Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1846)
- Date
- 1846-12-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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411 mir die entfernteste Andeutung in der Bibel, die diese Erklärung und Ausbeutung des Bibelwortes rechtfertigt? Wer hat es Einhorn offenbart, daß das Verbot des Feueranzündens ein Repräsentant aller übrigen ist, und nicht ein ganz bestimmtes, und für sich selbst redendes? Steht man einmal aus Sette der Symboliker, auf welcher Einborn stebt, so kann man nicht in Verlegenheit kommen, für dieses spccielle Verbot eine Bedeutung zu finden in der reichen Vorratskammer der Symbolik, ohne ihm eine solche Ausdcbnung zu geben. Das Feuer in den Häusern konnte leicht zum Opferfeuer werden, konnte leicht zu Opfermablzeiten außer dem Tempel führen, was durchaus verbmet werden sollte. Ich bin weil entfernt, auf diese Deutung zu gehen, sie soll nur in Reihe und Glied stehen neben den vielen andern, um zu zeigen, wie viel sich vermuthen, wie wenig sich beweisen läßt, sobald man zwischen den Zeilen lesen will. Das mysteriöse Verbot siebt nun einmal als abgeris, scn, abgebrochen, ohne warum? in welcher Beziebung? Ob cs als Vorbereitung zu schweren Arbeiten aufzn» fassen ist? Ob es die Tbatigkeit für den Bau dcrSu'ftslfftttc Unterbrccherk wollte? Ob es jedes Kochen und Backen untersagen sollte? Ob cs noch weiter reicht und jedes unschuldige Lichtlcin aus den Häusern Israels am Sabbatbe verpönt? Ich weiß cs nicht und gestebe meine Unwiffenheit. Aber Eines weiß ich und babe dessen keinen Hebt. Ist das Verbot wirklich ein allgemeines, unbedingtes, so kann es jedenfalls nur ein locales sein, das seine Rotbwendigkeit in Umstanden hatte, die durchaus nicht mebr vorhanden sind. Wir müssen Feuer in unseren Wobnnngcn baden auch am Sabbatbe, sonst wärs kein Sabbatb, sonst wärs ein Tag finstern Ungemachs, bitterer Entbehrungen. Die zwingende Gewalt der Rothwendigkeit bat daber jede specielle Anwendung jenes Verbotes ans unsere Sabbathfeicr aufgehoben, denn die Ausflüchte welche gemacht sind, um cs doch noch aufrecht zu erhalten, sind — Ausflüchte, und wenn schon die Talmudisten der strikten Anwendung dieses Gesetzes ansgewichcn siird durch den Grundsatz -npn tox nn D’^n ton — die Menschen sind als Kranke zn betrachten in Betreff der Kälte — so müssen wir diese Anwendung nur so mehr ablebnerr und uns nicht mir 'Ausflüchten und kindischen Spielereien bchclwn wollen. Tann kann uns aber riese Vorschrift überhaupt kein Repräsentant sein rrnv aut wenigsten ein Repräsentant des Producircns. Hier gibt es nur eine Wabl, entweder Buchstabe oder Geist entweder Karäer, oder die Erlaubniß, Licht anzuzünden in unfern Wohnungen, so weit es nicht unter die Rubrik der Arbeit fällt. Wie Einborn das Verbot anffassen und anwenden will, wird cs ein neues Schreckbrld für die Gewissen, eine neue Protestation gegen jede vernünftige Ausübung des Sabbachgebotes. Ich babe eben S. Adler genannt und will darum für dicßmal noch auf sein und seines geistesverwandten, Steins Votum eingehen, muß mich aber im Interesse der Kürze auf wenige gedrängte Bemerkungen beschranken. S. Adlers Votum (vcrgl. Prot. S. 56 ff. und S. 202 ff. —) ist eine solche Mosaik, ein solches künstliche Gefüge von Syllogismen, daß ihm das Verdienst der Originalität nicht abgesprottwn werden kann. Ein Denker und Theoretiker wie er, kanns gewiß nicht lassen, eine Theorie des Sabbatbs sich zu schaffen, und er schafft sich eine, so sein, und scharf und spitz, daß sie — am Ende die Spitze gegen sich selbst kehret und im eignen gesunden Fl eisen e wntbet Mit Einhorn und teils auch mit Holtheim gemein bat er die Behauptung, daß der Sabbakb Symbol sei und zwar Symbol der vollendeten Schöpfung der Welt durch Golt, einer Welt, die nichts wahrhaft Böses, keine Mängel und keine Gebrechen cnlbält, welche symbolische Bedeutung das Erbebende, das Heiligende und Beseligende der Sabbatbrube sei; und ferner, daß das Verbot der Produktion als die Kategorie dieser symbolischen Ruhe gelte. Ueber diese Annabmen kein Wort weiter! S. Adler gebt jedoch noch weiter und u'iLl an dem weit ausgebegten Begriff des Sabbats, den uns die Tradition überbracht hat, zum 'Apologeten werden. Tie Schrift sei dunkel, lagt rr, wo aber die Schrift dunkel, da müssen wir die lebendige und klare Tradition benagen, wie er es überhaupt bedauern muffe, daß mau immer nur vou den beiden Polen Mesaiem. und Talmudism. spreche, die dazwischenliegende gioße Kette der Tradition aber, welche beide miteinander verbinde und einige, ganz nbersebeu werde. Bleiben wir bei diesem Unterbau der ganzen Tbcon'e stehen. Tie Schritt ist tiinkel! Ist sie es denn aber an sich, oder ist sie es erst dadurch, daß wir zuerst das Licht des VeiständN'ffes auslöschen und dann sagen, da, da ists ja dunkel.' Wenn die Schrift ausspricht: Sechs Tage darfst du arbeiten und alle