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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-11-29 · Heft 48 (29.11.1846) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 48 (29.11.1846)
Date
1846-11-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
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378 sein, so können wir nicht anders bandeln. Wir sind den Gemeinden das, was nach unserer Ueberzeugung das Beste ist, schuldig. Allein wir können ihnen, weil sie dafür noch nicht empfänglich sind, dieses Beste nicht bieten, wir dürfen es ihnen nicht gegen ihren Willen aufdrängen, und müssen ihnen das Gute geben. Erklären wir dabei, daß wir zwar noch ein Besseres besitzen»und es der Gemeinde nur, weil sie es nicht mag,' nicht bieten dürfen, so haben wir unsere Pflicht gcthan. Lassen wir aber stillschweigend die Gemeinde glauben, es sei das Beste, nach unserer Ueberzeugung das Beste, so haben wir sie getäuscht, und sollte die Annahme des Dargeborenen auf Seiten der Gemeinde in der That nur durch ihren Glauben bedingt sein, daß ihre Rabbiner kein Besseres und Höheres kennen, so hätten letztere diesen ihren praktischen Erfolg einer Unwahrheit, einer Täuschung zu verdanken. Aber auch abgesehen hiervon ist das Verschweigen des höher« Bewußtseins, das Unterdrücken der wissenschaftlichen Ueberzeugung auch nach einer andern Seite hin eine Sünde, die sich mit nichts entschuldigen läßt. Der Gesammtfortschritt ist allerdings nur in der Medern Sphäre des unentwickelten religiösen Bewußtseins möglich. Er ist seinem Wesen nach die Einschränkung des allgemeinen höhern Prinzips auf je einen speziellen und concreten Fall, indem von diesem die Unverträglichkeit mit dem Prinzip der Innerlichkeit nachgewiesen wird. Das Unwahre, das in diesem Verfahren liegt, ist eben die Einschränkung der allgemeingültigcn Wahrheit, der implicite gcthane Ausspruch, daß alle übrigen Erscheinungen des religiösen Lebens mit dem Prinzip der Innerlichkeit m voller Uebereinstimmung sich befinden, und das Unsittliche, indem die Gemeinde in diesem Glauben bestärkt nnd ihr Vertrauen durch Täuschung erschlichen wird. — Ist nun auch der größte Thcil der Gemeinden und in jeder einzelnen wieder die Mehrheit der Mitglieder nur auf dem bezeichneten Wege des allmähligen Reformirens, durch das s. g. Abbröckelungs-System für den Fortschritt zu gewinnen, und wird sie ihn auch nur dann annekmen, wenn sie mit ihm die reformatorische Aufgabe vollständig gelöst, das Werk der Reform für immer geschlossen glaubt, so ist doch nicht zu verkennen, daß es mehrere einzelne Gemeinden und wieder in jeder Gemeinde viele Einzelne gibt, welche mit den Rabbinen auf gleicher Höhe des religiösen Bewußtseins stehen und die denn doch auch von der reformatorischen Thätigkeit der Rabbinen eine Berücksichtigung verdienen. Auf den Gesammtfortschritt muß und soll allerdings zunächst das Augenmerk der Rabbiner- Versammlung gerichtet sein, aber dieser kann und darf nicht ihrer Thätigkeit ei nziger nnd ausschließlicher Zweck sein, da ganze Gemeinden oder Genossenschaften und in jeder Gemeinde viele einzelne Höherstehende, denen das unorganische Abbröckelungssystem nicht genügt und die nach einem organischen, principmäßigen Fortschritt verlangen, nicht minder berechtigten Anspruch auf ihre Thätigkeit haben. Diese als Hausfreunde betrachten, die beim Gastmahle die untersten Plätze einnehmen und während die fremden Gaste schwelgen, selbst darben sollen, ist, wo es um religiöje Befriedigung sich handelt, unstatthaft. Wie also beiden Anforderungen genügen? Ich glaube auf die einfachste Weise, durch Offenheit, Wahrheit und Redlichkeit. Dem Gesa mm tfortschritte mögen alle diejenigen praktischen Beschlüsse gelten, deren Ausführung in den Gemeinden nach ihrem dermaligen religiösen Bewußtsein möglich ist, und dcßhalb ihnen empfohlen werden kann, den Höherstehenden werde das höhere Bewußtsein der Versammlung gezeigt, daran sie erkennen mögen, wie gerne die Rabbiner - Versammlung das Princip zur Anerkennung gebracht hätte, wäre sie nicht an die Schranke des allgemeinen Gemeindebewnßtseins gebunden, nnd daraus die Hoffnung schöpfen, daß der Gesammtfortschritt der Entfaltung und Durchdringung des höhern Prinzips die Bahn brechen werde. Die Gemeinden müssen damit zufrieden sein, wenn ihnen nur nicht ein Hl'nausschreiten über die Grenzen ihres Bewußtseins angesonnen wird. Den Rabbinen können sie ihre Achtung dann nicht versagen. Zwischen dem höhern Prinzip und der geringeren Leistung findet kein Widerspruch statt, wenn jenes ausgesprochen ist und diese einem nieder« Bewußtsein gilt. Und die Fortgeschrittenen müssen und werden gleichfalls zufrieden sein, werden die Rabbinen achten und auch da, wo die Verhältnisse es gestatten, für die Durchführung und praktische Verwirklichung des höhern Bewußtseins rüstig ans Werk gehen. Daß letzteres der Fall ist, beweist der Zubel, mit welchem die Männer deS Fortschritts den Ausspruch der zweiten Rabbinerversammlung in Bezug der hebräischen Sprache

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