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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-12-13 · Heft 50 (13.12.1846) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 50 (13.12.1846)
Date
1846-12-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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300 ftrte, den Beschlüssen der dritten Rabbinerversammlung, die Abschaffung der sogenannten zweiten Festtage betreffend Folge zu leisten, — die Tempelgemeinde zu Hamburg nahm nicht die geringste Notiz davon, ungeachtet schon vor dem Beginn der Feiertage in einer Predigt auf die Zahl der Mosaischen Festtage hingemiesen wurde. Zn einer Zeit von 21 Tagen — von 7>"ian gerechnet — wurden vierzehn Predigten gehalten, und die weiten Räume des in der That imposanten Gotteshauses faßten kaum die Zahl der Andächtigen. Zndeß ist die Predigt, und nicht das Gebet der Magnet, der das Volk in das Gotteshaus zieht. Das sollte der Verwaltung die Augen öffnen und sie zu der Ueberzeugung bringen, daß die Zahl der Tempelbcsucher keineswegs sich vermindern wird, wenn unverständliche Gebete den verständlichen, und geistlose Eercmonicn den mehr ansprechenden und zcitgemäßcrn Raum machen, was wahrlich sehr Roth thut. Wir dürfen indeß zu der Cultus-Commission, die bereits eine Neligionsschule ins Leben gerufen hat und seit Monaten damit umgehet, den musicalischen Thcil des Gottesdienstes zu heben, das Vertrauen hegen, daß sie, ihre Aufgabe erkennend, den Tempel - Cultus auf eine Stufe führen wird, daß er, wie cs vor zwei Zahrzehenden geschehen, allen übrigen Gemeinden zum Muster dienen kann. A. Kampf in Galizien. □ (Brody, im Nov.) — Habe ich Ihnen bisher über den geistigen und sittlichen Zustand der Juden in Galizien nur im Allgemeinen Einiges mitgctheiit und die ihren geistigen Aufschwung hemmenden Ursachen mehr in dem Mangel an thätiger Willenskraft der Erleuchteten einerseits und in der cigenthümlichen, fast unverwüstlichen Zähigkeit, mit der die Meisten an allem Hergebrachten festhalten, als in äußern Umständen nachge. wiesen, so erlaube ich mir nun auf die einzelnen Gemeinden einzugehen und durch die Veranschaulichung der einzelnen Gemcindcverhältnisse das allgemein Gesagte zu konstatiren. Sie werden bemerken, daß fast in jever nur ziemlich großen Gemeinde der Gegensatz des Neuen und Alten sich kund gibt und in dem zwar erst beginnenden geistigen Gährungsprozeß sich immer schroffer herauszustellen strebt, bis es endlich auch bei uns zu einem großartigen Durchbruch kommen wird, wie die religiösen Entwickelungen in Deutschland uns ahnen lassen. Die Zeit scheint zwar fern zu sein, wo man mit entschiedener Thatkraft auf die Ausgleichung der Lehre mit dem Leben dringt, aber die Ueberzeugung von dessen Notwendigkeit lebt mit voller Kraft in den Herzen vieler Individuen, die unmittelbar oder mittelbar zur Verbreitung ihrer gewonnenen Ueberzeugung auf jegliche Weise beitragen. Die geistigen Interessen der hiesigen Gemeinde sind trotz der Intelligenz vieler, namentlich junger Leute, noch sehr im Argen und dies hauptsächlich aus Verschulden des Vorstandes. Denn hier zu Lande vermögen die Vorstände sehr viel, wenn sie von warmem und redlichem Eifer für die Hebung des bessern Geistes belebt sind, wovon der Lemberger Vorstand am deutlichsten zeigt. Nun stehen aber hier an der Spitze der Gemeinde theils solche Individuen, die ihr Amt zum eigenen Vortheil verwalten, theils solche, die einem heillosen, verderblichen Zelotismus verfallen sind und sich zur Aufgabe gemacht, alle aufkeimenden bessern Kräfte niederzuhalten und die Gemeinde noch tiefer in den Schlamm des Obskurantismus zu versenken. Dies gilt namentlich von einem gewissen Nathansohn, der, ein Zesuit im wahren Sinne des Wortes, es durch schlaue Zntriguen so anzustellen weiß, daß die übrigen Vorstandsmitglieder sich von ihm gängeln lassen. Diese Leute lassen es sich angelegen sein, jede neue Wahl eines Vorstandes von vornherein zu hintcrtreiben, was ihnen hier um so eher gelingt, da cs vom Lichtpächter abhängt, die Wahl- und Stimmfähigen zu ernennen. Um der Oeffentlichkeit die schändlichen Zntriguen, die hier bei der Wahl eines Vorstandes statlsinden, aufzudecken, will ich hier von den beiden letzten Wahlen Einiges mittheilen. Das ehrenvolle Wirken des Lembergcr Vorstandes ermuthigte die hiesigen besser und freier Denkenden, einige orthodoxe und der Leitung der Gesammtintcressen nicht mächtige Glieder im Vorstand durch freiere und fähigere zu verdrängen. Es gelang ihnen wirklich einige Aufgeklärte unter die Wahlfähigen zu bringen, unter welchen sich Herr Schorr, eine literarisch berühmte dem Fortschritt zugethane Persönlichkeit befand. Als die Zeit der vorletzten Wahl herangerückt war, boten die alten Vorsteher Alles auf, um sich auf ihren Plätzen zu behaupten. Es gelang ihren Zntriguen, einen Menschen von niedriger Seele, zugleich aber von großem Einflüsse für sich zu gewinnen, der die andern Stimmfähigen für sie zu stimmen suchte. Trotz dessen fiel die Wahl zum Vortheil der aufgeklärten Partei aus und auch Hr. Schorr, von dessen reformatorischer Kraft wir Vieles zur Negenerirung eines neuen geistigen Zustandes zu erwarten haben, wurde mit bedeutender Majorität gewählt. Nun ging der Teufel los. Der gedachte niedrige Mensch verwendete sich bei dem Kreisamtpräsidium, dem es freisteht aus den Gewählten nach Gutdünken zu wählen, mochtenauch solche in be-

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