Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1846)
- Date
- 1846-12-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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•3«? Schreiber und seine gefälligen Unterzeichner, mag er und mögen sie sein wo sie wollen. Also dieses Treiben konnte mir keine Actnnng einflößen und verdient nicht die Ebre einer umständlichen Widerlegung. Geben wir lieber zu solchen Aeußerungen der Unzufriedenheit, welche etwas Bestimmtes aussprechen, und da sind es eben die Bemerkungen Ihres Pfeil-Corrcfp. und Ihre eignen, welche Sie meinem „vorläufigen Worte" zur Begleitung gegeben Huben. Ich werde mich mit dem ersteren an Witz (?) nicht messen; ich bekenne vielmehr von vorn herein und ganz unumwunden, daß, so sehr ich den Mann, welchen ich als Urheber dieser Eorrcspondenzen vcrmnthe, hochachte, und so sehr mir manchmal der penetrante Beistand, welchen er in früheren Corrcspondenzen zeigte, die heitere Laune, welche er in denselben entfaltete, Vergnügen machte, der Ton dieser Correspond! uzen mir als ein durchaus unwürdiger erschien und ich vor manchen angeblichen Witzen in denselben eben so vielen „Ekel" empfinde, wie er vor manchen Beschlüssen. Auch die Derbheiten haben ihre schlagende Kraft verloren; man lacht höchstens einmal darüber, aber sie verpusten und wirken nicht mehr. Man empfindet Ekel vor Beschlüssen; in Gottes Namen, ihr seid dann aber verzärtelte Menschen, die ihre Borurtheile, ihre Beqnemlict'keiten, ihre geselligen Angewöhnungen überall bin mirnebmen und sie zum Maßstabe machen wollen für weit höhere Tinge, welche nicht mit der Eigenwilligkeit, sondern mit Geist und Berstäntniß beurtheilt werden müssen. Ich gehöre nicht zu den Spröden, die jedes barte Wort scheuen und die jedes harte Wort erschreckt; aber Witze von dem „litbograpbirten Rabbiner" von den schlechten Wechseln der Rabbiner- Versammlung, die Niemand einlösen will, von der mittelmäßigen Sentimentalität, von der Schabbesgoje und den Schabbes-Kippes mögen in gewissen Kreisen sehr gern gehört werden; mir sind sie blos ein Beweis, daß diese Kreise eine ernste Behandlung ernster Gegenstände nicht begreifen, nicht zu würdigen wissen, daß sie daher trotz ihrer äußern Politur sehr tief sieben, daß sie blasirt find.*) Also mit diesem ganzen Apparate *) Was unseren Pftil-Corrrespondenten betrifft, so gesteht der Verfasser des Sendschreibens selbst, daß der penetrante Verstand und die heitere Laune, welche jener in seinen Correspondenzen entfalte, ihm Vergnügen mache. Wir dürfen noch auf den Grund der uns von vielen Seiten zukommenden Urtheile hinzufügen, daß habe ich Nichts zu schaffen; ich will die Vorwürfe selbst betrachten. Der Corrcsp. wirst den Verkheidigern nun zuerst vor, daß man einem Anspruch abzuhelfen suche, der niemals gemacht worden sei; es habe kein Verständiger von der Versammlung ausgesprochen verlangt, daß der Sabbath aus den Sonntag verlegt werde.*) Wirklich die Arbeiten jenes Corretpondenten von den wahren Freunden des Fortschrittes im hohen Grade geschätzt find uns nicht r.vn:a dazu beigetragen haben, das Interesse, welches dieselben an unserem Blatte nehmen, zu erhöhen Sagte uns nun auch selbst der Ton in jenen Miktheilungen nicht überall zu und hätten wir manches Witzwort auch gern vermieden gesehen, so sind wir doch wohl nicht als Redakteur für jedes Werk und jeden Ton unserer Correspondenten verantwortlich und darum auch nicht berechtigt, der Eigenthümlichkeit derselben übermäßige Schranken anzulegen und um so weniger! va, leider! die Zustände auch in der deutschen Zudenheit noch von der Art sind, daß nicht selten gerade der Witz d^ö beste Mittel ist, um Verkehrtheiten als solche zu enthüllen! und aufzudeeken. — Wir — und bas Publikum mit uns — nahj me» daher die gute und immer in bester Absicht dargebotene! Frucht gern an, und sahen über die Schaale, in welcher sie uns | zuweilen gereicht wurde, hinweg; folgend dem Beispiele jenes frommen Rabbi (Cbagig. 15b) der ja auch die Frucht ge. u offen und die Schaale weg geworfen NTilH Qon'? iOrPir. .Cb nun bewiiderS die Witze von „schlechten Wechseln" rer Rabbinerveifainiulung. von „Schabbesgoje" und „Schabbes-Kippes" wirklich so verwerflich sind, daß ste die Redaklion nickt hätte pamren lassen dürfen, vermögen wir nicht ein« zusehen; uns dänchten die beiden letzteren als sehr bezeichnend für daS, was die öffentliche Meinung bei jenen Beschlüssen empfand; wenn wir auch gerne gestehen, daß wir für unsere Person solche Bezeichnungen niemals brauchen würden. Philivvfon war aber diesmal der — m.t Uebermaaß — An greifende, der Pfeil- Correspoadent hingegen der abwehrende Theil und darum die Epitheten deS letzter» um so weniger so scharf abzuwägen; und was Hrn. S. Adler betrifft, jo schätze ich gleichfalls den liefen re. ligiöfen Ernst, daS wissenschaftliche Sircben und die talmurische Gelehrsamkeit desselben im hohen Grade und habe ihm dieses auch bei unferm letzten Zusammensein v elfach zu erkennen gegeben; kann aber etwas „Ehrenrühriges" in dem, was der Pfeil« Corresp'ndent über denselben sagte, durchaus nicht finden und glaube auch nicht, daß unser würdige uno bescheidene College es so aussassen werde. Ueberbanpt darf ich erwarten, daß die dem Fortschritt huldigenden Rabbinen davon absehcn, daß der Redakteur des „Israeliten" zufällig auch ein College von ihnen ist, und daß fie gleich mir, weit entfernt sein werden, das TDD und n"n V'D l» dem altrabb Nischen Sinne zu fordern, 'vnvern der zum Selbstbewußtsein gekommenen Zeit auch das Recht des freien Urtheils einräumen werden, wenn sich dieses zuweilen auch gegen sie selbst, richtend und tadelnd, aber darum doch nicht schmähend unv ehrenrührig, wendet. *) Auch wir haben (Anmerk. S. 323) geäußert: „Was aber