Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 51 (20.12.1846)
- Date
- 1846-12-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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403 Es bleibt allerdings merkwürdig, daß zu einer Zeit, wo Oeffentlichkeit die Losung ist, der jüdische Vorstand in Altona aus sei. nem Budget ein Geheimniß macht. Will das Altonaer Vorsteher- Collegium etwa hinter dem Hamburger nicht Zurückbleiben? Zurückbleiben ist ja sonst seine starke Seite! — Doch für heute ist es wohl genug. Ich hoffe Ihnen künftig fleißiger schreiben zu können. A. Fortschritte in Oberschlcsien. CI (Natibor, im Nov.) — Wenn der Grund, daß Ihnen bisher wenig oder gar nichts aus unserer Gemeinde mitgetheilt wurde, darin lag, daß dieselbe in ihrem alten Schlendrian dahinschleichcnd nichts Meldenswerthes darbot, so ist dieser Grund nun wcggrfallcn, und ich freue mich, Ihnen in dieser Beziehung so Manches mitzuthcilen. Was fürs Erste unfern Rabbiner betrifft, so ist derselbe ein freisinniger Mann, der unsere Gemeinde gewiß schon längst auf eine höhere Stufe religiöser Erkeniuniß gebracht hätte, wenn diese selbst ihm nicht auf der einen Seele durch uubezwingbarcu Zndiffcrentismus, auf der andern durch den starrsten aus Fanatische grenzenden Formglauben ein stetes Hindernis in den Weg gelegt hätte. In neuester Zeit nun, wo eine jüngere Generation Platz gewonnen, welche dem erquicklichen Gottesdienst zu Breslau und andern großen Stadien oft genug beigcwohnt haben, um den Natiborcr höchst unerbaulich zu sinden, ist endlich ein Verein für die Verbesserung und Hebung des Gottesdienstes zusammcngetreten und mit ihm die Abschaffung vieler hier noch hausenden Mißbräuche in Aussicht gestellt. Dieser Verein hat es für seine Psticht gehalten, seine Eristeuz und sein Vorhaben Hrn. Lcvy — so heißt unser Rabbiner — mitzmheilen und, wie vor. auszusehen war, hat derselbe nicht nur nicht abgemahnt, sondern auch kräftige Mitwirkung versprochen. Bei der letzten Gemeinde- Versammlung ist auch die Wahl eines sebr freisinnigen und tüchtigen Vorstandes durchgegangen und wir können somit unfern religiösen Zuständen das günstigste Prognostikon stellen. Um Ihnen einen Beweis von der religiösen Unbefangenheit unsers Rabbiners zu geben, melde ich Ihnen, daß er — ein in Polen Geborner und Erzogener! — in seinen Funktionen als Religionslchrer am Gymnasium den Iesaias ohne Kopfbedeckung inttrpretirt. Sein Unterricht ist, da er der Sache vollkommen gewachsen ist, ein gediegener und fängt schon an, nach kaum einem halben Jahre, erfreuliche Früchte zu tragen. Aufforderung. Das erledigte Amt eines Landes - Rabbiners für die israelitischen Gemeinden in Mecklenburg- Schwerin ist spätestens Michaelis k. I. wieder zu besetzen. Diejenigen, welche sich um dieses Amt bewerben wollen, haben sich binnen acht Wochen bei den Unterzeichneten Commissarien in portofreien Zuschriften zu nretden und sich auszuweisen: 1) über ihren religiös-ffttlichen Lebenswandel, 2) darüber, daß sie mit einer Hattorah versehen sind, 3) daß sie ein deutsches Gymnasium besucht, 4) auf der Universität dem Studimn der Philosophie obgelegen haben, 5) mit den Grundsätzen der Pädagogik bekannt sind, und 6) daß sie zum Vorträge geistlicher Reden in deutscher Sprache die erforderliche Tüchtigkeit besitzen, und von sämmtlichen hierüber sprechenden Zeugnissen beglaubigte Abschriften beizubringen. Den Bewerbern wird, falls sie darauf antragen, ein Exemplar des Statuts für die kirchlichen Verhältnisse der hiesigen israelitischen Gemeinden zugestellt werden. Schwerin, den 2. December 1846. Müller, Geb. Kanzleiratb, Meyer, Scbulrath, als landesherrliche Commissarien im hiesigen iftael. Oberrathe. Vi Marcus, als Mitglied des isracl. Qbcrratheö. Zur Nachricht. Diejenigen Gemeinden oder Personen, welche gesonnen sind, sich Maschinen zum NlLQmachen für kommenden IlDD anzuschaffcn, wollen gefälligst ihre Bestellungen alsbald einschicken. Briefe, Erkundigungen bezweckend, werden franco erbeten. Cassel, im November 1846. I. B. P i ck a r d, Maschinenfabrikant. Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck vo. Fried. Kräve in Ogeubach.