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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-11-22 · Heft 47 (22.11.1846) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 47 (22.11.1846)
Date
1846-11-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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374 geistige Persvnkichkeit, friit rüstiges wackereS Streben, die Offenheit und Biederkeit seines Charakters, das hingehende Vertrauen endlich, das er der Genossenschaft dadurch bewiesen, daß er in Mecklenburg. Schwerin seine Dimisnon einreichte, bevor er den hiesigen Contract in Hänven hatte, alles ries hat die Gemüthrr in dem Cr-de für ihn eingenommen, daß ihm hierdurch seine allerdings höchst schwierige Amtsstellung am hiesigen Orte bedeutend erleichtert werven wird. — Ein weiteres erfreuliches Erekg- »iß ist die nunmehr vesinitiv beschlossene Einrichtung einer Rcligioosschule, welche, bei dem energievollen Eifer der Bevollmächtigten wahrscheinlich schon zu Neujahr eröffnet werden wird. Somit wären denn auch die kommenden Geschlechter in den großen Bund der Humanität ausgenommen und das Saatkorn der Reform einem Boden anvertraut, der sicherlich die Hoffnung des Eaemanns nicht täuschen wird. Allein noch wäre immer nicht Alles gethan, so lange die dermalige Forteristenz der Genossenschaft wegen Mangels einer festen materiellen Grundlage fort, während in Frage gestellt werden könnte. Bisher wurden nämlich die bedeutenden Gemeindrausgabcn aus den laufenden Beiträgen und da diese bei weitem nicht ausrechten, von den privaten Opfergaben einzelner Mitglieder bestritten. Demnach war und ist bis diesen Augenblick noch die freie Bewegung und Wirksamkeit der Genossenschaft von wenigen Männern abhängig und allen Schwankungen und Wechselfällen auszesetzt, welchen der Einzelne in seinem innern wie äußern Leben täglich und stündlich nur zu sehr unterliegt. Es mußte daher eine Hauptsorge der Bevollmächtigten sein, diesem unsicher» und für die Dauer unhaltbarem Zustande ein für alle Mal abznhelfcn. Dies soll nun auch, wie ich auS authentischer Quelle höre, bereits in so weit geschehen sein, als man sich zu dem nächstens zu bildenden eisernen Fond bereits der Zeichnung von 20 — 30.000 Thlr. versichert hat. Hiemit hätte ich Ihnen denn in allgemeinen Umrissen ein Bild entworfen von den gegenwärtigen Bestrebungen und Zuständen der Rksvrmgenossenschaft, und invem ich Ihnen nächstens noch die Schritte mittheilcn werde, welche zu einer größer» Organisation nach Außen hin geschehen sollen, w ll ich für heute nur noch einer Episode erwähnen, die zwar bei Einigen eine augenblickliche Mißstimmung hervorgerufen hat, die aber bei dem gesunden Sinn der Gemeinde den klaren und durchsichtigen Strom der Entwicklung nicht weiter zu trüben im Stande war. Ich hätte gerne davon geschwiegen, denn wer möchte gerne Berichterstatter unangenehmer Vorfälle sein? Zudem ist auch Hr. vr. Fricdländer, der darin die Hauptrolle spielt, nicht wichtig genug, um viel Aufhebens z« machen. Allein, da auch die Reformgenossenschaft stark dabei betheiligt ist und die öffentlichen Blätter sich deßwegen des Vor- ' falls bemächtigen zu müssen glaubten, so wollen auch wir, um etwaigen Mißverständnissen uns Mißdeutungen vorznbengen, denselben hier mit kurzen Worten berühren. Hr. I)r. Friedländer, von der Generalversammlung als Hülfsprediger gewählt, hatte noch keinen Contract, noch sonst ein Rechtsdokument in Händen, als man die Entdeckung machte, daß er statt eigner bereits gedruckte Predigten Andrer vortrng und sie für die scinigen ausgab. Dies mußte eiu so übles Licht auf seinen Charakter werfen, daß ihm ohne Entweihung der Kanzel ferner zu predigen nicht gestattet werven konnte. Ueberdies wurden unter den vielen schlechten Predigten die wenigen guten als Beweise seines Talents betrachtet, das sich mit der Zeit zu etwas Tüchtigem entwickeln könne. Mit der Entdeckung aber, daß jene besseren Predigten nicht sein Eigrnthum waren, schwanden jene Beweise und soinit auch die Gründe seiner Wahl. Ja es mußte im Gegentheit als Beweis seiner Unfähigkeit gelten, daß er die fremden Arbeiten nicht ein Mal unkenntlich zu machen verstand, was doch selbst bei der stärksten Benutzung so leicht zu bewerkstelligen ist. Endlich.'mußte auch aus solchem Benehmen auf eine unglaubliche Mißachtung der Gemeinde geschloffen werden. Denn, wie würde er sonst gewagt haben, vorauszusetzen, daß unter einer so zahlreichen und Intelligenten Zuhörerschaft sich nicht Einer finden werde, demmöglicherweise die veröffentlichten Predig en zu Gesichte kommen könnten. Eine solche Beleidigung der Gesammtheit konnte nicht ungeahndet bleiben. Durch welche Maßregel das geschehen wäre, ist mir nicht bekannt, nur so viel ist gewiß, daß die Veröffentlichung des Vergehens in einem hiesigen Tagesblatte von Seiten eines noch unbekannten Anonymus dem Vorstand keine andere Wahl ließ, als entweder sich und die Genossenschaft in den Augen der Welt zu kompromittiren oder einen bedeutenden Schritt zu thun. Letzteres wurde für das Rathsamste gehalten. Doch sollte dabei auf die mildeste und schonungsvollste Weise verfahren werden, da mit Recht der Fehltritt eines noch so jungen ManneS Nachsicht verdient. In einer nicht ofsiziellen Zusammenkunft der Bevollmächtigten wurde daher heschlossen, dem Hrn. vr. Friedländer durch Einen seiner Freunde an die Hand zu geben, daß er seine Entlastung nachsuchcn möchte. Mit richtigem Takt gab er diesem Vorschläge Gehör; doch nahm er dieselbe, von einigen sogenannten Anhängern mißleitet, bald wieder zurück und versuchte auf Privatwcgen ein günstiges Nrtheil der Generalversammlung zu erzielen. Endlich aber mochte ihm die Unmöglichkeit seines ferner» Verbleibens wohl silbst klar genug geworden sein und er reichte daher am Tage vor der Generalversammlung seine Dimission ein. Diese wurde auch angenommen und da die Majorität einer niedergesetzten Prüfungskommission die Predigten

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