Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1846)
- Date
- 1846-12-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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391 treten sie gar in Vereine, in Genossenschaften zusammen, so werden sie ihm überdieß Gegenstand wahrer Bekümmerniß, sie gefährden die Grundregel des modernen Nabbinerlhums, wie er es begreift, laicus taceat in Synagoga. Wir sind nun zwar weit entfernt behaupten zu wollen, daß die diesjährige Rab.-Vers. in ihrer Gesammtheit von diesem Geiste beseelt gewesen, daß er aber in einzelnen Mitgliedern derselben wirklich haust, läßt sich gleich wenig in Abrede stellen. Man denke sich welchen widrigen Eindruck auf solche Mitglieder eine Zuschrift der Berliner Neform-Genossenschaft machen mußte, welche dieselbe der Vers, als gleich berechtigt, gleich wichtig, gleich strebsam, gleich heiloerkündcnd, gleich folgereich an die Seite zu setzen, NefornnGcuossenschaft und Rabbiner-Versammlung wie Mächte gleichen Ranges darzustellen sich unterstand. Es konnte aber um so leichter geschehen, daß sich die nothwendig gereizte Stimmung solcher Mitglieder der ganzen Versammlung mittheilte, als die, wie es scheint, sogleich nach deren Einlauf ohne alle Vorbereitung verlesene Zuschrift damals überhaupt mißveistanden ward, wie aus den betreffenden „Aeußerungen verzfelds, Holdheims u. a. abzunehmen." Der Standpunkt, die Sinnesweise der Mitglieder hätte sich am besten auö der Abfassung des Antwortschreibens und aus den Debatten über solches abnehmen lassen, weil zu der Zeit der Inhalt der Zuschrift der ganzen Versammlung aufs vollständigste bekannt, und ein Mißverstehen derselben nicht mehr möglich war. Die Veröffentlichung wäre hier auch um so eher am Platze gewesen, als die von der Versammlung in der 17. Sitzung beliebte Erklärung zu Protokoll, daß „aus Kürze der Zeit eine Antwort auf das Schreiben der Gen. für Res. im Zudenth. nicht genügend berathen werden konnte," mit dem schon ausgehobenen Schlußsätze des Protokolles lg. Sitzung, nach welchem es rer Versamml. nicht sowohl an Zeit als an Einklang gebrach, im Widerspruche steht. Nachschrift der Redaction. Wir haben die vorstehende Correspondenz als eine Ansicht, die vielfach noch über das neue Rabbinertyum angetroffen wird, in Frankfurt a. M. aber noch sehr vorzu herrschen scheint, ausgenommen, obgleich wir uns wandern müssen, daß auch unserem sonst so scharfschenden Correspondenten das Unbegründete derselben entgangen. Es haben die neuen Rabbinen (für Ertravaganzen Einzelner ist nicht der Stand verantwortlich) nie nach neuen Stützen ihres Ansehens gestrebt, und auch nicht zu streben gebraucht, da ihre Wahl ja auS den Gemeinden hervorging und diese mit Zunahme besserer religiöser Erkenntniß auch ihre Religionslehrer nicht mehr nach ihrer talmudischen Gelehrsamkeit, sondern nach ihrem sonstigen Wessen und zeitgemäßen Wirken schätzten. Letzteres, wir meinen das Bedünniß der Gemeinden selbst, mußte auch den neuen Rabbinen zunächst die Verpflichtung auferlegen, den Gottesdienst durch Predigt unv Gelang zu heben, die Coufirmation cinzusühren, sowie bei Ebebüudmsftn und Beerdigungen dem Verlangen nach einer religiösen Am'vrache zu genügen. Daß die Rabbinen, als Männer, welche ihr ganzes Leben der religiösen Erkenntniß widmen, auch wokl am ersten beruft» sein dürften, in Sachen der Religion ein Urtheil abzugeben, wird unser Eorreso. zugestehcn; wäbrend andererseits jeder Einsichtige unter jenen weit entfernt sein dürfte, das Verhältnis des Rabbinen zum Richtrabbinen in der vom Earresp. dargestellten Weise aufzuf«ssen, oder gar ein abgesagter Feind von Resormvereinen und Genossenschaften zu sein, wie denn die Verstimmung einiger Mitglieder der dritten Rabbinerversammlung gegen die Berliner Reformgenossenschaft sicher nur darauf gründete, daß diese (nach ihrer Meinung) in ihrer luurglfthen Reform namentlich durch Abschaffung des Schopher und Einführung des Sonntagsgottesdienstes zu weit gegangen. — Verschiedenes anS Berlin. * (Berlin, im Nev.) — Nehmen Sie diesmal Nachrichten entgegen, welche, stehen sie auch gerade nicht in einem innern Zusammenhänge mit einander, doch dem Publikum willkommen erscheinen dürften. Es wurde in diesem Herbst unter 900 hiesigen Conskriptionöfähigen unserer Stadt 60 Zuden dem Dienste des Vaterlandes zugewandt. Keine anderen Eonfessionellen eilen so in die Reihen der Vaterlandsvertheiviger als die der jüdischen Religion Angehörigen. Diese machen sich geradezu eine Ehre daraus die Uniform tragen zu dürfen; sie sind aber auch so fleißig und bewährt in ihrem Dienste, daß sie meistens mit dem Range eines Unteroffiziers entlassen werden. Man muß sich aber auch gestehen, daß vielleicht an keinem andern Orte Deutschlands mehr die Vorurtheile gegen Zuven so schwinden, wie hier. Wenn gleich hiervon an Hähern Orten noch wenig verspürt wird, so beginnen doch die städtischen Behöiden das frostige Eis des alten Vorurtheils zu durchbrechen und die Bahn des Urtheils unv in dessen Folge der Gerechtigkeit einzuschlagen. Wenn sich uns schon längst die Räume der Stadträthe und Stadtverordneten eröffnet haben, so muß hinzugefügt werden, daß sich uns auch jetzt die Wohlthätigkeitskassen freier Privatgesellschaften erschließen. So wirv jetzt