Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 51 (20.12.1846)
- Date
- 1846-12-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Literatur-Blatt zum Israeliten -es 19. Jahrhunderts. Enthaltend: Abhandlungen, Aufsätze, Recenfionen, literarische Aphorismen rc. re. für die gesammte höhere Wissenschaft des Judenthums, und unter Mitwirkung von Geiger, Holdheim, S. Hirsch, Jost, Rießer, Herzfeld, Wechsler, Maier, Rebenstein, Stern, Dukes, Adler und vieler anderer Gelehrten redigirt und herausgegeben von Dr. M. Heß, Großherzogl. Weimarschem Land-Rabbinen in Eisenach. 51. Sonntag den SO. Deeember 18-16. I. Jahrgang. Kurze Anzeigen und Kritiken. (Fortsetzung.) Ein Umstand ist noch diesen Borträgen sehr zu Statten gekommen. Wirmeinen, daS verspätete Erscheinen derselben. Der Verfasser sagt selbst in dem Vorworte darüber: „Ich erlangte dadurch größere Muße, die bereits vor sechs Jahren gehaltenen Predigten nochmals aufS genaueste zu revidiren und nicht nur Wort und Ausdruck sorgfältiger zu prüfen, sondern auch Alles auszuschciden, was mir im mündlichen Vortrage zu weit ausgesponnen zu sein schien. wobei die Rede weit kürzer, die Diktion weit reicher wurde und auf diese Weise der Leser an Gedanken gewinnt, was er an Worten verliert." Und wer da weiß, daß der sonst mit Recht gefeierte Verfasser in seinen Vorträgen hie und da von einer gewissen Flachheit des Gedankens, von einer gewissen Weitschweifigkeit der Rede, von Künstelei und Liebäugelei mit den Zu» Hörern und Zuhörerinnen sich nicht frei zu halten weiß, wird sich doppelt mit i'enen Vorträgen freuen, in welchen von diesen und besonders den ersten zwei Eigenschaften weit wenignl' wahrzunehmen ist. — Aber Eines, worüber das denkende'Publikum im Stillen dem Verfasser zürnt, erlauben wir uns, ihm geradezu herauszusagen. Es ist: daß er es nicht für eine unablässige Pflicht zu erkennen scheint, über die Zustände des heutigen Jndenthums, über die Kämpfe der Parteien, über ihre «^chattirungen, überhaupt über das reichbewegte Lebe» der Gegenwart zu seiner Gemeinde zu sprechen, und ihnen ein klares Licht darüber zu geben. Wer die Predigten des Verfassers hört oder liest, und was viel sagen will — selbst die, welche er in Braunschweig, Frankfurt a. M. und Breslau zur Zeit der Rabbinerversammlungrn dort gehalten, glaubt in obiger Beziehung, eine Stimme aus dem Grabe zu hören, in die Friedländerische — Jakobsohnische Zeit zurückversetzt zn sein, wo von Kämpfe« und Bewegungen inmitten der Gemeinden selbst und im Schooße ih-er Leiter und Rabbinen noch nichts zu verspüren, und die Aufgabe des Predigers darauf beschränkt war, im Allgemeinen sich gegen Ceremouienvergötterung auszissprechen, und auf den sittlich-humanen Gehalt der jüdischen Lehre hinzuweisen. Damit ist es aber iir der Gegenwart nicht gethan. Sie verlangt Höheres von dem Religionöprediger, daß er mitten in ihr seinen Standpunkt nehme, daß er ihren großartigen Lebensproceß wissenschaftlich miidurch. gemacht und das belehrende Wort von der Canzcl vorzüglich dazu verwende, auch seine Gemeinde in dieses Leben hinein und darin zurecht zu führen. — Aus diese Weise nur nimmt die Predigt eine fruchtbringende Siellunz in der Geschichte der Zeit und der Religion ein, — und dieses Requisit sollte man am wenigsten bei einem Manne vermissen, dessen Schüler wir jüngeren alle sind und dessen Lcitzuigen wir in vieler andern Beziehung noch immer als musterhaft anerkennen.; N. a ch. s ch r : i f t. ■ i:. Nachdem wir dieses geschrieben, kamen uns folgende zwei Predigten des. Verfassers zu: : 1) Die Aufgabe des heutigen Israels auf dem Gebiete des Lichtes und der Wahrheit. Eine in der großen Synagoge zu Breslau am 25. Juli gehaltene Predigt. Breslau, 1846. Bei Leopold Freund. 2) Die Entweihung des göttlichen Namens in Wort und That, ein ernstes Wort zur Beherzigung für Ellern uns Erzieher, gesprochen am 12. Sept. 1v46. im neuen israelitischen Temw pel zu Hamburg. Daselbst bei Halberstadt. Wir müssen aber, da der Raum unseres Blattes eine größere Mittheilung nicht zuläßt, uns damit begnügen, sie als den vorzüglichsten des verehrten Redners sich anreihend zu bezeichnen unv