Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1846)
- Date
- 1846-12-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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300 zeihen, wenn ich seinen ganzen Angriff für einen verfehlten, seine Waffen aber theils nicht in einem ehrlichen Kampfe anwendbar, tkeils als verrostete erkläre. Und nun gestatten Sie mir noch einige Worte, die ich an Sie selbst richten möchte. Sie haben Ihren einzelnen Bemerkungen die allgemeinen vorangesclnckl, daß ich mich in meiner Vertbewi'gung „auf den Standpunkt der Majorität jener Versammlung stelle", also wohl meine persönlichen Ueberzeugnngcn nicht darin ausgedrückt seien, ich nur pflichtmäßig und notbgedrungen sie vertrete, hier gewissermaßen „eine geschickt geführte Vercheidigung der R.-V. selbst" vorliege. Schon eben habe ich mich gegen diese Unterstellung verwahrt; ich will mich jetzt genauer darüber erklären. Was ich von der R.-V. verlange, das glaube auch ich in meinen Abstiinmungen bei derselben und meinen Urtbeilcn über dieselbe beobachten zu müssen. Wenn ich meine Ansichten als Mann der Wissenschaft entwickele, die aus Studien geschöpfte Ueberzcugung darlege, so kümmere ich mich nicht darum, ob die Aussicht dafür vorhanden ist, daß diese Ueberzeugung auch in der gegenwärtigen geschichtlichen Gestaltung des Iudcntbums alsbald verwirklicht werden könne; ich gebe meine Ansicht hin, mit dem Streben, dadurch auf die Gcstnnungen zu wirken, den Ernst in den Geistern dadurch zu veranlassen und zu befördern, mit der Erwartung, daß die Tiscussion diese meine Acußcrnngen befestigen und berichtigen werde, und mit der festen Zuversicht, daß das, was als Wahrbeit sich berausstellt, über kurz oder lang seine Verwirklichung finden wird. Dies ist es jedoch nicht, was ich von der R. - V. verlange. Sie soll dem bereits durch die Literatur oder durch weit verbreitete Ueberzeugung gewonnen den rechten Nachdruck und den angemessenen Ausdruck für das Leben geben, das Zweifelhafte möge sie noch zur Seite lassen, die Besprechung desselben wird in ihren Verhandlungen nicht ganz fehlen und werden diese viel dazu beitragen, die richtigen Ucberzeuguugeu darüber zu verbreiten, ohne daß alsbald ein Beschluß gefaßt und verwirklicht werden könne. Tenn worüber von der Veisammlirug eine Vereinbarung erzielt wird, das soll auch möglichst bald durch den Eintritt ins Leben seine Sanction erhalten; die in der Luft schwebenden oder auf dem Papier stehenden Beschlüsse ohne festen Boden und ohne ernsthafte lebendige Gestaltung, sie haben für mich durchaus keinen Werth. Dies also auch der Gesichtspunkt, von dem die Aussprüche der Versammlung beurtheilt werden müssen, dies auch mein Maßstab für meine Abstimmungen und für mein Nrtbcil. — *) Die Majorität der Versammlung ist daher für mich in der Regel in dieser Beziehung maßgebend; es drückt sich in ihr die praktische Erfahrung über die Zweckmäßigkeit und 'Ausführbarkeit des Vorschlages unter den gegebenen Verhältnissen und bei den vorwaltendcn Ucberzeugungen aus. Das Urtheil bleibt freilich dann sehr subjektiv, und diese Subjeklivitäl hat sich in meinem „vorläufigen Worte" keineswegs verleugnet; die Bemerkung über das ungewisse Ziel der Sabbathfrage, über die Dringlichkeit des Sountagsgottesdicustes, über die Uustatthaftigkeit eines Unterschiedes zwischen Arbeiten und Arbeiten lassen bei häuslichen Verrichtungen, welche unter allen Umständen nolbwendig sind und nicht durch den Conflikt mit fremden Sitten entstehen, Tics und Achnliches, ich weiß nicht, ob cs im Namen der Majorität gesprochen ist. Aber jedenfalls da wo ich in meiner Abstimmung mit der Majorität znsammcnbielt, da bestimmen mich noch hellte dieselben Gründe, ans ihrer Seite zu steben, und ich werde dies ferner thnn trotz allen Zweifeln, die man gegen meine Ansichten erheben mag. Jedenfalls, w. Fr./*) halte ich es für ein durch- *) Da der Verfasser diese Worte an mich zu richten für nöthig erachtet, so möge er mir gestatten, das hiehcr zu setzen, was ich bereits früher über die Bestimmung der Rabbincrversammlung geäußert. Nämlich S. 178, Jahrg. VI. dieser Blätter, wo ich von den Sympathien, welche die erste Rabbinerversammlung bei allen Fortschreitenden gewonnen, sprach, fügte ich hinzu: „Dies kam daher, daß sie einerseits ihren Beruf darin fand, der Idee ihre volle Geltung cinzuräuincn, sich zu Grundsätzen zu bekennen, welche in dem Bewußtsein der Höhergebildete» wurzeln, und die Basis einer entschiedenen unv umfassenden Reform abgeben, anderntheils aber, wo es sich um die jetzige Verwirklichung jener Grundsätze und ihre praktische Ausführung handelte, die Gefühlswcise der Mehrheit respcktirte und weise sich an das durch die Geschichte Geheiligte und in Beziehung zu jener Gefühlsweise Stehende akkomodirte."—Diese Aeußerungen kommen, wie uns deucht, und namentlich in Beziehung auf die praktischen Fragen, denen des verehrten Verfassers doch wohl ziemlich gleich. —■ Manches von dem Nachfolgenden wird seine Widerlegung in unfern vorhergehenden Bemerkungen gefunden haben. Hier nur die Versicherung, daß wir an wahrem Eifer und Interesse für die Fortdauer des Instituts der Rabbinerversammlung