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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-03-21 · Heft 12 (21.3.1847) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 12 (21.3.1847)
Date
1847-03-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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93 Klein -er Beginn; Groß der Gewinn. l (Hiob.)! (Hamburg, im Febr.) — Kleines und Schwaches war s schon oft innerhalb und außerhalb Israels die Mutter und Amme j von großen und wichtigen Erscheinungen, und die alte Lehre:; im blb D ’nn ist allerdings tief aus dem Leben gegriffen. | Dieser Gedanke kam mir neulich in einer Versammlung von eini- - gen hundert Personen aus verschiedenen Bekenntnissen und Ständen, die über sociale und politische Verhältnisse und Interessen der Juden — zunächst den hiesigen — sehr lebhaft debattirten. — Sie erinnern sich wohl noch der Berichte, die ich Ihnen für den „Israeliten" über den Verein zur Verbesserung der socialen Verhältnisse der Juden mitgetheilt, Berichte, die allerdings von dem sehr schwachen Glauben zeugten, den der Referent an den Bestand und die Erweiterung jenes projektirten Vereins an den Tag legte. Gern und mit großer Zufriedenheit gestehe ich jetzt ein, daß ich für meine frühere Ungläubigkeit — bestraft bin. Denn es findet der Verein bei dem gebildeten Theil der Juden und Christen Ansprache und Anklang, die Hoffnung begünstigend, daß derselbe, für umsichtig geleitet und verwaltet, die Verbesserung der jüdischen Verhältnisse von heilsamem Einflüsse sein dürfte. Hr. Dr. Ree, von welchem die Jvee eines solchen Vereines aus. gegangen, sucht im Frühjahre 1845 in einer Berathung mit etwa 25 — 30 einflußreichen Männern mit vieler Beredsamkeit darzuthun, daß privative — und wenn die Privaten noch so zahlreich wären — für die politische Jueenemancipation nicht unmittelbar wirken könnten, dazu fehle es an Ansehn und Kraft; wohl aber läßt sich durch Einzelne, und besonders, wenn dieselben sich zu Vereinen bilden für die Veredlung der socialen Verhältnisse der Juden viel thun; daß der gesellige Verkehr der Juden ein besserer werde, daß der Umgang der jüd. Volksklasse mit der christlichen befördert werde, daß beide in Berührung sich näher kämen, sich kennen, dulden, schätzen, achten, lieben lernen — dafür müsse gesorgt werden, dahin müsse von Seiten der Menschenfreunde gewirkt werden: das freiere sociale Leben müsse unv werde zu einem freieren politischen Leben eine ganz bedeutende Stufe bilden. Daher müsse der Verein dahin streben und alle erlaubte Mittel versuchen, so viel Bereimguugspunkte als möglich aufzusinden: jüdische Kinder schon im zartesten Alter müssen — zum Beispiel sei es angeführt — christliche Warteschulen besuchen; jüdische Dienstboten müssen in christlichen Häusern unv Familienuntcrgebracht werden; es müsse durchgesetzt werden, jüdischen Arbeitern solche Berufs- und Nahrungszweigc zu verschaffen, wobei sie mit christlichen Arbeitern zusammen kommen und die Hand sich gegenseitig zu reichen haben, u. s. w. Damals fand diese Ansicht bei dem größten Theil der Versammlung den entschiedensten Widerspruch, als sei ein solcher Verein mehr dazu geeignet, die Emancipation weit eher zu vervräugen, als zu befördern, und der beabsichtigte Verein wurde als eine weiter nicht zu beachtende Fehlgeburt angesehen. Nur einige persönliche Freunde hielten aus bei dem Schöpfer dieser Jvee und wirkten geräuschlos an deren Realisirung. Man kam monatlich einmal zusammen, bald in größerm, bald in kleinerm Kreise, besprach diese Idee, beleuchtete sie, wählte etwa, ein sogenanntes leitendes Comitö, Dr. Rüe ließ auch einen „Aufruf zu einer raschern Förderung ver jüv. Angelegenheiten im Vaterlandc" im Druck erscheinen, eine Schrift, in welcher es aufs klarste dargethan ist, was die in Rede stehende Gesellschaft bezwecke, und welche Mittel zur Lösung der sich gestellten Aufgabe am angemessensten erscheinen. Die Idee schien immer mehr und mehr einzuleuchten unv am 23. Sept. vorigen Jahres zählte der Verein an — 80 Mitglieder; Kaufleute, Gelehrte aus allen Facultäten, Schulmänner, und zwar Juden und Christen schließen sich dem Vereine an. — „Das Streben nach Realisirung vollkommener Gewissensfreiheit; nach gegenseitiger Anerkennung und Versöhnung; nach Hebung der ärmern Volks kl assen der Juven durch angemessene Beschäftigung; nach Verbannung der Rechtsungleichheit in der Gesellschaft :vie im Staate, nach Herbeiführung einer vollständigen A u s g l e i ch u n g zwischen allen Mitgliedern desselben städtischen, staatlichen und vaterländischen Verbandes jN der äußern Erscheinung wie in ver L ebensau sch auung unv im bürgerlichen Verkehr, endlich nach einer consequenten Bewahrheitung v es Grundsatzes: Gleiche Pflichten, gleiche Rechte-das ist es, was selbst die in religiösen Ansichten Hererognosten und vivergärenvsten Charaktere zur Theiluahme an ver Gefelifchaft für ^ociale und politische Interessen der Juden angestrebt hat und hoffentlich in noch weit erhöhterem Maaße anregen *) An merk. Bis auf den religiösen Nachtwächter, vulgo Zionswächtcr in Altona, ver überall Gespenster sieht und Verführer zum Abfall von der väterlichen Religion wittert. In der 3. Nummer des neuen Jahrganges benrtheckt ein Dr. I. den in Reve stehenden socialen Verein nach seiner Manier uno findet •ii demselben ein sehr listig gewähltes, obgleich verstocktes Mittel, nunmehr auch die untere Volksklasse von dem angestammten

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