigt werden sollte. Wer glauben Sie wohl, daß dabei, gesetzmäßig und nach gerichtlicher Ordnung gegenwärtig sein und ihn, so wie einen andern dazu gewählten jüdischen Experten, gegen Meineid warnen sollte? Horen und schaudern Sie! Eben der Hierarch, der sich durch jene (dazu gegen einen Anonymus gerichtete) Vertheidigung offenbar als sein Todfeind gezeigt hatte. Nun frage ich Sie: Konnte er sich dem unterwerfen? Konnte er, wie ein Correspondent in einem jüdischen Blatte sich rührend ausdrückt, diesem Manne gegenübe.- „die religiöse Stimmung" behaupten, in welcher er sich gewöhnlich befindet? Nein, o nein! Er hätte freilich dem. Gerichte seine Gewissensskrupcl vorher anzeigen und dessen Entscheidung abwarten können. Aber er sah vielleicht voraus, daß dieses, wie dessen nachher erfolgter Urtheilespruch auch beweist, noch in „oceidentalischen" Vorurteilen befangen sei. Er verfuhr heldenmüthiger. In Gegenwart der Männer des Gerichts sprach er, eine zweite Jungfrau von Orleans: „Zweiter Rabbiner.' (das war der Mann nämlich, als „Sr. Trier" noch florirte. Jetzt usurpirt er dessen Platz, nach dem Beschluß der Frankfurter Gemeindeverwaltung, den „wir" nicht anerkennen.) Steh' auf von diesem Platz, der Dir nicht ziemt, An diese Größeren bin ich gesandt. Es sind aber diese Größeren zwei alte Talmudlehrer, welche früher die Herzen durch den Schulchan Aruch zu erheben und in „religiöse Stimmung" zu versetzen wußten. Der hierarchische „Synagogenbeamte" geht darauf nicht ein, wie er es freilich amt- und pflichtgemäß nicht kann, allein was geht das „uns und unsere Freunde" an? Nun denken Sie, welcher Triumph der von dem seandalsüchtigen Hierarchen verfolgten Unschuld bereitet ward. Das Gericht ernannte zwar, in Folge dieser Scene, einen andern Experten, aber die Parteien, welche des Häuserbesitzers Schätzung zu schätzen wußten, die Parteien apellirten! Es beißt zwar sie hätren eben keine sonderliche Aussicht auf Erfolg, aber noch einmal: sie apellirten, unv werden, wie der morgenländische Correspondent officiell berichtet, „bis zur höchsten Instanz auf, „Prozeß führen." Sehen Sie, so prozeßsüchtig sind die neueren Rabbinen, so rächt sich die beleidigte Tugend an geistlichen und weltlichen Behörden, Brutus, und Du schweigst! Reue Hoffnungen. (Aus Baiern, im März.) — Sie verlangen von mir, daß ich Ihnen öfters Berichte über Vorkommnisse in unserem religiösen und bürgerlichen Leben einsende. Allein unsere Politischen sowohl als unsere kirchlichen Zustände find seit geraumer Zeit so stationär geworden, daß nur äußerst selten eine Veränderung von solcher Bedeutung vorkommt, die in weiteren Kreisen auf einiges Interesse Anspruch machen könnte. In der neuesten Zeit hat sich jedoch ein Ereigniß in unserm Baiernlande zugetragen, das, obwohl es zunächst von allgemein polilischer Bedeutung ist, auch für die Verhältnisse der israelitischen Glaubensgenossen seine Nachwirkungen zu äußern nicht verfehlen dürste, und wovon ich Ihnen daher Bericht abzuftatten mich gedrungen fühle. Sie haben gewiß schon aus den politischen Tagesblättern vernommen, daß unser König sein ganzes Ministerium abgedankt und neue Minister ernannt hat. Der allmächtige Minister von Abel, auf dessen feste Stellung so viele Angriffe fruchtlos versucht worden waren, wurde ganz urplötzlich von der königlichen Ungnade getroffen und seine sämmtlichen College» sind mit ihm gefallen, wie sie zu ihm gestanden haben. Es ist nun ganz natürlich, daß auch wir uns fragen, welchen Einfluß dieser unerwartete Ministerwechsel auf die Veränderung, respektive Verbesserung unserer bürgerlichen Lage, welcher wir so lange schon entgegensehen, und die uns auch in dem Landtagsabschiede vom vorigen Jahre halb und halb verheißen worden ist, wahrscheinlicherweise ausüben dürfte. Man war unter uns gewohnt, Hru. v. Abel als den entschiedensten Gegner unserer gerechten Sache und als den stärksten Widersacher einer vollständigen Emanzipation nicht nur, von dieser war ohnehin keine Rede, sondern auch jeder weiteren Einräumung von politischen und bürgerlichen Rechten anzusehen. In wie weit diese Meinung begründet sei, können und wollen wir nicht entscheiden. Er hat jetzt Muße genug, mit seinem Gewissen Abrechnung zu halten und sich zu prüfen, ob in dieser, wie in jeder andern Rücksicht reine Vaterlandsliebe und ein treuer Pflichteifer, oder andere minder reine und uneigennützige Beweggründe die Triebfedern seiner Handlungsweise gewesen. Thatsache aber ist es, daß unsere Verhältnisse seit dem letzten Landtage, wo so viele Stimmen mit Nachdruck für unser gutes Recht sich erhoben und aufMilderung der bestehenden Ausnahmsgesetze gedrungen, sich nicht im Mindsten gebessert haben: vielmehr sind diese Ausnahmsgesetze bis zum heutigen Tage mit aller Härte und Strenge vollzogen worden. (Schluß folgt.) Verlag ver F. E. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offendach.

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