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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-12-13 · Heft 50 (13.12.1846) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 50 (13.12.1846)
Date
1846-12-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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3!>S Ueberrestchen von Vorwärts sch reiten erhalten: wir glichen Sodom und Ghomorra! (Jcs. 1. 9.) Und daran hatten wir neulich wiederum einen Beweis. Herr Jsak Berncys feierte nämlich sein 25 jähriges Amtsjubiläum, das heißt, cs ist chronologisch bewiesen worden, — nach dem jüdischen und deutschen Kalender, nach der alten und neuen Zeitrechnung, daß Herr B erneys ein Viertel Jahrhundert nicht Ln Mainz und nicht in Würzburg, sondern in Hamburg gelebt, das heißt, gegessen, getrunken, geschlafen, gewacht, geträumt und sich fortgepffanzt hat. Daran kann der ärgste Skeptiker keinen Augenblick zweifeln. — Hat der Mann aber auf seinem Posten auch gewirkt? Hat er die Kenntnisse, die er besitzt, zum Heil seiner Gemeinde benützt? Hat er den Nus der Zeit verstanden und zeitgemäße Verbesserungen zum Heile Israels vorgenommen? Hat er als treuer Hirte die ihm anvertraute Heerde geweidet und sie weiter gebracht in der Erkcnntniß Gottes, tn der Furcht Gottes? Hat er die Synagogen gehoben, und einen besseren Geist in diese verfallenen und verödeten Gotteshäuser gebracht? Der leichtgläubigste Mensch kann diese Frage nicht bejahen. Und warum wurde dieser Mann an seinem Jubiläum gefeiert? Warum wurden ihm Geschenke dargebracht? Warum ward sein Bildniß bekränzt? Warum wurden Reden an ihn gehalten? Warum wurde auf diesen Jubeltag eine Denkmünze geprägt? Auf alle diese und ähnliche Fragen Eine Antwort: Weil er „Nichts" gethan; Weil erden Stillstand gelehrt, gepredigt, befördert; weil er der starren Hpperorthodorie das Wort geredet und den ärgsten Indifferentsten in der Gemeinde freundlicher sich zuneigte, als denen, die zu der Partei der Fortschreitenden gehören, immer unter der Acgide des heuchlerischen Pharisäismus: Das Judenthum müsse man nicht anrühren, es müsse so bleiben und verbleiben, und — verfallen. — Beide Parteien, die Starrgläubigcn und die Ungläubigen, haben diesen Tag benutzt, um gegen den religiösen Fortschritt eine recht anschauliche Demonstration zu machen und das Prinzip des Stillstandes in Hrn. Berneys gleichsam ein für allemal zu verkörpern. Hierin und hierin allein haben alle die Feierlichkeiten jenes Tages, die in öffentlichen Blättern mit großem Bombast uns den lügenhaftesten Aufzählungen von Deputationen u. s. w. aueposaunt worden sind, ihren Grund. Der bessere und intelligentere Theil des Vorstandes war in der größten Verlegenheit — das habe ich aus sicherer Quelle — was er dem Herrn Berncys in dem Anstands halber an ihn zu richtenden Gratulationsschreiben sagen soll, da über dessen Wirksamkeit schlechterdings nichts zu sagen ist. Nur Privatim haben einige der Herren, die sich selbst gern reden hören, dem Jubilar einige Schmeicheleien gesagt, die derselb/, (wie mag er augurenmaßig im Innern gelacht haben!) in seiner hochtrabenden Sprechart erwidert hat, zur beträchtlichen Störung seiner Jünger, einiger Dutzend recht artiger, simpler, junger Leutchen, die ihrem frühern Mentor eine Sepher-Thora verehrten und eine Medaille prägen ließen, die Anfangs die Inschrift haben sollte: (Gen. 21,6.) pnL' bi Ware die Dankbarkeit nicht eine bei Manchen so wenig beliebte Tugend: Herr Berneys müßte der—Tempelcassc alljährig einige tausend Mark von seinem Gehalte beisteuern; denn einzig und allein der Opposition gegen das Tempclinstitut verdankt derselbe seine Medaille, seine Gesetzrolle, seine Geschenke, seine Berühmtheit und vielleicht seine Eristenz als geistlicher Beamte in der Gemeinde zu Hamburg; der biblische Orient hätte ihm nur eine kurze und eine sehr zweideutige Unsterblichkeit zugesichert. Die Tempelbeamten scheinen davon auch überzeugt zu sein; daher dieses Institut schon seit vielen Jahren nur sehr langsam fortschreitct, damit dem Gegner nicht zu viel Ruhm und zu viel Eristcnzmittel zu Theile werden. Von einem solchen „gemäßigten Fortschritt" kann ein Mann aus der neuesten Zeit ein Beispiel anführen. Die seit beinah einem Jahr existirende Cultus-Commission, zu deren Ressort es gehört, den Gottesdienst im Tempel zu heben, und demselben eine größere Würde zuzusichcrn, trug bei der Tempelvircktion darauf an, das Schopharblasen, als einen in der Bibel schlechterdings unbegründeten Gebrauch, der nur noch auf solche Gemüther eine religiöse Wirkung zu machen vermag, die an alle die kabbalistischen Albernheiten glauben, die mit dieser Ceremonie verbunden sein sollen, entweder aus dem Gottesdienste gänzlich wegzulassen, oder, wie es ursprünglich war, auf die mjrpri zu beschränken, oder die flPlp rT auf nW'n ,nV'n ,nV'p zu reduciren. Nach vielen Debatten ging endlich der dritte Punkt des Antrages durch; weiter zu gehen wagte man nicht; ja selbst die Segensformel vor der musikalischen Handlung, die der Antragsteller als eine Blasphemie — rten!? rp“Q — erklärte, mußte beibehalten werden. — Wie wird sich der Obcrrabbincr Herr Dr. Franke! in Dresten freuen, daß sein „gemäßigter Fortschritt" selbst in der erleuchteten Tempelgemeinde Wurzel gefaßt hat! I Ja, ja I Die Tempelgemeinde ist wahrlich „besser als ihr Ruf" und stehet an Orthodoxie — so lange sie im Gotteshause ist — keiner ftommen Gemeinde in der Welt nach. So sehr man sich auch in Gemeinden wie Breslau, Alzei, Mannheim u. m. heei-

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