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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-12-27 · Heft 52 (27.12.1846) · page 10

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 52 (27.12.1846)
Date
1846-12-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
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LL8 10) Weil sie meines Mutter-Leites Thür nicht verschloß, und nicht verbarg Elend vor meinen Augen. 11) Warum starb ich nicht vom Muttcrschooße, aus dem Leibe gehend, warum verschied ich nicht? 12) Wesdalb kamen Knie mir entgegen? und was Brüste, daß ich sog? 13) Denn nun läge ich und rastete, schlief' — dann hätte ich Ruh': 14) Mit Königen unv Landcsräthen, die Grabmäler sich erbauen: 15) oder mit Fürsten, reich an Gold die ihre Häuser mit Silber füllen; 16) oder gleich vcrbprgrn^e'Kehlgcburt wär^ich.nicht, Kindern gleich^. die nie sahen das LO't.' 17) Dort, hören Frevler auf zu toben, und dort ruhen an Kraft Ermattete; 18) allcsammt rasten die Gefesselten, hören nicht des Drängers Stimme; 19) Klein und groß ist dort gleich, und der Knecht frei von seinem Herrn! Gedanken des Kapitels.— Wohl glauben Diele: Um sicher der Gefahr des Unglaubens zu entgehen, müsse man in religiösen Dingen Alles glauben. Aber hier wird durchs Beispiel gezeigt, daß eben wie diejenigen, welche an Vielgötterei glauben, doch eigentlich gar keinen Gott, so auch diejenigen, welche in religiösen Angelegenheiten viel oder Älles glauben, am Ende gar keinen Glauben haben; sie sehen sich in ihrer Abergläubigkeit, wie in ihrem Aberglauben bitter getäuscht, sie verzweifeln und fallen dem Unglauben, anheim. Hiob, fromm gottesfürchtig und gläubig verfällt so urplötzlich in die rasendste Verzweiflung; und diese hatte wahrlich nicht in seinem bösen Bewußtsein, in zerstörender'Schuld ihre Quelle, war er doch der Unschuldigste auf Erden (1,5) sondern sie' keimte-einzig und allein aus seinem unklaren Glauben über Gott-mK Schicksal. Er glaubte wie die ganze damalige Welt-)(s' Einleitung) man müsse Gott dienen, um von ihm sicher mit einem glücklichen Leben belohnt zu werden. Nun hat er Gott gedient und ist doch unglücklich! Denn alles, was im Himmel so klar vorbereitet worden (s Gedanken zu 1, 6 — 2, 13.) ward auf der Erde dunkel ausgcführt. Hiob empfand nur die heftigen Schmerzen, wußte aber nichts von dem höheren göttlichen Zwecke seiner Leiden; diese.waren ihm fortwährend ein unerklärliches Näthsel, welches den unschuldig Leitenden, mehr als alle äußere Schmerzen im Innern der Seele zum Klagen und Murren stachelt und drängt. Lange duldet Hiob und erttägt mit wahrhaft erhabener Entsagung das Schwere und Schwerste ohne daß ein vermessenes Wort über sein? Lippe kommt, aber durch die Nähe der Freunde, denen der Unglückliche so gern sein wundes in sich gekehrtes Herz mit allen seinen Zweifeln und Bitterkeiten aufthut, um nur desto mehr Trost und Miileid zu erregen, werden die Bande des düsteren Stillschweigens gesprengt, und der verbissene Groll, sich so sehr im Glauben getäuscht zu sehen, die mühsam zurückgedrängte aber nicht unterdrückte dichte Masse des Schmerzgefühles, stürzt zum erstenmal frei unv ungehemmt furchtbar und ungestüm, mit der Gewalt eines seine Dämme durchbrechenden, wild cinherfluchenden Stromes hervor. Die religiöse Stellung des weiblichen Geschlechtes im talmudischen Zudenthum, von vr. S. Holdheim (Schwerin, 1846, Kürschnersche Buchhandlung. Der Streit, welcher zwischen den Nationalisten und den spekulativen Theologen und resp. der sogenannten linken Seite der Hegelschen- Schule hinsichtlich des biblischen Christenthums geführt wird, ist jetzt auch in der Synagoge auch in Beziehung auf den Talmud ausgebrochen; nur mit dem Unterschiede, daß hinsichtlich des Rechtes und der Wahrheit das Verhältnis ein umgekehrtes ist. Während nämlich die Nationalisten bei ihrer Behauptung, daß das biblische Christenthum den Forderungen der Sittlichkeit und Humanität vollkommen entspreche, den Geist der biblischen Schriften, das, was von dem Stifter des Christcnthums selbst als die Grundbedingung der Religiosität hingestellt und was im Laufe der ganzen Geschichte von den edelsten Gliedern der Kirche als solches bezeichnet und im Leben bewährt wurde, für sich haben, die Junghegelianer hingegen sich an einzelne, meistens nur bildlich ausgedrückte Sätze klammern, um daraus den Beweis, daß das Christenthum gerade den Forderungen wahrer Freiheit und Humanität widerspreche, abznleiten; haben umgekehrt in der Synagoge diejenigen, welche das talmudische Judenthum als durchaus dem sittlich-geläuterten Bewußtsein der Gegenwart widersprechend finden, in dem ganzen Geiste des Talmuds, wie er sich in den gesetzlichen Institutionen manifestirt und auch von der ganzen Vorzeitgeschichte aufgefaßt wurde, ihre Gewahr, während die Apologeten des Talmuds zu agadischen Aussprüchen, oder edlcrn Ansichten Eirzelner, die aber auf die Gestaltung des talmudischen Organismus im Ganzen ohne Einfluß geblieben, ihre Zuflucht nehmen. Unter den Elfteren ist am schärfsten und freimüthigsten Holdheim aufgetreten. Es genügte ihm nicht durch Einzelnes jenen Widerspruch zu belegen, sondern er versenkte sich in die Grundanschauung des Talmuds, wDs das Separatistische und durchaus Inhumane in seinen Institutionen nach und zerstörte die

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