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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-03-21 · Heft 12 (21.3.1847) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 12 (21.3.1847)
Date
1847-03-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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03 faffung des Sabbath könne er nicht beitreten, „da cs ihm nicht klar sei, wie eine Idee, die erst das Produkt einer später» Spekulation sei, und als ein Gegensatz gegen die pantheistlsche Philosophie sich geltend mache, im Alterthum und noch dazu dem Volke durch ein Symbol hätte veranschaulicht werden können." Allein dieser Einwurf trifft nicht nur die symbolische Auffassung des Sabbath in Lpecie, sondern die des mosaischen Cultus und aller Culte des Alterthums überhaupt, und ist er auch in der That -längst gemacht und auf das Genügendste beseitigt worden. „Man hat," sagt Bähr. Symbolik des M. Cultus I. S. 28, „bei den heidnischen Religionen einen Hauptgrund gegen ihren symbolischen Charakter im Allgemeinen nicht selten daher genommen, daß erst späte Schriftsteller den Culten und Mythen einen Sinn untergelegt hätten, der ihnen aber ursprünglich gar nicht zukomme; das Deuten der vermeintlichen Symbole erscheine somit als ein ganz willkührliches, wobei man Allerlei hierin erkläre, woran das Alterthum nicht gedacht habe. Aehnliches wird man insonderheit von der Symbolik des mosaischen Cultus halten. Es ist aber ein ganz verkehrtes Begehren, daß die Stifter der sinnlichen Culte selbst die Bedeutung der Symbole sollten angegeben oder gar schriflich erklärt haben; ein Begehren, wobei die allgemeine religiöse Anschauung des Alterthums nicht gekannt oder ignorirt wird. Das Alterthum bedurfte derselben gar nicht; seine ganze Anschauungsweise bestand eben darin, daß sie überhaupt in allem Realen das Ideale schaucte, daß sie beides gar nicht von einander trennte. „Jene", sagt Görres ganz richtig, „welche in Hieroglyphen schrieben, lasen auch die Hieroglyphen derNatur." Uns freilich, auf unserem Neflexionsstandpunkte ist eine solche Anschauung ganz fremd, da wir eher gewohnt sind, Ideales und Reales zu trennen und sie einander gegenüber zu stellen. Unrecht ist es aber, diesen Standpunkt in das hohe Alterthum hineinzutragen und von ihm aus die alten Culte zu betrachten." Ferner das. S. 29: „Alle Symbolik ist gewissermaßen Poesie, denn sie bewegt sich wie diese im Bilde. Der Dichter schafft, seine Schöpfung ist aber nicht Frucht der Reflexion, der sorgsamen Ueber« legung und Berechnung, sondern ein Erzeugniß unmittelbarer Anschauung." Ferner: "Alles Deuten der Symbole der alten Religionen besteht in der Scheidung ihres idealen Gehalts von ihrer sinnlichen Form; man kann daher sogar zugeben, daß den Alten die Deutung eines Symbols keineswegs in der Art klar war, wie wir sic jetzt aufstellen, demnngeachtet war es ihnen aber dennoch Symbol, und was wir vermöge unserer reflektirenren Thätigkeit trennen und in Form des Gedankens fassen, hatten sie im unmittelbaren Gefühl und in ihrer natürlichen Anschauungsweise." Durch diese klaren Auseinandersetzungen Bährs glauben wir den Einwand unseres College»' Heß genügend beseitigt, können uns jedoch nicht versagen, das Schlagende aus dem bei Bähr a. a.O. angeführten größern Citate aus Hegels Aesthetik S. 402, welches über das Wesen des alten Symbols einen höchst interessanten Aufschluß giebt, noch hierher zu setzen. Es gilt der Vertheibigung der Kreuzerischen Symbolik gegen ähnliche Einwürfe, wie sie von Heß gegen unsere eigentlich von Bähr uns angeeignete symbolische Auffassung des mos. Sabbath gemacht worden sind. „Die Völker," sagt er, „Dichter, Priester haben in der That die allgemeinen Gedanken, welche ihren mythologischen Vorstellungen zu Grunde liegen, nicht in dieser Form der Allgemeinheit vor sich gehabt, so daß sie dieselben absichtlich erst in die symbolische Gestalt eingehüllt hätten. Dies wird aber auch von Kreuzer nicht behauptet. Wenn sich jedoch die Alten das nicht bei ihrer Mythologie dachten, was wir jetzt darin sehen, so folgt daraus noch in keiner Weise daß ihre Vorstellungen nicht an sich Symbole sind und deßhalb so genommen werden muffen, indem die Völker zu der Zeit, als sie ihre Mythen dichteten, in selbst poetischen Zuständen lebten und deßhalb ihr Innerstes und Tiefstes sich nicht in Form des Gedankens, sondern in Gestalten der Phantasie zum Bewußtsein brachten, ohne die allgemeinen abstrakten Vorstellungen von den concreten Bildern zu trennen." In Heß haben wir den zweiten Bundesgenossen gefunden, der am Schluffe seines Votums über die Verlegung unumwunden sich aussprach und in ihr das durchgreifendste Mittel siehet, den großen Bruch zwischen Lehre und Leben zu heilen, gesteht aber auch ein, daß die Zeit, wo dies geschehen wird, noch nicht gekommen sei. Er weist noch auf den von Maimonid. More Hl. 43 erwähnten Grund des Sabbath hin, daß der siebente Theil des Lebens der Erholung gewidmet sei; allein M. fügt die symbolische Bedeutung unmittelbar hinzu Dt>iyn tsnirn HJlDXn und geht aus II. Cap. 51 bestimmt hervor, daß er auf diese letztere ein Hauptgewicht legt. Dr. Scheyer hat in seiner Anmerkung 1 zur ersten Stelle übersehen, daß M. in letzterer des biblischen Grundes der Befreiung ausdrücklich Erwähnung thut. In Herrheimer's Votum, welches die Sitzung beschließt, ist kein neuer Gedanke hervorgehobcn, und der von ihm angegebene Grunv des Sabbath findet sich viel klarer ausgedrückt bei Maimonid. More H. 31. Und nun, lieber Freund, wollen auch wir uns nach gethaner Arbeit eine kleine Sabbathruhe gönnen. War unsere Arbeit auch nicht producirend und schaffend, so war sie doch anstrengend, wodann sie auch zerstörend nach S. Adler uns am Sabbath verboten ist. Wir wollen unsere Kräfte aufsparen für das Resume des Präsidenten. Ihr H o l d h e i m.

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