Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1846)
- Date
- 1846-12-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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413 gem Nebel ist, ich meine die Behauptung AdlerS, daß auch beim Staatsdiener „der vom Judcnlknme von jeher anerkannte Unterschied zwischen öffentlicher und nicht öffentlicher S a b bat dentweih u n g nicht zu übersehen sei". Also doch Entweihung! Also doch nur bei verschlossenen Tbürcn, wie ein verbrechen, soll er arbeiten dürfen! Und jenseits des Rbeins, wo Ocffentlichkeit der Gerichte herrscht — wie stehks da mit dem jüdischen Richter oder Beamten? Geb, mein Freund, gestehe es offen. Da habest Dich geirrt, Tu hast in redlichem Eifer einen Begriff retten und erhalten wollen, der nicht mehr zu retten ist. Und nun noch zum Schlüsse einen Blick auf Steins Votum. (Prot. S. 115 — i2i.) Soll ichs sagen, welchen Eindruck die schöne Rede Steins jetzt, da sie schwarz auf weiß vor mir liegt, auf mich gemacht, so ist cs der der reinen vorherrschenden Gemütblichkeir, des von einem heiligen Anliegen vollen und übersprndelnden Herzens im Kampfe mir dem Kopfe, im Kampfe mit der Welt. Das Gemnth will poniren und nur poniren, nirgends nehmen, nirgends aufrüttein und negiren, das Gemüth ruft ach und weh, wenn eine Schlacht geschlagen, wenn der Feind in seinem Verstecke angegriffen und verletzt werten soll. Darum bittet er, ja keine Theorie, ja keine Definition der Arbeit, denn die ist ihm immer zu eng, zu begränzt, zu ausschlicßend, darum zittert und bangt er bei dem Gedanken, die Versammlung könnte „fnr bestehende Dinge neue Unterlagen schaffen, ohne Roth und Grund neue Definitionen aufstcücn". Aber — der Feind lauert doch auch bei ihm hinter der Dhüre und weiß die Gemürblichkeit, die naive, unbewachte, zu überlisten. Er kann's seiner Vernunft nicht wehren und wchrts ihr nicht, ein Wort müzureden in der Frage, auf ihre Stimme zu hören, er ist bereit, ihr Zugeständnisse zu machen, nur muß sie sich mit Abschlagszahlungen begnügen, muß fricdsam und gcfügsam sein. Er will ihr Gehör geben so lange sie an den Einzelheiten des Talmudes und der Tradition — die jedoch auch er in der Sabbatbfiage respeklirl und sich mit ihrem Begriffe einverstanden erklärt,' weil ihm hier das Wort der Tbora dunkel ist — ihren Zahn wetzt, aber beim Worte der Tbora soll sie stehen bleiben. „Hier spricht ein Göttliches zu mir, vor dem ich mich beuge, hier tritt die Autonomie meiner Vernunft zurück." „Wer ist im Rathe der Gottheit gesessen, um zu behaupten, der Sabbath sei bloß für die frühere, nicht auch für unsere Zeit als Ruhetag eingesetzt"? Freilich kann er sich auch hier ihrem Einflüsse nicht ganz entziehen, drängt ihn die Erkenntniß, auch ihr nicht Alles dem Buchstaben und dem flachen Worte nach zu glauben. Tie Schrift sagt, der Sabbath sei eingesetzt zur Erinnerung, daß Gott die Welt in sechs Tagen geschaffen, am siebenten Tage aber geruht habe. Tie Vernunft und die Wissenschaft jedoch sagen, daß dem nicht so sein könne und Stein ist aufrichtig genug, ans dieses Veto zu hören, er verwandelt die Schöpfungstage in Zeiträume und laßt die Thora mit uns reden in menschlicher, kindlicher Weise. Wurde man ihm nun entgegnen, die Tbora habe auch anderwärts in menschlicher, kindlicher Weise geredet, habe das Gebot der Ruhe zu einem abstrakten, starren gemacht, weil's der damalige rohe Zustand des Volkes so erfordert habe, könne aber vernünftiger Weise nur die Ruhe meinen, die zugleich einen sittlichen und erbebenden Charakter habe, könne nur solche Arbeiten verbieten, die anstrengend oder von der Feier abziehender Natur sind, so würde er das ein Uebergreisen der Vernunft nennen und bat es so genannt. Wie gesagt, wir dürfen mit Stein über solche Unklarheit nicht allznstreng rechten. Zn ihr lebt und treibt ein Geist frommen, gemüthlichen Wollens und Ansgleichcns und wo ibn die Spitzen der schroffen Gegensätze aufstacheln und verwunden und wo der nackte, kalte Verstand zu keiner Vermittlung gelangt, da greift er in die tönenden Saiten der Poesie und lullt die Einsprüche und Widersprüche ein. „Das Heidenthum konnte keinen Sabbark haben, seine Gottheiten, die Natur und ihre Kräfte, ruhen nicht irojp vb, womit er den Spruch des Talmuds vergleicht, nrvo 3”n rosr# nfzy und ihm das Harr--, Krasse abstreifen will. Solche und ähnliche Ausspruche haben ihre praktische Berechtigung, nur darf der rauhe Wind der Eritik nicht darüber fahren, denn diese wurde fragen müssen: ruhet denn unsere Gottheit ja? Ist nicht auch sie immerfort tbärig? mauisestirt sie sich nicht jeden Tag in der Natur und ihren Kräften? Sagts nicht die Schrift selbst also: rsr” jöi cu» jo run broL" —? Und so mag er denn auch mir uns Andern nicht rechten, wenn wir uns von seinen Vorschlägen nicht überall bestimmen lassen, wenn wir zuweilen einen andern Spiegel haben, in welchem sich die Strö-