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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-11-29 · Heft 48 (29.11.1846) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 48 (29.11.1846)
Date
1846-11-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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S8S zusagen, ganz neue Gründe aufzufuchen und uns eines Bessern zu belehren, wofür wir noch dankbar sein würden. Anfangs wollte es uns bedünken, daß der Lärm, welcher in der Tagespresse gegen die Beschlüsse der dießjährigen Rabbiner. Versammlung erhoben worden ist, Hrn. Frankel eingeschüchtert habe. Es mochte sich ihm der Gedanke aufdringen, wenn die von ihm als ultraravikal und neologisch im höchsten Grade verketzer. ten Rabbiner der öffentlichen Meinung nicht mehr Genüge thun konnten und von den Stimmführern derselben so hart angefahren Wurden ob ihres langsamen Fortschrcitens auf der einmal betretenen Bahn der Reform, wie möchte es erst ihm mit seinen Theologen gehen, von denen ein großer Theil nicht allein weder rasch noch langsam vorwärts zu schreiten geneigt war, sondern sogar, wenn es möglich wäre. den Wagen gerne rückwärts schieben mochte. Und war er nicht selbst mit aller Heftigkeit nnd Bitterkeit den früher» Beschlüssen der Rabbinerversammlung entgegengetreten, welche jetzt dem so lauten Verlangen nach Reform nicht mehr genügen wollen? Wenn nun solches am grünen Holze geschieht, wie müßte es erst dem dürren ergehen? Frankel konnte also gedacht haben: Lassen wir vorerst den Sturm sich legen, verschieben wir unser Werk auf eine andere bessere Zeit, wo die aufgeregten Gemüther zur Ruhe und Besonnenheit zurückgekehrt sein werden; vielleicht werden wir dann eher Gunst finden vor dem Richterstuhle der öffentlichen Meinung. Eine andere Version, die uns jetzt der Wahrheit näher zu kommen scheint, geht dahiu, daß viele von den Gesellen, welche auf den Ruf des Meisters sich meldeten, um ihm Hülfe zu leisten bei seinem Werke, demselben nicht zugesagt baben, indem er vorausgesehen, daß sie ihm nicht beistehen werden in seinem Vorhaben, das alte Gebäude wenigstens theilweise von seinem Staube und Schmutze, der sich in so vielen Jahrhunderten angesetzt hat, zu reinigen, damit es mindestens vor den Augen der Welt ein freundlicheres und gefälligeres Ansehen gewänne, wenn es auch gerade nicht wohnlicher in seinem Innern dadurch werden sollte, sondern daß sie mit allem Nachdrucke darauf dringen würden, das Gebäude ganz in dem Zustande zu erhalten, in welchem cs sich gegenwärtig befindet, und sollte es auch den Beschauern zum Gespötte dienen unv seine Bewohner selbst in immer größerer Anzahl es verlassen. Zu einem solchen Unterfangen konnte freilich Herr Frankel, wenn er nicht seine Antezedenzien ganz und gar verleugnen und vor den Augen aller Welt sich lächerlich machen wollte, die Hand nicht bieten. In der That haben wir in einer der neuesten Nummern des „Orients" angedeutet gelefev, daß die Herren Theologen Ahron Fuld und Bär Adler zu Frankfurt dem Hrn. Frankel Bedingungen gestellt haben, die er im Voraus gewähren müßte, wenn sie auf dem angekündigten Reichstage erscheinen sollten. Freilich war nicht angegeben, worin diese Bedingungen beständen, daß sie jedoch nicht die Anei^erung zur Reform zum Zwecke hatten, dafür bürgen die bekannten Ansichten der erwähnten Herren. Es scheint also nicht unwahrscheinlich, daß im Lager der Theologen selbst ein Zwiespalt ausgebrochen ist, und daß der bevorstehende Winter zu politischen Transaktionen verwendet werden wird, um wo möglich den Frieden und die Einigkeit wiederherzustellen. Endlich bietet sich uns noch rin dritter Umstand dar, aus welchem die plötzliche Verschiebung der angekündigten Versammlung sich erklären läßt. Es hat nämlich vor geraumer Zeit her „treue Zionswächter" sein Horn zur Hand genommen und gewaltigen Lärm geblasen gegen alle die, welche von einer möglichen Fortbildung im Zudenthunie sprechen, die in seiner Sprache so viel bedeutet als Negirung, gänzliches Aufgeben des Göttlich- Jüdischen, Dafürfetzen menschlich. moderner Phantasmen und Trugschlüsse. Er ereifert sich, wie sich von selbst versteht, zunächst gegen die Rabbinerversammlung und überschüttet sie mit einer Fluth seiner ihm so geläufigen Höflichkeitsbezeugnngen, sie, die gerichtet und verurtheilt von Gott und Menschen, kaum noch vegetirend, an unheilbarer Krankheit siechend, eines unbemitleiveten sichern, unrühmlichen Todes dahinsterbend, dastehen wird, ein Strafzeichen für alle Zeiten, zum Gleichnis, zur Warnung." Sodann wendet er sich mit folgender Apostrophe an Herr^ Frankel: „Und Ihr wählet jetzt denselben Weg? Aber Ihr rechnetet vielleicht auf unser Lchweigen, auf unsere Beistimmung, schmeichelt Euch, geblendet durch hie und da gestreu« ten Weihrauch, vertrauend auf ein behutsames, auf Zutrauen berechnetes Verfahren, daß allgemeiner Beifall Euer Unternehmen lohnen wird? Doch. — das war Täuschung! — Nie und nim« mer!" Und in diesem Tone geht es dann fort. Hr. Frankel, der wie man ihm nachsagt, gegen den Tadel sehr empfindlich fein soll, mochte nun bei sich überlegt haben: Wenn ich schon jetzt, da ich weiter nichts gethan habe, als daß ich die Schaar meiner Gleichgesinnten zu dem deutlich ausgesprochenen Zwecke zusamenberief, um die Religion zu befestigen und den destruktiven Tendenzen der Zeit entgcgenzuwirken, so hart ange/assen werde, wie mag es mir erst alsdann gehen, wenn ich einen Vorschlag zur Einführung deutscher Gebete, zur Abschaffung des zweiten Feiertags, zur Aufhebung dieses oder jenes alten Minhags machen werde. Habe ich es nicht zu riskiren, daß alsdann der treue Zionswächter die ganze schwere Artillerie seiner Jnvektiven unv Verketzerungen wider mich spielen lassen Werve? Werden nicht die Beschimpfungen, mit deaen meine Anhänger und Bundesgenossen die Mitglieder

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