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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-03-21 · Heft 12 (21.3.1847) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 12 (21.3.1847)
Date
1847-03-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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welche die Orthodoxen sich nennen, nur noch bei Wenigen angetroffen; den Meisten ist es ein wirkliches Joch, die Bürde eines Knechtes, welcher dieser sich aus Furcht vor der Strafe seines Herrn nicht entledigen kann, kein freiwillig über sich genommenes, kein liebes, süßes, innerlich beglückendes Opfer, wie es den Vätern war. Und die sogenannten Heterodoren, sie werfen ja Alles von sich ab, kehren der ganzen religiösen Institution den Rücken; während die Schwankenden und Unentschiedenen das Eine befolgen, das Andere übertreten, ohne sich über Beides eine genügende Rechenschaft zu geben. So ist es bei allen rituellen Gesetzen, so ist es namentlich bei den weitverzweigten vielfach lä stigen des Peffach. — Aus diesem Zustande, der ein heilloser, unreligiöser ist, weil er keinen Halt und keine Wurzel mehr in unserem Bewußtsein hat, müssen wir die Glaubensbrüder befreien. Und dieses kann auf eine wirksame und wahrhaft religiöse Weise nur dadurch geschehen, daß wir das Verhältniß der talmudisch-rabbinischen Gesetze, zu der einfachen, nur das Verbot des gesäuerten Brodes (psn) und Gebot des ungesäuerten (.“>Lv) enthaltenen biblischen Anordnung, klar und freimüthig darlegen; und letztere nur als von Bedeutung für die Gegenwart ansprechen, dabei aber auch mit der den sittlichen Lebensverhältniffen schuldigen Erklärung nicht zurückhalten, daß das biblische Gesetz selbst sich (2. B. Mos. 12, 39), nur als ein bedingtes als ein symbolisches ankündige und dieser auch in Collision mit höheren sittlichen Pflichten, wie sie bei dem Soldaten, dem reisenden Handwerker und sonst Vorkommen, zurücktreten müsse. Geschichte des Tages. Offener Brief über die dritte Rabbinerversammlung. Von Dr. Holdheim, ill. (Schluß.) Hr. Gosen hebt gegen eine meiner von ihm mit den Worten wiedergegebenen Aeußerungen, daß, da das Heidenthum jetzt größtentheils unterdrückt sei, die Sabbathfeier auch nicht mehr gerade an den bestimmten Tag gebunden sein dürfte, den Umstand hervor, daß die Bibel selbst dies -widerlege, indem sie im zweiten Dekalog, „wo sie mit dem njn “in geistig schon weiter gerückten, mündigen Geschlechte der Wüste spricht, die Begründung des Sabbath durch die Ruhe Gottes am siebenten Tage fallen läßt und dafür den Sabbath auf die Befreiung aus Egypten bezieht." Aber folgt denn die Feier des siebenten Tages aus der Anlehnung an die Befreiung? Aus der Verbindung des Sabbath mit der Ruhe Gottes am siebenten folgt sie, und hat die Bibel die Verbindung fallen lassen, warum sie wieder gegen die Bibel Herstellen wollen? Ueberdieß läßt sich Herrn Gosen einfach erwiedern, daß wenn die Bibel selbst in Rücksicht auf die vorgerückte Volksbildung in der Wüste schon einen solchen Fortschritt gethan und die symbolische Umhüllung des Sabbath hat fallen lassen, sie sicherlich in Rücksicht auf die noch weiter vorgerückte Volksbildung der Gegenwart einen dieser angemessenen größer» Fortschritt und daher auch die Verlegung nicht mißbilligen werde. Die Vernunft, meint Herr Gosen, sage uns, daß wir mit Gott nicht durch körperliche Ruhe, sondern nur durch geistige Weihe in Verbindung treten können und damit stimme auch die Schrift überein, indem auch sie die Ruhe nur als Mittel, die Heiligung aber als Zweck will." Daß die Schrift mit der Vernunft in der Wahrheit, daß für den Menschen nur eine geistige Verbindung mit Gott möglich sei, vollkommen übereinstimme, ist unbestreitbar wahr. Rur irrt He^r Gosen mit so vielen Andern wenn er meint, daß die Schrift um das mit der Vernunft Uebereinftimmende zu wollen, dasjenige wollen müsse, was für den Menschen der Gegenwart vernünftig ist. Gerade das Gegentheil ist wahr. Weil die Schrift nur vaS Vernünftige will, so konnte sie für ihre Zeit auch nur das wollen, was für die Menschen ihrer Zeit vernünftig war, nicht aber das, was wohl für uns in der Gegenwart vernünftig ist, aber für ihre Zeit unvernünftig gewesen. Wollen wir also schriftunv vernunftgemäß handeln, so müssen wir nach dem Geiste der Schrift forschen, was sie für uns in unserer Gegenwart vorgeschrieben hätte, gewiß nur das für uns Vernünftige, indem Alles, was sie für ihre Zeit vorschreibt auch für ihre Zeit vernünftig war. Wollen wir unS daher nicht selbst täuschen, so müssen wir eingestehen, die Schrift will für ihre Zeit die Ruhe als Zweck, weil diese für die symbolische Religionsanschauung ihrer Zeit zugleich die einzig mögliche Weihe und somit auch das Allervernünftigste war, sie will aber eben so sehr für uns die Weihe und Heiligung als Hauptzweck, weil diese sür uns, die wie der symbolischen ReligionSsphäre entrückt find, wiederum das Allervernünftigste ist. Nur auf diese Weise können wir eine vollkommene Uebereinstimmung zwischen Schrift und Vernunft finden, unv diese Weise nennt man, die Schrift nach ihrem Geiste auffassen. S. Israelit des 19. Zahrh. 1845. No. 44. S. 393. Col. 2. Nach Gosen ergreift Heß das Wort. Der symbolischen Auf-

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