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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-11-22 · Heft 47 (22.11.1846) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 47 (22.11.1846)
Date
1846-11-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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373 land grassirende Confusion der politischen Parteien nicht vorbandcn, so wie dort Torys und Whigs streng einander gegenüber stehen, so sei auch bei den englischen Juden die weiche zerfließende Toleranz gegnerischer religiöser Parteien gegen einander nicht am Platz. Es war Alles sehr schön, sehr wahr und sehr klar ausgeführt. Der dießmalige Panegynkus für die Toleranz des Herrn Rabbiner Adler ist dagegen ganz kahl hingestellt. Und es war doch so leicht auch dieses Ereigniß in schöne Phrasen einzukleiden und von demselben Grundgedanken aus. Die Schroffheit der Torys und Whigs gegen einander im politischen England hat ja bekanntlich seit dem vorigen Jahr einen bedeutenden Stoß erlitten; also durste die Schroffheit der jüdisch-religiösen Parteien in London auch nicht bestehen bleiben. Denn das politische Leben wirkt auf das Religiöse unwiderstehlich zurück; und die englisch-jüdische Orthodoxie ist ebensowohl eine englische als eine jüdische. Was wird aber die Vollblutorthodorie von Karlsruhe-Altona & Comp, zu diesen Schwankungen des Hrn. Rabbiner Adler in London sagen? Nicht anders, der bisher Gehuldigte und Lobgehudelte muß ausgestoßen und verworfen werden aus der Gemeinschaft der Heiligen. Denn seine Orthodorie richtet sich ja nicht nach den ewigen Aussprüchen des Talmud, sondern nach dem zweifelhaften Verhalten der großen politischen Parteien in England. G — d. Die Reformgenossenschaft; J»r. Friedländer. <; (Berlin, im Nov.) — Der frische Lebensfunke, der sonst alle Glieder der Nesormgenoffenschaft durchglühte, der unS aber eine Zeit lang durch seinen matteren Glanz nach und nach gänzlich verglimmen zu wellen schien, fängt wieder wie ehedem an weithin wohlthueude Helle und Wärme zu verbreiten. Es ist, als ob die rauhe Hcrbstluft, die uns auf jedem Tritt und Schrick den welken Schmuck der Natur, die gelben Blätter vor die Füße treibt, die Reformer lauter und eindringlicher als alle Predigten daran gemahnt hätte, wie leicht und schnell, was noch jüngst in voller Blüthenpracht dastand, dahiuschwinden, absterben kann, wenn in der Tiefe die Quelle versiegt, der allein die wahre Kraft des Lebens, des Bestehens und Gedeihens entströmt. — Und die Zerstreuten sammeln sich wieder, wie eine große Familie stehen sie geschaart um den Altar ihres Tempels, ein regerer Verkehr herrscht unter den einzelnen Genossen, die Theilnahme ist kräftiger und allgemeiner geworden, und gewährt dies frisch erwachte Leben und Streben, dies Drängen und Treiben und Sinnen und Suchen die schönsten Aussichten und Hoffnungen für die Zukunft. Doch auch schon gegenwärtig ist die Einwirkung dieser neuen Bewegung der Geister nicht zu verkennen, und glauben wir folgende Thatsuchen und Zustände als die Erstlingsfrüchte derselben ansühren zu können, was wir hiermit um so lieber thun, als gerade in ganz jüngster Zeit getäuschte Selbstsucht und verletzte Eitelkeit das Thun und Wirken der Reformgenoffcnschaft in ein falsches Licht zu stellen sich bemüht hat. — Theils aus freien Stücken, um dem lebhafter gewordenen Interesse der Gesammthcit mehr Spielraum zu geben, theils aber auch direkt dazu aufgesordert, haben die Bevollmächtigten beschlossen, einen größern Saal für ihre Sitzungen anzuwcrben unv dann nicht nur jedes Mal 20 Gemeindemitglieder jivtcn Berathungen einzuladen, sondern auch, so weit die Lokalität es zulaffen wird, jeden Genossen freien Zutritt zu gestatten, mithin eine Oeffentlichkeit einzuführen, welche ohne Zweifel dem kräftigen Aufschwung unsers immer noch jungen Gemeindelebcns den größten Vorschub leisten wird. Noch wesentlicher und bedeutungsvoller ist der Beschluß, nunmehr bestimmte und feste Prinzipien auszusprechen, auf denen die religiöse Ucberzeugung und Gemeinschaft der Reformgenossenschaft sich aufbaut; doch soll dies kein Glaubensbekenntniß sein, das überhaupt erst ein sehr spätes Produkt des JudenthumS mit der Zeit eine hemmende Fessel für die freie Fortentwickelung des religiösen Lebens werden könnte; sondern nur die Grundanschanungen, von denen die Reformgemeinde ausgeht, sollen in bestimmter und unzweideutiger Fassung öffentlich kundgegeben werden. Wir begrüßen diesen Vorsatz mit aufrichtiger F.eude; denn hoffentlich wird seine Ausführung jeden Anschein einer lavirenden Halbheit, an dem so manche selbst innige Anhänger der Reform bisher Anstoß genommen haben, zu Nichte machen, und wird diese mannhafte Entschiedenheit sicherer und schneller die Geister gewinnen, als jede Zweideutigkeit und zweifelhafte Nachgiebigkeit. Doch soll zu jener Ausführung erst geschritten werden, wenn Dr. Holdheim hier ist, damit sie von seiner Einsicht und Autorität unterstützt desto fester und sicherer auftreten könne. Hat nun aber die Gemeinde längst das Bewußtsein nach einem solchen gemeinsamen positiven Glaubensmittelpunkt gefühlt und hat sich das Verlangen nach demselben in der letzten Zeit noch gesteigert, so ist eS natürlich, daß auch die Sehnsucht nach dem Manne, aus dessen Händen sie allein mit ganzem ungethriltem Vertrauen dies religiöse Schiboleth entgegennchmen kann, bedeutend gewachsen ist. Ueberhaupt hat sich die Sympathie für Hrn. Dr. Holdhcim zum wahre» Enthusiasmus erhoben, dem sichersten Anzeichen einer blühenden Gesundheit des Geistes und untrügl chsten Symptome gedeihlichen Emporstrebens. Der Ruf feiner Gelehrsamkeit, seine interessante

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