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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-12-20 · Heft 51 (20.12.1846) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 51 (20.12.1846)
Date
1846-12-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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407 mehr. Wie er aber glaubt, Tertianern und Sekundanern die Religionsgegenstände in gehöriger Darstellungsweise beizubringen, ohne sich manche Blöße seines Unvermögens zu geben, ist eine Frage, die wir nicht zu entscheiden haben. Wie wir vernehmen, soll Hr. Grätz, dem es nicht gelingen will, aus dem Kampfe gegen Geiger irgend eine fette Pfründe zu tragen, die Leitung der zu errichtenden Anstalt übernehmen. Zum Schluffe will ich Ihnen noch mitthcilen» daß Herr vr. Geiger zur Weckung des wahren religiösen Sinnes ein sehr wesentliches, seit undenklichen Zeiten vernachlässigtes Moment in die Synagoge gebracht hat, nämlich die Erklärung der verlesenen Abschnitte der Thora am Sonnabend. Der allgemeine Beifall, den das Publikum Hrn. Geiger dafür zollt, beweist, welchem großen Bedürfnisse damit abgeholfen wird.*) Schulwesen in Hamburg «nd Altona. (Hamburg, im Nov.) — Mit den jüdischen Schulen in unserer Stadt wäre beinahe eine Veränderung vorgefallen, sie sollten nämlich unter dieselbe Aufsicht wie die übrigen Stadtschulen, denen eine Verbesserung höchst Noth thut, gestellt werden. Da indeß das Princip der projektirtcn Schulreform kein rein wissenschafiliches, sondern ein christliches ist; da ferner an den Schulinspekttonen kem Jude sich bctheiligen soll, die Examinatoren der Lehrer unv Schüler nur christliche Pastoren sein dürfen, mithin die Schulbehörde alle Betheilignug von Seiten jüd. Schul. Männer gleich von vornherein abweist: so hat der Vorstand der Gemeinde in einem energischen und sehr würdig gehaltenen Schreiben an den Senat auf diese Begünstigung Verzicht geleistet. Der Verein, der sich damit beschäftigt, die socialen Verhältnisse der Juden in Hamburg zu verbessern, bestehet noch und kann schon zwei christliche Mitglieder zählen. — Auch dieser Verein mußte es erfahren, wie breit sich die Orthodoxie jetzt wieder macht und wie sehr sie jede Bestrebung, eine gesellige Annäherung zwischen den verschiedenen Glaubensparteien hervorzurufen, schon im Keime zu ersticken sucht. Der Vorstand des Vereins hat nämlich mehrere arme Kinder in einer der H. Warteschulen unterzubringen gesucht. Flugs ließen einige Synagogen-Aufseher den Dater dieser Kinder vor sich laden, «nd, mit der Miene eines Großinquisitors bedroheten sie den armen von der Gemeinde abhängigen Mann, ihm alle Beneficia der Synagoge zu entziehen, '*) Aehnliches hat Hr. Stein zu Frankfurt a.M. eingeführt. Anm. d. Rev. falls er seine Kinder — 5 bis 6 Jahr alt — eine Schule Lesuchen ließe, wo sie vielleicht!!! aus einem trefenen Geschirre etwas efssm oder trinken, mit einem trefenen Messer Brod, eine Frucht oder sonst eine Speise schneiden könnten. — Wundern Sie sich nun noch immer, daß der Messias nicht kommen kann und will? Ich könnte Ihnen noch mehr dergleichen Fakta mittheilen, doch ich will auch einmal nach der Nachbarstast Altona schauen, und lauschen, was in der Nähe der zwei großen Lichter in Israel, der HH. Ettling er und En och vorgehet. Von dem kleineren Lichte zuerst. Es gibt Thiere, die nur im Schmutze gedeihen. Dazu gehört der Redakteur des treuen Zionswächters. Immer und ewig dieselbe Sudelei! Hat der Mann denn alle Scham und Scheu verloren, daß er in seinen Blättern alles Bessere und Edlere schmähet und in den Staub ziehe:? Was ist von einem Geschlechte zu erwarten, das von einem solchen Lehrer den ersten Religionsunterricht empfängt? Wie dauert mich die arme jüdische Jugend in Altona! — Das haben Sie wohl schon in andern Blättern gelesen, daß der Vorstand ohne Umstände ein Kind aus der jüdischen Freischule in Altona verwiesen, weil der Vater des Kindes gegen die strengen Sabbathgesetze zu handeln sich erlaubt. Einzig und allein aus diesem Grunde hat ras die Aufsicht über die Schule führende Collegium unter dem Präsidio des Rabbiners, dem übrigens sehr wackern und fleißigen Kinde — es ist ein Mädchen — den Zutritt zur Freischule verweigert. Der bessere unv vernünftigere Theil der Gemeindemitglicder, über dieses einseitige und mittelalterliche Verfahren ihres im Finstern wandelnden Hirten mit Recht empört, nihete aber nicht eher, bis daS Kind wieder in der Schule ausgenommen wurde. Ob der Vater in Sack und Asche Buße gethan und sich von dem Rabbiner eine Pöniten; verordnen ließ, ein vierzigtägiges Fasten, oder neun unv dreißig Geißelhiebe, oder so viel kalte Bäver und Begießungen, wie er Sünden gethan — das weiß ich nicht so genau anzugeben; ich weiß nur so viel; Es sei das Pfäfflein noch so klein: Es stecken tausend Teufel d'rein. — Bor Kurzem ging eine aus einem Altonaer jüdischen Arzte dem vr. M —s unv einem Kaufmanne Hrn.H — t bestehende Deputation nach Kopenhagen an den König, das Borstehcrkollegium förmlich verklagend, weil dasselbe fortwährend sich weigert über die Gemeinde - Einnahmen unv Ausgaben Rechnung abzulegen. Wie man aus sicherer Quelle weiß, hat der König die Deputation höchst gnädig ausgenommen, die vorgebrachte Klage mit vielem Interesse angehört und schleunige Abhülfe zugesagt.

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