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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-12-20 · Heft 51 (20.12.1846) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 51 (20.12.1846)
Date
1846-12-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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403 besten Ausschluß, und die diesjährigen um so mehr, I weil die Discussion fast ungekürzt und meistens nach den eignen schriftlichen Voten der einzelnen Redner ausgenommen worden ist — wodurch freilich dieselbe gebe!,nt und oft sich wiederbolend erscheint, ein Uebelstand, der aber nicht zu beseitigen war; — so fordern sie, nun an das Tageslicht getreten, die Prüfung heraus, die geäußerten Ansichten und Theorien weiter zu. erörtern, ihre Halt- und Unbaltbarkcit aufzudecken und so einer künftigen Wiederaufnahme der Frage vorzuarbeiten. Zn dieser Absicht habe ich die Protokolle sichtend durchgclcsen und stebe nicht an, meine Bemerkungen und Entwürfe den College» und dem Publikum mitzuthcilen, in der Hoffnung, daß noch andere und tüchtigere Kräfte dassclbe^hun werden. Aber freilich — ich bin in gewissem Sinne Partei und Richter zugleich da ich allerdings eine bestimmte Ansicht schon mitbringe und von ihr ausgehe bei der Critik, die daher auch als eine Rede pro domo gelten könnte. Das ist indessen bei jedem critischen Urrhcile mehr oder weniger der Fall und besonders bei so wichtigen Lebensfragen. Ta gibts keine unbedingte Parteilosigkeit. Der bedingten jedoch kann sich Zeder befleißigen, in so fern er in des Gegners Gründe so weit wie möglich eingcbt und sie für gleichberechtigt wie die seinigen hält, in so fern er überhaupt die Divergenz der Ansichten nicht auf die Persönlichkeit überträgt, wie es leider so oft geschieht. Von solcher Gehässigkeit weiß ich mich frei. Und nun zur Sache. Zuerst jedoch noch eine Bemerkung zur Vorbeugung von Mißverständnissen. Die Critik kann vornehmlich nur an der theoretischen Begründung ihr Amt üben. Jeder Redner hat nun wobl eine solche Begründung seiner Abstimmung vorausgeschickt, aber, wie nicht zu verkennen ist, nur in so weit daß die Abstimmung gerechtfertigt erscheint. Kein Redner hat daher seine Theorie vom Sabbathe ganz und erschöpfend dargelegt und noch viel weniger Worte und Satze streng wissenschaftlich abgewogen. Man wird daher auch in dieser Beziehung weniger Reckt haben, die Votanten streng zur Rechenschaft zu ziehen und für jedes Wort, im Flusse der Rede gesprochen, in Verhör zu nehmen. Vielmehr wird die Critik hauptsächlich auf die geäußerten Prinzipien einzugeben haben, und zeigen müssen, ob diese an sich richtig, und ob die daraus gezogenen Folgerungen wirklich daraus zu folgern seien. I Wer noch weiter gehen und Silben stechen und Worte klauben wollte, — welche Ausbeute würde er für den Tadel finden! Es wäre aber dann kein billiger Tadel mehr, sondern Tadelsucht, es wäre Verkennung des Charakters einer öffentlichen Discussion. — Wenden wir uns nach dieser Einleitung sogleich zu dem Nerv der ganzen Discussion. Tie Sabbathfrage läßt eine dreifache Lösung zu: eine speculative und dogmatische, eine rationelle und praktische und endlich eine fociate und politische. Keine dieser Seiten darf die andere ganz überflügeln, darf allein den Ausschlag geben wollen. Jeder gebührt ihr Antbeil an der Lösung und die Schwierigkeit liegt eben darin, für uns und unsere Zeit diese drei verschiedenen Gesichtspunkte so zu einigen, daß keiner vorwiegend bleibt. Ließ sich nun eingestandenermaßen diese Schwierigkeit nicht ganz bewältigen, so kam es natürlich auf die Individualität des Redners an, welcher Gestchtspunkt ihm der wichtigere schien. Dazu kam noch eine andere Schwierigkeit. Das speculative und wissenschaftliche Interesse der Frage mußte gerade den tüchtigsten Kräften der Versammlung zuerst sich geltend machen und somit der Schwerpunkt ihrer Reden werden. Dagegen wäre nichts einzuwenden, wenn nicht gerade die wissenschaftliche Feststellung der Bedeutung des Sabbatbs im Mosaism. und dem Prophetcnlhume so unsicher und schwankend wäre. Wir kennen nun einmal den Organismus des Alterlhums zu wenig, um mit Gewißheit sagen zu können, was dieses Glied in dem Organism. bedeutet habe, welche Gedanken sich daran geknüpft, welche heidnischen Vorstellungen dadurch bekämpft und negirt hätten werden sollen. Nun enthalten zwar unsere Religionsquellen manche Andeutungen und Winke dazu, aber sie reichen nicht aus, sie weisen bald auf die eine, bald auf die andere Bedeutung hin. Nicht einmal die beiden Decalogen motiviren das Sabbathgebot auf gleiche Weise. In dem einen ist die Erinnerung an die Schöpfung, in dem andern ists die Erinnerung an die Erlösung aus Egypten, durch welche das Sabbathgebot sich einführt. Die Hypothese hat daher ein weites Feld für ihren Wachstkum, aber — sie bleibt Hypothese, Anspruch auf unbestrittene Geltung hat sie nicht. Wie nun ans diesem Gewinde heraus auf die offene Heerstraße einer vernünftigen Praris — und das wars ja, was man erstrebte — gelangen? hie Rhodus, hic salta! Wir werden

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