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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-11-29 · Heft 48 (29.11.1846) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 48 (29.11.1846)
Date
1846-11-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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331 sie hätten für uns und die uns gleich Gesinnten nur in so fern einen Werth, als sie auf den Geist, in welchem sie gefußt worden, auf die Gesinnung, die Einsicht, die Bildungsstufe derer, welche sie erlassen, einen Schluß gestatten würden; kein vernünftiger Mensch, er liege denn noch in den Banden des Vorurtheils gefangen, kann heute mehr in dem Ausspruche eines Radbinen als solchen für sein Gewissen Beruhigung oder Beschwerde finden. Um aber den Geist der diesjährigen Nabbincr-Versammlung, um die Gesinnung der einzelnen Mitglieder kennen zu lernen, wäre gerade die Veröffentlichung der Debatten wegen des Antwortschreibens an die Reformgcnossenschaft zu Berlin am geeignetsten gewesen, bei welchen nach Versicherung des Protokolls so bedeutende Differenzen hervorgctreten, daß „die Versammlung sich über solches nicht zu einigen vermochte." Der Antrag eines Studenten wegen Einrichtung jüdischer Convicte an den deutschen Univcrsitätsorten wird in seiner ganzen Ausdehnung mitgetheilt, warum nicht jenes von der damit beauftragten Commission entworfene Antwortschreiben? Auch die etwaige Ausrede, daß die Verhandlung in einer vertraulichen Sitzung statt gefunden, könnten wir nicht gelten lassen, Weil die Protokolle über das, was sonst in dieser und in der zehnten, gleichfalls vertraulichen Sitzung verhandelt worden, ziemlich auc-führl'.ch sind, eine Ausführlichkeit, die wir ihnen gern erlassen hätten, da der Gegenstand, die Beschncidung im allgemeinen, und die bei derselben herkömmliche Blutsangerei vollends, das menschliche, sittliche und ästhetische Gefühl gleich sehr beleidigt. Es will uns aber auch bedünkeu, als hätte die Nedaklions- Commission schon im Wiedergeben und N.ichlwievergeben der Verhandlungen erster Sitzung, diesen Gegenstand betreffend, collegialische Rücksichten mehr als billig vorwalten lassen, wenn auch nicht gegen den doyen d’uge der Versammlung, Hr. Gosen, den sie die Debatte dieser würdig eröffnen läßt. Von der gereizten Stimmung, in welche die Versammlung nach Aeußerung des Hrn. A. Adler sich durch den Ton der Zuschrift der Nesormgenoss.uschaft versetzt gesehen, ist sonst in dem betreffenden Protokolle kaum eine Spur zu finden, wiewohl sich solche bei der Wahl der Beantwortungs-Commission deutlich genug kund gab. Diese Zuschrift ist vielfach, uns nun auch in den Protokollen veröffentlicht, wir haben sie gelesen und wieder gelesen, sind aber nicht im Stande in derselben etwas zu finden, was die Versammlung zu verletzen geeignet wäre. Mitglieder, welchen etwa der Satz anstößig gewesen: „So lange die Rabbiner-Versammlung sich selbst getreu bleibt und wie bisher sich nur als Vertreterin der Wissenschaft des Judenthums erkennt, jede Regung hierarchischen Strcbens aber mit Entschiedenheit zurückwcist," würben an den Schneider in der Posse erinnern, der nicht zugeben wollte, daß in seiner Gegenwart von Gas geredet werde. Aus diesen Debatten hätten wir viel mehr abnehmen können als aus den weitläufigen Erörterungen über die jüdische Auffassung des Labbaths als Tag der Ruhe oder der Weihe und wir müssen die Lückenhaftigkeit der Protokolle hierüber nicht blos bedauern, sondern ernstlich rügen, behalten uns übrigens vor, auf diesen Gegenstand in unserem Nächsten zurückzukommen. .»i*. Frankel und die Theologen-Versammlung. (Ans Baiern, im Nov.) — Großes Aufsehen erregte bei uns und auch wohl anderswo die lakonische Ankündigung des Hrn. Dr. Frankel, daß er auf das Ansuchen einiger zu der von ihm projrktirten Theologenversammlung sich gemeldet Habenden, dieselbe, welche gleich nach dem Sukkothfeste abgehalten werden sollte, auf das nächste Frühjahr zu verschieben für gut bekunden habe. Der angegebene Grund dieses Aufschubs, daß näi.'.llch um diese Zeit des Jahres bereits die Tage sehr kurz wären, will Niemand recht einleuchten; denn einmal hat Hr. Frankel, sowie die zur Theilnahme sich Meldenden doch wohl im voraus zu berechnen gewußt, daß die Tage im Oktober und November nicht so lange find, als im Juni und im Juli, und dann finv ja, wenn die Tage kürzer sind, die Nächte um so länger; die ehreuwerthen Theologen hätten also, nach dem Muster des englischen Parlaments, ihre Sitzungen bei nächtlichem Kerzenschimmer halten können; das Helle Tageslicht der heißen Sommertage mag ohnehin nicht allen jenen Herren, von denen manche blöve Augen haben sollen, recht Zusagen. Wir sehen uns also gezwungen, uns nach andern plausibleren Ursachen umzusehen, weßhalb die mit so vielem Pompe uns mit so manchem Seitenhiebe auf die mißliebige Rabbinerversammlnng angekündigte Theologenversammlung, von der die kranke Judenheit ihre Heilung erwarten sollte, aus eine so lange Zeit hinausgeschoben und dadurch die Geduld der Patientin auf eine so schwere Probe gestellt worden ist. Doch diese Geduld ist ja schon längst bekannt, und man weiß recht gut, daß man derselben Alles in der Welt zumuthen darf. Und so erlauben denn auch wir uns, aus die Geduld der Leser dieses Blattes bauend, denselben mehrere muthmaßliche Gründe zur Erklärung jener auffallenden Erscheinung, durch welche die Anhänger der Reform von positiv-historischem Scandpunkte aus etwas stutzig gemacht wurden, vorzutragen, wobei wir es einem Jeden freistetten, sich von den vorg tragenen Gründen denjenigen, welcher ihm am besten zusagt, auszuwählen, oder für den Fall, daß sie ihm alle zusammen nicht

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