Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1846)
- Date
- 1846-11-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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3SO mich in der dritten Rabbiner-Versammlung über den Sabbatb ausgesprochen hatte, erinnerte mich Stern in seiner Gegenrede an einen Satz in meiner Weihepredigt bei der Reformgenossenschaft, in welcher ich sagte: „Ter weise Gärtner schneidet die verdorrten Zweige ab, die dem Wachsibume des Baumes schaden, aber er bittet sich, das Messer an die Zweige zu legen, in welchen Noch frisches Leben vorbanden ist," den er, wie die Anwendung beweist, offenbar mißverstanden hat. Tie Zweige, in welchen noch frisches Leben ist, stehen nothwendig mit den Wurzeln und dem Stamme des Baumes in organischer Verbindung, das beweisen sie durch ihre faktische Lebenssäbigkeit. Dasjenige hingegen, was im Gemürhe eine sakrische religiöse Lebenssäbigkeit hat, muß erst seinen organischen Zusammenhang mit den Wurzeln und dem Stamme der Religion Nachweisen, da auch der Irrtbum, da auch der Aberglaube, zwischen welchen und der Religion gewiß keine innere organische Verbindung statlsindct, auch eine Lebensfähigkeit besitzen. Wenn ich jenes Bild in Anwendung auf religiöse Verhältnisse gebrauchte, so habe ich nur dasjenige darunter verstanden, von welchem ein (oldjet organischer Zusammenhang gewiß ist, welches, wie dort weiter ansgefnbrt ist, in unserer geistigen Gesammtcnrwickelung fortbcsteben kann und nicht wie die Feier des bestimmten herkömmlichen Tages, welche mit dieser ganzen Entwickelung unserer Lebenöverhältnisse im argen Consiict sich befindet. Doch für heute genug mit der Krink der religiösen Lebensfähigkeit. Freuen wir uns dieser und streben wir danach, sie mit der Lebenswürdigkeit zu vereinigen. Leben Sie wohl. Wenn die Protokolle erschienen sind, will ich Ihnen über die wichtigsten Punkte meine Ansicht mitzntbeilcn forlfahren. Möge dieses für die nächsten Versammlungen die Verständigung anbabneu. Streben wir nur alle danach, das Zustitut der Rabbinerversammlung nach allen Richtungen hin so heilsam als möglich und die obigen Worte Geigers zur lebensvollen Wahrheit zu machen. Leben Sie wohl! Ihr H o l d h e i m. Geschichte des Tages. Die Protokolle der dritten Rabbiner-Versammlung. / (Frankfurt a. M., im Nov.) — Geiger äußerte in seiner Brochüre: die dritte Versammlung deutscher Rabbiner, S. 4, „ich bin sicher, daß wenn sie (vie Protokolle) erschienen, gerade die Einsicht in die geäußerten Grundsätze und Gedanken das Urtheil weit günstiger stimmen wird." Diese Ucberzeugung hatten wir gethcilt und früher bereits vielfach geäußert, wiewohl es immer mißlich bleibt, ein einmal gestörtes Vertrauen durch hinterher selbst redigirte protokollarische Berichte wieder herzustellen, da die Vermuthung nahe liegt, man wrrve dabei das An. stößige in Gesinnung und Ausdruck ausgelassen oder umschrieben haben. Wenn wir nun von einem Mitgliede der Versammlung Hrn. Philipps»»*), erfahren, daß sich in den Protokollen Reden in Form motivirter Abstimmungen als gehalten abgedruckt finden, welche mehr in Umrissen angedeutet, und erst hintenher eingesendet worden, so ist an sich daran nichts gelegen, und wird es mit den im Moniteur veröffentlichten Reden der französischen Deputirten auch nicht anders gehalten; das Publikum kann dabei nur gewinnen, insofern es mit mancher unverdauten und unpassenden Ausführung verschont bleibt; die Versammlung aber legt damit das Bekenntniß ab, daß sic selbst, nach einer jüdischen Redeweise diese Veröffentlichung für keine Thora hält, weil es von dieser heißt: Nb, ihr sollt nichts Hinzuthun. Auch beschwören wir uns n cht wegen dieser Zuthaten, sondern wegen Auslassungen. Das über die 16. (vertrauliche) Sitzung abgedruckte Protokoll schließt; „Man geht hierauf zur Diskussion eines von der damit beauftragten Commission entworfenen Antwortschreibens an die Genossenschaft für Reform des Zuventhums in Berlin über. Da jedoch die Versammlung über dasselbe sich nicht zu einigen vermag, viel, mehr sehr bedeutende Differenzen hcrvortreten, so läßt man den Gegenstand fallen, und Präs, schließt die Sitzung." Wir machen uns, wie Sie wissen, aus den Beschlüssen der Rabbinerversammlung an sich sehr wenig, und haben es jeder Zeit überaus lächerl.ch gefunden, wenn Collegen von Ihnen äußerten, cs würde von denen, welche sich Abweichungen von den partikularistisch-jüdischen Religionsvorschriften zu erlauben die Freiheit genommen, gleichsam eine Rechtfertigung vor sich selbst und andern durch Sanktionirung solcher Abweichungen ihnen angemuthet. Welcher Wahn, zugleich welche Anmaßung! Und kämen alle Rabbinen der Welt zusammen, ihre Beschlüsse könnten nicht binden und nicht lösen *) Allgem. Ztg. d. Z., lt4G, Nr. 45,