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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-12-20 · Heft 51 (20.12.1846) · page 11

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 51 (20.12.1846)
Date
1846-12-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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215 folgenden Blätter, welche der Bekämpfung der ersten Sternfchea Vorlesungen gewidmet find, unsre Leser bekannt machen, und uns nur gestatten, das was wir dagegen zu erinnern haben, gleich daneben in eingeschalteten Sätzen anzubringen. Der erste Vorwurf, den der Verfasser der Reform des vr. Stern macht, ist, daß fie von ihm als einem Laien auSgegangen. Eine positive, historische Religion sei eine Wissenschaft, wie jede andere, die der Reform, der Verbesserung, der Vervollkommnung fähig und auch bedürftig sei; um aber im Bereiche der Religion solche Verbesserung zu gründen, müsse man genau wissen, wie das, was gegenwärtig da sei, entstanden und sich mit der Zeit und durch verschiedenartige Verhältnisse gebildet habe. (Das ist schon wahr! Aber wenn auch die Berliner Reformbewegung von Laien ausgegangen, so hatten riese doch nur darauf sich beschränkt, das auszusprechen, was in ihrem, wie in dem fortgeschrittenen Bewußtsein aller deutschen Juden, zur tiefen Ueberzeugung geworden; die Lebendigmachung derselben, „die Erneuerung des Judenthums in derjenigen Form, in welcher es in ihnen und ihren Kindern fortzuleben fähig sei" wollten sie ja, wie sie in ihrem ersten Aufrufe sagen, einer zu berufenden Synode überlassen, und wie wenig jene Laien sich selbst das Recht zur Reform ein« räumen, haben sie später sattsam dadurch bewiesen, daß fie zu ih.ein Geistlichen Herrn Holdheim gewählt haben, dem unser Verfasser selbst einräumet, daß er den von ihm bezeichnctcn Weg verfolge.) — Der Verfasser bestreitet nun die Behauptung des Dr. Stern, daß das Judenthum eine weltgeschichtliche Ausgabe habe. Aus seinem 2000jährigen Bestehen folge jenes nicht; dGn dieses habe u. A. seinen Grund darin, daß das Judenihum mit den veränderten Zeitverhältnisscn auch stets seine Formen geändert, daß das Volk fich erhalten, weil es vereinzelt da stand, und ein Halm sich beuge, während die Eiche stürze; daß der Druck elastisch mache und die Beharrlichkeit zu höherem Grade stärke. Habe denn die Eiche, die zweitausend Jahre allen Stürmen trotzte, dieser langjährigen Erhaltung wegen eine andere Aufgabe zu erfüllen, als die, in ihrem Umkreise Schatten zu geben; habe das Christcnkhum, das nun 2000 Jahre bestehe, deßwegen eine weltgeschichtliche Bestimmung zu lösen; haben fie die heidnischen Religionen, die älter seien als das Judemhum? (Man sieht, der Verf. deutet hier schon seine Grundanficht an, wornach das Judenthum allein seinem Wesen und seiner Erscheinung nach volle göttliche Wahrheck sei, während alle übrigen, die früheren sowohl als die noch bestehenden Religionen keinerlei Mission hätten, als zu zeigen, daß die Wahrhert immer nur bei einem sehr geringen Theile der Menschheit gewesen. Wir möchten aberfragen, welche Ansicht mehr mit der Gerechtigkeit Gottes und seiner Erziehung des ganzen Menschengeschlechtes übereinstimme, die separatistische unhistorische des Verfassers, oder die universelle, von der neuesten Wissenschaft verkündete, des vr. Stern, woinach das Judenthum seinem innersten Wesen nach allerdings das Höchste der Wahrheit sei und eine weltgeschichtliche (und mit seinem Gedanken weltbeherrschende) Aufgabe habe, die aber in Beziehung auf die nicht christliche Welt auch dem Christenihum und im Verhältniß zu der von allem religiösem Bewußtsein noch leeren Welt auch den heidnischen Religionen zugesprochen werden müsse.) Gegen die Bemerkung des vr. St.: „vas Judenthum erkannte in der That des Christenthums den Anfang des Werkes, zu dem es selbst -berufen war, aber es durfte das Christenthum selbst nicht anerkennen", wendet der Verf. ein, daß das heutige Christenthum ja nicht das des Stifters wäre, daß dieser vielmehr sich nur berufen glaubte, die jüdische Religion, der er ja selbst angehörte, zu reformiren. Allein der Verf. übersieht, was die neueste geschichtliche Ansicht so klar herausstellt, daß es gar nicht darauf ankomme, was Jesus selbst gewollt, sondern, was die christliche Gemeinde (allerdings an ihre IIeberliefernagen von seiner Lehre knüpfend) als ihren Glaubensinhalt ausgenommen und der heidnischen Welt zugängig zu machen gestrebt hatte.) Mit der Behauptung der dritten Vorlesung, daß die Gottes» crkenntniß des Judenthums der absolute und ewige Inhalt einer jeden wahren Religion sein müsse, sei die weitere unvereinbar, daß das Christenthum berufen fei, das Heiventhum im Namen des Judenthums zu überwinden und der Gcttescrkenntniß desselben theithafrig zu machen. DaS Christenihum solle demnach der Bote, der Apostel des Judenthums sein. Gegen diese Schmeichelei möchte man sich mit aller Gewalt auflehnen. (Worin jener Widerspruch, bestehe, ist eben so wenig zu begreifen, als daß die Bezeichnung ..des Christcnthums als Botk und Apostel des Juden« thums eine Schmeichelei sein solle). — Ganz entrüstet wird nun Lb/r der Vers, zum Schluffe über folgende Aeußenmg in den Sternschen Vorlesungen: „Deutschland hat zwar die volle bürgerliche Gleichstellung der Bekenner des Jurrnthuins mit ibrcn christlichen M.tbürgern noch nicht ausgesprochen, aber alle Zugeständnisse, die bereits nach dieser Richtung hin gemacht wurden, sind nicht nur Produkte des allgemeinen politischen Fortschrittes, sondern auch der wachsenden religiösen Achtung vor dem Judcnthum, ein Produkt der gegenseitigen Annäherung, welche durch die Reformation und seit derselben nicht nur zwischen den Bekenner» des Christenthums und Judenthums, sonder» zwischen diesen beiden Religionen selbst stattgefunden hat. Deutschland ist der Boden, auf welchem das Juventhum fich zuerst diese Anerkennung erringen muß, vermöge deren ihm der Eintritt in das Leben der

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