Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1846)
- Date
- 1846-12-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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4TO Lassen wir einen Augenblick noch die Kategorie | der Produktion unbeleuchtet und seben uns bloß die Motivirung Einborns an, so unterscheidet sie sich von der Holdhcimischen darin, daß sie der symbolischen Be deutung noch volle Gültigkeit für unsere Zeit zngestebt. Hiergegen sträubt sich, wie Holdheim richtig bemerkt, unser Religionsbewußtsein. Der Zusammenhang des Dogma's von der Schöpfung in se.l's Tagen — auch abgesehen davon, daß der heutige Standpunkt der Wissenschaft die biblische Darstcüun g der Schöpfung nicht gelten lassen kann, und daß cs verkcbrt wäre, die Erhaltung der Religion an einen Glauben zu knüpfen,den die Wissenschaft, den die Vernunft pcrhorrcscirt — ich sage, der Zusammenhang dieses Glaubens mit der Sabbathruhe ist unserer Denkweise so durch und durch fremd, daß ein Verbot, das keinen andern Grund als eben nur diesen Zusammenhang für sich hat, im Interesse der Religion selbst wo nicht gänzlich verlassen werden, so doch seine Rigorosität aufgeben und anderen Rücksichten und Gründen weichen mußte. Ist auch nicht znzugeben, daß wir aller sinnbildlichen Darstellung religiöser Wahrheiten entbehren können, so müssen wir doch das zugeben, daß cs nur Krücken und Brücken sind für die Religion, die auch und besonders dann entbehrt werden können, wenn.das Leben sie abzuwerfcn fordert. Ferner muß Zeichen und Gezeichnetes eine über allen Zweifel erhabene Wahrheit darstellen und nicht, wie hier, einen Glauben, der selbst wiederum nur ein Sinnbild ist. Ter Mensch soll am siebenten Tage ruhen (Zeichen —) weil — Gott am siebenten Tage geruht hat. (Bezeichntes —). Aber die Ruhe Gottes ist selbst wiederum nur ein Symbol, eine Einkleidung der Wahrheit, daß er Schöpfer ist. Ich sage, ein Verbot, das auf solcher Toppcikl ücke einher hinkt, bar allerdings für uns seinen Halt verloren und darum schon würde die Untersagung einer Tbätigkeit, bloß weil sie Produktion ist, für uns keinen Anspruch auf Geltung machen können. Allein es bat mit dieser talmudischen Bescherung, ich meine die Kategorie der Produktion, noch eine ganz andere Bewandlniß. Wo Leben ist, da ist Bewegung, da ist der Produktionstrieb thän'g. Und vollends es dem Menschen sagen, er dürfe zu irgend einer Zeit nicht produciren, heißt der Uhr seines Geistes Stillstand gebieten, ihm den Lebenstricb nehmen. Von einem Verbote der Produktion an sich kann daher überall nicht I die Rede sein, sondern nur von einer Arbeit zum Zwecke der Produktion, wie denn auch die Tbora überall nur die Arbeit verbietet. Ter Talmud hat insofern mit richtigem Takte diejenige Produktion, die keine Arbeit heißt, als in dem Verbote nicht mit einbegriffen erklärt. Ware die Production an sich das entscheidende Moment, weil gegen das Symbol streitend wie Einhorn will, dann mußte vor Allem, ein Schaffnngsakt untersagt sein, den ich nicht näher bezeichnen will, der aber im Talmud am Sabbathe nicht nur für erlaubt erklärt, sondern sogar empfohlen wird. Ta kehrt nun aber die Frage zurück: was beißt Arbeit, wodurch unterscheidet sie sich von der erlaubten Thätigkeit? und es versteht sich von selbst, daß darauf nicht wiederum gesagt werden darf, arbeiten heißt prodnciren. Wir kommen daher mit dieser Kategorie um keinen Schritt aus der Easnistik heraus, sie läßt uns überall rathlos, wo wir sie als die Sybille des Alterthumö befragen. Warum also nicht diesen Rcbel und Dunstkreis, welchen die Symbolik um den Horizont der Sabbathfcicr gezogen bat, verlassen, .und uns in die Lichtregion einer vernünftigen Auffassung des Gesetzes flüchten? Ist arbeiten verboten —- nun gut, jeder vernünftige Mensch weiß, was arbeiten in der Sprache des Lebens heißt, weiß auch was ruhen im Gegensatz zur Arbeit ist. Hätte uns der Talmud nicht die Sprache verwirrt, wir würden uns nicht weiter streiten über das, was in dem Verbote inbegriffen sei und was nicht. Aus dieser Verwirrung wollen wir ja eben aber heraus und da ist uns wahrlich nicht gedient mit einer geistreichen Anwendung und Erklärung des talmudischen Begriffes, wie Einhorn sie uns bietet, wie vor ihm ein Anderer, S. Adler, sie versucht hat. Doch halt! Da ist noch ein ominöses Sätzchen in dem Votum unseres Freundes zu lesen, das ich nicht unangefochten durckschlttpfen lassen kann. Das Sätzchen lautet: npn DD’DD^D ‘pro wx (ihr sollt kein Feuer anzünden in allen euren Wohnungen) dieses erscheint als Repräsentant aller producirenden Tbätigkeit. Einhorn ist ein feiner po1?. Er kennt nicht bloß den Talmud, sondern weiß auch in dessen Aussprüche Sinn und Witz zu bringen. So hier. Die talmudische Behauptung myan nii&T soll durch diese Wendung, aber freilich nicht im Sinne des Talmuds, zum Criterium des Arbeitsverbots werden. Aber wiederum fragen wir: wo ist