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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-12-27 · Heft 52 (27.12.1846) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 52 (27.12.1846)
Date
1846-12-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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414 rnuugen des Lebens wilder und aufgeregter reflcktiren, muß cs uns zu Gute halten, wenn wir über die Klüfte der Widerspruche, die unstreitig in seiner Anschauung liegen, nicht so leicht hinüber kommen und mehr nach Konsequenz streben, obgleich auch wir ihm gerne zugestcben, baß die Religion der Poesie und ihrer Wärme nickt ganz entbehren kann, um nicht zur Mumie der Reflexion zu erstarren, um nicht unter der Wucht von Konsequenzen und Abstraktionen zu erliegen. — Leider hat sich auch Stein Hinreißen lassen, in Betreff des Staatsdienstes S. Adlers Votum zu adoptiren, und „körperlich anstrengende Arbeiten, bei welchen ein Israelitc jede Woche den Sabbaih öffentlich verletzen müßte," von der Erlaubnis.auszunebmcn, nachdem er selbst doch erklärt halte, „daß die Betheiligung am Staatswesen uns als eine so heilige Pflicht erscheine, daß in Collisionvfälleu der Sabbath ihr weichen muffe." Bei Adler gründet sich diese Unterscheidung doch noch auf eine, wenn auch falsche Theorie. Bei Stein ist sie vom Zaun gebrochen, ohne innere Rechtfertigung. Und nun für dicßmal geung. Wenn die Redaktionscommission im Vorworte zu den Protokollen die Ucberzeugnng ausspricht, „daß nur bei der ruhiger gewordenen Betrachtung, bei der Einsicht in die Motive -das Unheil ein anerkennendes sein werde, so bin ich weit entsernt, mit Obigem dieser Ueberzeugung Abbruch tbun zu wellen. Die Anerkennung eines wackern Strebens und Ringens nach einer gründlichen Losung des Problems wird den Mitgliedern der Versammlung um so weniger versagt werden dürfen, je mehr cs siel» zeigt, wie die geistigen Kräfte sich abgcmüht haben, in den Ernst des Gegenstandes cinzudringen. Findet die Critik dennoch, daß dw Lösung ihr nicht überall gelungen ist, so wirst bas keinen Schatten auf die Bestrebungen der Versammlirng, so bestätigt es nur, was sie selbst so oft bekannt bat, daß hier ein vielfach verschlungener Knoten wäee, der, sollte er nicht und dürfte er nicht durchhanen werden mir dem Schwerte eines Machlsprnches, nur nach und nach entwirrt werden kann. Darum aber auch der Wahrheit die Ehre, und darum darf ich auch nicht fürchten, der Härte und der Zndl'screlion gegen meine Collcgcu beschuldigt zu werden. Ich weiß recht gut, daß tadeln leichter ist als besser machen, daß cs ein Anderes ist am Srndinische nachgrübelu und ein Anderes öffentlich reden. Rur darf. wer öffentlich auftrktt, auch nicht empfindlich werden, wenn ihm nachgewiesen wird, daß ihm etwas Menschliches begegnet ist. Oldenburg, im Nov. 1846. Geschichte -es Tages. Unser Witz, nicht unser Verkehr. / (Frankfurt a. M., im 3>c.) — Der Unschuldige muß viel leiden, das ist unser Trost, das ist, was uns aufrecht erhält in dein schweren Leid, welches das Geigersche Sendschreiben in Nr. 49 und 50 d. Bl. uns bereitet. Wir machten Witze, angebliche Witze, schlechte Witze, wir wären am Ende wohl gar Spötter, vor denen bekanntlich vor Jahrtausenden schon der Psalmist gewarnt; ach, sich dies sagen lassen müssen und dabei von seiner Unschuld überzeugt sein, das ist hart; wir wollen nicht murren, kater iu Vratislavla, aber die Strafe ist hart. Allein wir wollen es nicht wie die arme, blasse Louise beim Nichtmurren lassen, sondern einen Schritt weiter gehen, uns nämlich taut bleu que mal zu vcrtheidigen suchen. Wären wir reich an Witz', wie Rothschild an Geld, wir müßten gewärtigen, daß irgend ein unbekannter, feindlich gesinnter Satan gegen uns ganze Brochüren drucken ließe; wir müssen aber an Witz arm sein, wie eine Sy. nagogcninaus, wenn umgekehrt unser berühmter Freund, der wür. dige Präsident der hochwürdigen dritten Rabbinerversammlung es ist, welcher in einem nicht einmal an uns gerichteten kurzen Sendschreiben unser beiläufig Erwähnung thut. Es ist nur verwunderlich, daß wir nichts desto weniger eines solchen oou ens wegen selbst in diesen Blättern schon mehrfache Anfechtungen haben erfahren müssen, durch die Nedaction, aus Galizien, und nun auch von Schlesien her. Gewiß, niemand hat Ursache sich auf seinen Witz etwas zu gut zu thun, so wenig als auf seine schönen Augen, oder auf seinen kleinen Fuß; daru n darf aber vom Besitze derselben nicht gar Grund zu einem Vorwürfe hergenommcn werden wollen; im Reiche des Witzes können kommnnistische und socialistische Lehren nicht aufkommcn, kann das Proletariat den Besitzenden nichts anhaben. Schon das Thier ist darauf angewiesen , von den Waffen zum Angriffe wie zur Veriheidigung Gebrauch zu machen, welche ihm die Natur verliehen, und der Mensch sollte von einer geistigen Waffe, mit der ihn die Natur ausgerüstet, keinen Gebrauch machen dürfen; das wäre Unverstand. Ist der Ton unserer Correspondenzen wirklich ein witziger, so ist er darum lang noch kein unwürdiger, er ist ein uns natürlicher; wir

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