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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-12-06 · Heft 49 (6.12.1846) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 49 (6.12.1846)
Date
1846-12-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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3SS nicht? Hat der Korrespondent wirklich die Vorwürfe des ersten Protestes schon ganz vergessen? war gar nicht von der Scheidewand die Rede, welche man zwischen den Juden und den Christen errichte durch Aufrechthaltung des Sabbaths und durch die Vermeidung der einzigen Erklärung, welche durch Vereinigung 'Aller an einem und demselben Rubetage auch alle Bürger unter eine Fabne rufe? Seltsames Geschick! Man klagt uns hier an einer Unterlassungssünde, und wenn der Nachweis gegeben wird, warum das Verlangte unterlassen werden mußte, so erbebt sich die neue Anklage, daß man einen ganz überflüssigen Nachweis gegeben babe. Es zeigt sich hier die große Verwirrung und Meinungsverschiedcnbeit unter den Angreifern, der sicherste Beweis von der Unklarbeit, von einem Mangel an rubigcr Betrachtung der Verbältnisse, und der Correspondent möge es mir nicht für einen Ueberrcst casuistischer Zähigkeit auslegen, wenn ich die talmudische Formel darauf einwende: jms? niETi “sn n* \n-ü m Allein, daß wir so böchft beschränkende Freibeiten ausgesprochen baden, daß, wenn die Eristenz gefährdet ist, wenn Hab und Gut in Gefabr stebt, dann Arbeit und Arbci'tcnlasscn gestattet sei! Das ist cs eigentlich, was des Correspondenten Ekel erregt. Ich bedaure es, aber ändern läßt cs sich dennoch nicht. Tie Verhältnisse des Lebens verlangen mehr, das wußten wir Alle, so gut wie die hochwcijen Beurtbeiler, bingcgen der Sabbath, nicht der biblische, nicht der talmudische, sondern der Sabbath, seinem eigentlichen Begriffe nach als eines Tages der Weihe, zugleich vermittelst der Ruhe, gestattet kaum dies. Der Konflikt ist nun einmal vorbanden und laßt sich nicht vorläufig ausgleichen; die Geschichte muß ibn zu überwinden suchen und sie wird ibn überwinden, und zur Förderung dieses geschichtlichen Prozesses tragen sicher unsere diesjährigen Berathungen bei; ich sage es nochmals , und mag der Correspondent immerhin höhnen, die offene Wunde muß anfgezeigt und das Publikum zu einem Entschlüsse getrieben werden, mag er aussallen wie er wolle. Wir werden es an den Ausgleichungs- Versuchen nicht fehlen lassen, trotz unserer Einsicht, daß sie keine volle Heilung bewirken, aber doch mit dem Bewußtsein, daß sie jedenfalls für manche Fälle in den gegenwärtigen Verhältnissen zweckmäßig sind; dem Ackerbauer und dem Gcwcrbsmanne muß eine Erleichterung dargebotcn werden, die er ohne Gewissensskrnpel arinehmen kann. Mag sie immerhin Manchem geringfügig erscheinen, mag sie ihm wie die Schwielen in der harten Hand des gemeinen Mannes Ekel einflößen, wir werden uns davon nicht kirren lassen Ueber den Unterschied zwischen dem Arbeitenlassen durch Richtisraeliten und dem Selbstarbeiten will ich mich nicht weiter verbreiten; ich kann in dieser Beziehung auf mein „vorläufiges Wort" verweisen. Ich finde denselben in den von dem Verfasser angewandten Fällen ebenso für gerechfertigt wie ich ihn in andern dort angegebenen Fällen für nicht berechtigt halte und mich dagegen verwahren müßte. Ihre Gegenbemerkungen sind, nach meiner vollsten Ueberzeugung, durchaus unbegründet. „Die sittliche Anschauung der Zeit" und „unser heutiges Bewußtsein" haben durchaus Nichts dagegen, daß ich an einem Tage, den ich möglichst der Weihe und der Erholung widmen will, der mir aber durch die mich zwingende Sitte anderer Bewohner des Landes verkümmert wird und an welchem deßbalb meine Tkätigkeit nicht ganz eingestellt werden kann, meine persönliche Betheiligung doch möglichst entziehe, um Muße und Stimmung für Weihe und Erholung zu finden, während diese den Andern an einem andern Tage im vollsten Maße gegönnt sind. Freilich, es wird an Störungen für mich dennoch nicht fehlen*), aber weil ich diese nicht die Rabbiner-Versammlung betrifft, so haben wohl nicht einmal die-Unterzeichner der ungemessenen ersten Frankfurter Protestation derselben angesonnen, den Samstag als Werktag zu erklären und den Sonntag als Ruhetag zu adoptiren." Dieses scheint uns auch die betreffende Stelle zu bestätigen; ft'e lautet: Wir stehen nicht auf gleicher Stufe mit einer Versammlung, welche den Ruhetag, der den seiner Berufsgeschäfte entledigten Menschen dem Menschen gefällig nähern re. als eine separatistische Scheidewand bezeichnet, unerbittlich zwischen Brüdern und Brüdern aufgerichtet re.", womit doch wohl nur darüber geklagt wird, daß die Rabbiner-Versammlung (wie hie Protestmänncr glauben) durch ihre Anempfehlung und Befestigung der Samstagsfcicr die Verlegung weiter hinausgerückt, als darüber, daß sic sie nicht selbst und schon jetzt ausgesprochen. *) Der Verfasser hätte ganz Recht, wenn es sich um den von ihm bezeichncten Fall handelte. Aber unsere Gegenbemerkung hatte cs ja nur mit Beschluß 4 zu thun, in welchem die Rabbinerversammlung erklärt, „daß wenn ein Stillstand imBerufsgcschäste die Existenz gefährdet, die Fortführung desselben am Sabbath durch Nichtisraeliten gestattet sei." Wo aber ein Stillstand im Bcrufsgcschäfte die Existenz gefährdet, wie z. B. bei einem Handwerker, der, wenn

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