Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1846)
- Date
- 1846-11-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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373 bloß das Joch des äußerlichen Gesetzes abschütteln, sonder» das noch viel schwerer zu tragende Joch der innerlichen Religion auf sich nehmen wollte und deren tkatkräftige Verwirklichung für sich und Andere in Aussicht stellte. Hatte man sich zum Kampfe gegen die äußerliche Erstarrung der Religion gerüstet und war man sich des Zieles deutlich bewußt, wobin ein solcher Kampf, wenn er mit glorreichem Siege gekrönt wird, führen müsse, hatte man sich feierlich gelobt, das Schwerdt nicht eher in der Scheide ruhen zu lassen, bis der Feind aus jedem verborgenen Schlupfwinkel vertrieben und der Sieg ein vollständiger sein wird, so sah mau doch wohl ein, daß im Kriege mit einem solche» Feinde von solcher Beschaffenheit der Sieg von einer Hauptschlacht nicht zu erhoffen ist. Lassen wir das Bild fahren, im Kampfe mit dem äußerlichen Ceremonialgesetz, welches eine solche uralte historische Berechtigung, eine so tief der Ge- Müther sich bemächtigende und das Leben beherrschende Gewohnheit für sich aufzuweisen bat, läßt sich im Sturmschritte und mit einem Sprunge nichts ausrichten. Ein allgemeiner und umfassender Ausspruch über die Nichtverbindlichkeit des Ceremonialgesetzes würde beim Volke nichts nützen, und nützt er, desto schlimmer, denn woher sollte mit einem Schlage die Innerlichkeit Herkommen, die noch nirgend vorbereitet ist. Nehme man dem Volke die äußerliche Gesetzlichkeit, in der es bis jetzt die Religion zu erblicken und zu üben gewohnt war, und cs steht ganz entblößt von aller Religion da; ein solches Verfahren verdiente mit Recht den Vorwurf, nur negirt aber nichts ponirt zu haben. Dieselbe Hand, welche dem religiösen Leben nach einer Seite hin etwas nimmt, muß nach einer andern Seite bin ihm etwas Anderes geben, in dem Maße als ein Aeußerliches erschüttert wird, muß die Innerlichkeit angebauet werden. Vom Krieg im Großen läßt sich hier kein Erfolg erwarten, Alles aber von dem Krieg im Kleinen, in welchem der Feind allmählig geschwächt wird und indem er sich gegen unausgesetzte Angriffe von einem Posten zum andern flüchten und sich immerwährend vertheidigen muß, seine Kräfte aufgerieben werden. Mit einem Worte, das beliebte Abbröckelungssystem kann allein zum Siege führen. Zndm man dieses ausspricht, bekennt man unvcrholen das Ziel, dessen man sich bewußt ist, wie auch das redliche Streben, es erreichen zu wollen und ist sich auch deutlich der Mittel bewußt, die man unter den schwierigen Verhältnissen anwenden müsse, um dahin zu gelangen. Das ist die Taktik der reformatorischen Rabbiner, die vollkommen gerechtfertigt erscheint, so sie den Gesammtfortschritt ihrer und aller Gemeinden in ihrem prakttschen Wirken vor Augen haben. Indem den Gemeinden zugemuthet wird, sie sollen die praktischen Beschlüsse der R. V. in das . religiöse Gemeindeleben aufnekmen oder in die Gemeindeinstitulion einfnhren, muß man darüber Gewißheit haben, daß dasselbe dadurch keinen Schaden leiden wird, daß die Innerlichkeit soweit vorbereitet ist, um im Interesse ihres weitem Ausbaues, ihrer eigenen Erstarkung die Beseitigung eines Aeußerlichm selbst zu fordern. (Schluß folgt.) Geschichte des Tages. Die Toleranz des Londoner OberrabbinerS. (Vom untern Neckar, im Oct.) — Da es von hier aus für den Augenblick nichts namhaftes Neues zu berichten gibt, so erlauben Sie mir gefälligst eine kleine Revue über große jüdische Journal-Artikel. Mit unendlicher Bewunderung habe ich in einem sehr ehrenwerthen jüdisch-deutschen Journal den Panegyrikus aufHrn. Rabbiner Avler in London gelesen, dafür daß er die Schroffheit gegen die jüdischen Reformers in London verlassen und eine diesen angehörige Dame getraut hat, ohne Absagung und Reverse zu verlangen. Der verehrungswürdkge Referent weiß dieses erfreuliche Ereigniß nur als das rühmliche Resultat der Einwirkung deutsch, jüdisch-liberaler Presse sich zu erklären. Im vorigen Jahre brachte uns dasselbe geschätzte Journal (von der Hand des nämlichen verehrungswürdigen Referenten?) einen Panegyrikus auf den hochwürdigen Rabbiner Avler in London dafür, daß er ohne vorhergegangene Abfagung und Revers, ein jüdisches Reformmädchen zu trauen sich geweigert hat. Mit dem vorjährigen Panegyrikus war noch eine tiefeingehende Erörterung verbunden; der Leser konnte in die hohe politische Sphäre der Augsb. Allg. Ztg. sich versetzt glauben. Wir wurden damals belehrt, daß so wie in England die in Deutsch.