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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-12-20 · Heft 51 (20.12.1846) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 51 (20.12.1846)
Date
1846-12-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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403 bald sehen, wie an dieser Klippe gar manches speculative Schifflein, das sonst mit Gewandtheit zu steuern weiß, scheiterte, wie mit einem Worte, die Gelehrsamkeit dem Erfolge der Tiscusston keinen sonderlichen Vorschub leistete. Es hat aber mit dieser Gelehrsamkeit, wo sie sich auf die h. Schrift als ihren Gewährsmann beruft, auf rein wissenschaftlichem Standpunkte, noch eine ganz cigentbümliche, schwierige Bewandniß, die ich jedoch hier nur flüchtig berühren kann. So lange wir uns auf das Meer der biblischen Cririk noch nicht hinaus gewagt haben — und das ist doch offenbar der Fall — so lange wir namentlich die fünf Bücher Mofes mit den naiven Augen der streng traditionellen Gläubigkeit betrachten, so lange ist es mit unfern wissenschaftlichen Deduktionen, aus der Bibel geholt, nicht weit her. Ein Beispiel möge diese Behauptung beleuchten. Heß stellt die Ansicht ans (Pwtok. S. 81 —) die dann auch Stein (S. 118) zu der seimgen macht und durch eine merkwürdige talmudische Erklärung erhärtet — daß unser göttlicher Gesetzgeber die Feier eines wöchentlichen Ruhetages schon bei den Israeliten angetroffen habe, da seiner ja schon in der Schöpfungsgeschichte -gedacht werde. Ists denn aber wissenschaftlich schon ausgemacht, daß die Schöpfungsgeschichte älter sei als Moses? Ist es nicht ein wahrer Cirkelschluß, den vormosaischen Ursprung des Sabbaths aus dem vormosaischen Ursprünge der Schöpfungsgeschichte beweisen zu wollen? Doch — es wird Zeit, diese allgemeine Betrachtung zu verlassen und auf die einzelnen Redner einzngeken. Ich beginne mit Holdheim, tbeils weil sein Votum am Ausführlichsten vorliegt, theils weil es am meisten 'Aufsehen gemacht hat, theils auch weil sich an ibm vielleicht schlagend danbun läßt, wie eine speculative Richtung auch dem schärfsten, klarsten Denker zum Irrgarten werden kann. Holdheim (S. 59 — 73) bekämpft das Eommissionsgntachten, das die Feier an die Spitze des biblischen Sabbathsbegriffes gestellt, und behauptet, „die ursprüngliche Sabbathidee im Mosaism. sei gewiß nur die Ruhe von irdischen Geschäften, das Aufhören von der gewöhnlichen Arbeit und nicht die tbätige Feier." Dieser Begriff, als ein bloß negativer habe aber, fährt Holdheim fort, noch an sich kein religiöses Moment. Er müsse also auch eine positive Seite haben, ja diese positive gerade die wichtige und überwiegende sein. Um diese zu „finden, hat man nur auf das zu achten, worin das Wesen der Zeit besteht, und welches das Ver- Kältmß Gottes zu ihr ist. Die Zeit ist absolute Bewegung, indem sie sich beständig foribewegt, negier sie sich unaufhörlich, so daß ihr Entstehen zugleich ihr Vergehen ist; sie wird beständig ein Anderes als sie ist; — — ja man kann sagen ihr Sein ist das Nichtsein, wie denn der gemeine Sprachgebrauch zeitlich für gleichbedeutend mit nichtig nennt. Tiefem Wesen gegenüber erscheint nun das Wesen Gottes als das wahrhafte Sein mrp, und eben damit auch als das sich gleichbleibende, absolut stete, unwandelbare, Wechsel- und bewegungslose Sein, das ist in der Sprache der sinnlichen Anschauung als die Ruhe selbst gegenüber der Bewegung als Unruhe. Soll demnach für die Anschauung, welche das Geistige und Göttliche in der Form des Sinnlichen anssaßt, eine Zeit als Gottes zeit bezeichnet werden, so muß diese Zeit als Ruhezeit erscheinen u. s. w. Das Ruhen wird ans diese Weise zu einer facrischen Anerkennung Gottes in seinem Verhältnis zur Zeit, zu einer Verehrung des Ewigen in seiner unendlichen Erhabenheit über alles Vergängliche, Wandelbare und Nichtige" So weit Holdheim. Auf den speculativen und philosophischen Gehalt dieser Ansicht will ich hier nicht weiter eingeben, nicht untersuchen, ob die Zeit sich wirklich negirt, indem sie sich bewegt, ob nicht der Begriff des Seins den der Bewegung notbwendig in sich schließt. Schelling und Hegel tragen bekanntlich den Begriff der Bewegung auch auf das Sein überhaupt, auch auf die Gottheit über, weil in der absoluten RuKe nichts liegt, weil sie am wenigsten der Inbegriff alles Lebens beißen kann. Kann man schon hiernach die sinnbildliche Darstellung der Gotteszeil als Ruhezeit antasten, so fragt sich noch mehr: ob der Mosaism. diesen Begriff kennt? oder von einer solchen Erhabenheit Gottes über die Zeit etwas weiß? ob er die Sabbatbrnbe als ein solches Symbol darstellt? und bieranf ist meines Erachtens mit aller Enlschiedenheit zu antworten, er kennt diesen Begriff, er kennt dieses Symbol ganz und gar nicht, beides ist ibm fremd und aufgedrungen. Ter biblische Gottesbegriff ist vielmehr der der absoluten Tbätigkeit in der Zeit, des Eingehens in sie, des Einwirkens auf ihre Gestaltung, der Offenbarung in der Schöpfung und in der Geschichte. Alle Goitesverchrung, oller Cullus, alle In-

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